Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Rabattverträge: BKK attackiert Apotheker und Ärzte

NACHRICHTEN

 
Rabattverträge: BKK attackiert Apotheker und Ärzte
 


Die Betriebskrankenkasse Deutsche BKK hat Apotheker und Ärzte beschuldigt, die Arzneimittelrabattverträge nicht zur Genüge umzusetzen. Jedes dritte Medikament würde nicht durch ein preisgünstigeres ausgetauscht, heißt es in einer Pressemitteilung. In 15 Prozent der Fälle verhinderten Ärzte durch ein Aut-idem-Kreuz den Austausch. Bei weiteren 20 Prozent, also bei jeder fünften Packung, händigten die Apotheker kein rabattiertes Arzneimittel aus. Damit verursachten die «Austauschverweigerer» dem gesamten System der Gesetzlichen Krankenversicherung einen Schaden in Höhe von 210 Millionen Euro pro Jahr. «Viele Apotheker haben noch nicht verstanden, dass sie für die Ausgaben der Krankenkassen und damit für das Überleben unseres Gesundheitssystems eine gesetzliche Mitverantwortung tragen», behauptet Andreas Manthey, Leiter Arzneimittel und Apotheker bei der Deutschen BKK. Die Krankenkasse kündigte Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Retaxationen an bei Ärzten und Apothekern, die «fahrlässig mit der Regelung umgegangen sind».

 

Das Vorgehen trifft auf Unverständnis bei den Apothekern: «Die Apotheker verhindern die Rabattverträge nicht», sagte Christian Splett,  Wirtschaftspressereferent der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, gegenüber der PZ. «Im Gegenteil: Sie erfüllen die Verträge mit Leben, indem sie den Austausch in der Praxis umsetzen.» Die AOK als größte Krankenkasse hätte die Apotheker für ihr Engagement bereits öffentlich gelobt. «Wenn ein Apotheker einmal kein rabattiertes Arzneimittel abgibt, kann das gute Gründe haben, nämlich pharmazeutische Bedenken», sagte Splett. Zudem sei ein Austausch während Not- und Nachtdienst nicht immer möglich.

 

Fraglich ist auch die Datenbasis, auf der die Deutsche BKK ihre Anschuldigungen begründet. So mahnen Apotheker schon seit Beginn ihrer Laufzeit die mangelnde Transparenz der Rabattverträge an. Es ist nicht bekannt, wie viel die Krankenkassen tatsächlich durch die Verträge einsparen. Laut Branchenverband Pro Generika fiel fast jedes zweite Arzneimittel im Oktober unter die rund 5000 verschiedenen Rabattverträge. Die Apotheker gaben in diesem Monat mehr als 27 Millionen rabattierte Arzneimittel ab. (db)

 

Mehr zum Thema Rabattverträge

 

15.12.2008 l PZ

Foto: ABDA

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


ADKA: Stationsapotheker bundesweit benötigt

Die ADKA – Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker spricht sich ausdrücklich für die verpflichtende Einführung von Stationsapothekern...



Secukinumab auch Firstline mit beträchtlichen Nutzen

Benötigen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis erstmals eine systemische Therapie, hat der monoklonale Antikörper...



Erfolg beim zweiten Anlauf: Investoren übernehmen Stada

Die Übernahmeschlacht um den Generikahersteller Stada ist beendet. Wie die Erwerbsgesellschaft der Investoren Bain Capital und Cinven, die...



Rheuma: Antibabypille könnte Erkrankungsrisiko senken

Frauen erkranken doppelt bis dreifach so häufig an einer rheumatischen Gelenkentzündung wie Männer. Um mehr über das geschlechtsspezifische...

 
 

Den Deutschen mangelt es an Jod und Vitamin D
Die deutsche Bevölkerung ist insgesamt nicht ausreichend mit Jod und Vitamin D versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt die «Studie zur...

Versandapotheken: LAV will «gleiche Spielregeln für alle»
Wie angespannt die Situation der Apotheken auf dem Land teilweise ist, zeigte am 15. August eine Diskussion zum Thema «Gleiche Spielregeln...

Jemen: 500.000 Cholera-Verdachtsfälle
Die Zahl der Cholera-Verdachtsfälle im Jemen ist auf eine halbe Million gestiegen. Das meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mitte...

Niedersachsen: «Wir brauchen Landärzte und Landapotheken»
Mit einem klaren Bekenntnis zur wohnortnahen Apotheke hat Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) am Abend des 17. August...

Drogenbeauftragte warnt vor Verharmlosung von Cannabis
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hat eindringlich vor einer Verharmlosung von Cannabis gewarnt. Zugleich...

Urteil: Importierte Blutegel noch keine Arzneimittel
Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass zu Therapiezwecken aus dem Ausland importierte Blutegel noch keine Arzneimittel sind....

Falsche Krebsmittel: NRW verschärft Apothekenkontrollen
Im Skandal um gepantschte Krebsmittel aus einer Bottroper Schwerpunktapotheke hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef...

Thüringen: Mehr Pharmazie mit weniger Apotheken
Apotheker sind in Thüringen immer gefragter, gleichzeitig nimmt die Zahl der Apotheken in dem Bundesland insbesondere im ländlichen Raum...

Asthma und COPD: 3,6 Millionen Todesfälle weltweit
3,2 Millionen Menschen starben einer internationalen Analyse zufolge 2015 weltweit an den Folgen einer chronisch obstruktiven...

Magnesium: Wann und wie viel substituieren?
Die Verbraucherschutzzentrale Sachsen hat das Pharmaunternehmen Klosterfrau wegen zu hoher Dosierempfehlungen für ein Magnesium-Präparat...

Bei Diabetes und Darmkrebs am besten Metformin
Das Antidiabetikum Metformin kann das Gesamtüberleben von Diabetikern mit Dickdarmkrebs verlängern, hat aber keinen Einfluss auf das...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU