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OTC-Arzneimittel: Apothekenpflicht in Gefahr?

POLITIK

 
OTC-Arzneimittel

Apothekenpflicht in Gefahr?

Von Daniel Rücker, Camp de Mar

 

Auch wenn manche Supermärkte lieber heute als morgen Arzneimittel anbieten wollen. Es gibt gute Gründe dafür, dass sie dies auch in Zukunft nicht dürfen.

 

Seit 2004 werden nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel bis auf wenige Ausnahmen auch nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt. Das habe dem Image dieser Präparate erheblich geschadet, sagte PZ-Chefredakteur Professor Dr. Hartmut Morck beim Managementkongress in Camp de Mar. Nach Untersuchungen zweifelten seit der Ausgrenzung immer mehr Patienten am Nutzen dieser Präparate. Sie nehmen sie deshalb nicht mehr ein. Da gleichzeitig auf europäischer Ebene die Apothekenpflicht grundsätzlich infrage gestellt wird, sieht Morck ein Risiko, dass diese Präparate aus der Apotheke abwandern könnten.

 

Das wäre aus seiner Sicht allerdings fatal. »Der Apotheker übernimmt bei der Abgabe von OTC-Arzneimitteln die Rolle des Verbraucherschützers.« Nur die Pharmazeuten könnten irreführende Werbung zu diesen Präparaten relativieren, die Eigendiagnose der Patienten hinterfragen und beurteilen, ob das ausgewählte Arzneimittel tatsächlich auch für die Erkrankung geeignet ist, sagte Morck. Zudem könnten auch bei OTC-Arzneimitteln, vor allem bei gleichzeitiger Einnahme von rezeptpflichtigen Arzneimitteln, zum Teil gravierende Probleme auftreten. Die meisten Probleme treten in sieben Indikationen auf, besonders häufig seien sie bei Schmerzmitteln, Magen-Darm-Präparaten oder Herz-Kreislauf-Mitteln.

 

Morck hält eine Diskussion über die Apothekenpflicht für absolut kontraproduktiv. OTC-Arzneimittel seien zum überwiegendenen Teil wirksame und, bei richtiger Anwendung, auch sichere Medikamente. Sie gehörten unzweifelhaft in die Apotheke, auch weil bei einem Verkauf im Supermarkt das Image leiden würde.

 

Industrie will Apothekenpflicht

 

Auch die Industrie steht klar zur Apothekenpflicht in der derzeitigen Form, das machte Dr. Bernd Eberwein, Geschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller, deutlich. Er verwies auf ein Zitat des Verbandsvorsitzenden Hans-Georg Hoffmann. Dieser hatte bei der der Expopharm erklärt: »Der BAH steht unverändert an der Seite der Apothekerschaft und plädiert für den Beibehalt des Arzneimitteldistributionssystems in Deutschland.«

 

Der BAH-Geschäftsführer macht sich auch keine großen Sorgen um die Apothekenpflicht. Die Regelungen in der Europäischen Union seien zwar sehr heterogen, es gebe aber weder auf europäischer noch auf deutscher Ebene ein Interesse an einer Harmonisierung. Eberwein: »Die Apothekenpflicht steht nicht auf der Tagesordnung.«

 

Ein anderer Trend sollte den Apothekern allerdings zu denken geben: Durch die gestiegenen Anforderungen an die Anerkennung des »well-established use« als Basis für die Arzneimittel-Zulassung (mindestens eine valide klinische Studie) und die Umsetzung der europäischen Nahrungsergänzungsmittel-Richtlinie, bringen immer mehr Hersteller ursprünglich als Arzneimittel zugelassene Präparate in niedrigeren Dosierungen als Nahrungsergänzungsmittel oder als Medizinprodukt auf den Markt. Dies sei vollkommen legal, betonte Eberwein, führe aber dazu, dass diese Produkte nicht mehr apothekenpflichtig seien.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 46/2008

 

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