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EU-Kommission: Das Pharmapaket in der Kritik

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
EU-Kommission

Das Pharmapaket in der Kritik

Von Uta Grossmann

 

Die Pharmaindustrie in Deutschland begrüßt das EU-Pharmapaket, teils unter Vorbehalt, während die Spitzenverbände der Krankenkassen insbesondere die Regelungen zur Patienteninformation kritisieren. Auch die ABDA warnt vor einer Lockerung des Werbeverbots.

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Der für Unternehmens- und Industriepolitik zuständige Vizepräsident der Europäischen Kommission Günter Verheugen (SPD) hatte das Pharmapaket vorige Woche in Brüssel vorgestellt. Eine erste Fassung war im Oktober an der Kritik anderer EU-Kommissare gescheitert (siehe dazu Patienteninformation: Gegenwind für Kommissar Verheugen, PZ 44/2008).

 

Verheugen will mit dem Pharmapaket (Pharmaceutical Package) den aktuellen Herausforderungen der Arzneimittelindustrie begegnen. In Europa arbeiten 634.000 Menschen in dieser Branche. Die Europäische Union (EU) steckt mehr als 17 Prozent ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung in die Arzneimittelindustrie. Das Pharmapaket soll Arzneimittelfälschungen und deren Verbreitung verhindern helfen, Informationen über verschreibungspflichtige Medikamente leichter zugänglich machen und das EU-System zur Sicherheitsüberwachung für Arzneimittel (Pharmakovigilanz) verbessern. Die Vorschläge wurden dem Europäischen Parlament und dem Rat übermittelt. Das Gesetzgebungsverfahren wird keinesfalls vor den Europawahlen im Juni 2009 abgeschlossen werden.

 

Die Regelungen für Patienteninformationen über verschreibungspflichtige Arzneimittel beschreibt die EU in einem Memo zwar als Harmonisierung auf EU-Level und Konkretisierung mit Blick auf neue Informationswege für Patienten in Zeiten des Internets, beharrt aber zugleich auf der Beibehaltung des bestehenden Werbeverbots. Trotzdem werden die Vorschläge vielfach als Lockerung des Werbeverbots aufgefasst. Zum Beispiel soll es künftig möglich sein, Informationen über verschreibungspflichtige Arzneimittel in Fachmagazinen, auf Internetseiten und in schriftlichen Antworten der Hersteller auf Anfragen von Patienten zu verbreiten.

 

Grenze zur Werbung verschwimmt

 

Die Abgrenzung von objektiver, unverfälschter Information zur Werbung dürfte äußerst schwierig werden. Selbst die Vorschrift, die Quellen zu nennen, schützt nicht vor einer Beeinflussung im Sinne des Herstellers, der sich nach Kräften bemühen wird, sein Produkt in gutem Licht erscheinen zu lassen.

 

Dr. Stefan Etgeton vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht die Vorschläge deshalb »äußerst kritisch«. Er fürchtet, dass durch die Möglichkeit für Hersteller, in Fachmagazinen Informationen zu veröffentlichen, die Grenze zwischen Anzeigen- und redaktionellem Teil »weiter verwischt wird«, sagte er der PZ. Zudem sei die Beschränkung auf Pressetitel mit Gesundheitsbezug »Augenwischerei«, weil inzwischen fast jede Tageszeitung Gesundheitsseiten oder entsprechende Beilagen veröffentliche und damit unter die »Fachtitel« falle. Im Übrigen sollten nicht die Hersteller die Absender der Information sein, forderte Etgeton, sondern unabhängige Institutionen wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Unternehmen sollten als Quelle genutzt werden und auch Studien mit unliebsamen Ergebnissen, die in der Schublade verschwunden sind, zur Verfügung stellen.

 

Die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen forderten ebenfalls von der Pharmaindustrie unabhängige Informationsquellen. Unter dem falschen Etikett »Information« werde der Pharmaindustrie die Möglichkeit zur Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel eröffnet. Eine umfassende Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten sei von Herstellern, die ihr Produkt verkaufen wollten, nicht zu erwarten.

 

Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände kritisierte eine Lockerung des Werbeverbots scharf. »Wir Apotheker setzen uns für eine verbesserte und vor allem objektive Patienteninformation ein«, sagte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf.

 

Die Industrieverbände BPI (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie), VFA (Verband Forschender Arzneimittelhersteller) und Pro Generika begrüßten das Pharmapaket. Pro Generika verlangte aber, Patienteninformationen dürften nicht als Werbung missbraucht werden.

 

Das ursprünglich vorgesehene Verbot des Parallelhandels konnte Verheugen nicht durchsetzen. Zum Schutz vor gefälschten Arzneimitteln wollte er das Umpacken verbieten, was Re-Importe unmöglich gemacht hätte. Nun sollen die Hersteller verpflichtet werden, ein fälschungssicheres Siegel und einen Barcode auf den Verpackungen anzubringen, um den Weg jeder einzelnen Packung zurückverfolgen zu können. Edwin Kohl, Chef von Deutschlands größtem Re-Importeur Kohl Pharma, sagte der Süddeutschen Zeitung, mit dem vorliegenden Entwurf könne er sich anfreunden.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 51/52/2008

 

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