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Schnipp, schnapp

EDITORIAL

 

Schnipp, schnapp


Am Erbgut rumzubasteln ist nichts grundlegend Neues. Aber im Gegensatz zu den alten umständlichen und unpräzisen Verfahren ist die CRISPR/Cas9-Technologie schnell und sehr präzise. Sie wird die Welt verändern – die Forschungswelt wurde durch die Beschreibung dieser Genschere längst auf den Kopf gestellt.

 

Erst fünf Jahre ist es her, dass die Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna im August 2012 im Fachmagazin »Science« den gezielten Einsatz von CRISPR/Cas9 zum Entfernen, Einfügen und Verändern von DNA, also zur Genom-Editierung, beschrieben. Schon heute ist die Technik aus den Laboren der Welt nicht mehr wegzudenken. Viele Wissenschaftler haben ihre Forschung auf die Genschere umgestellt, und tausende Publikationen sind erschienen, die zeigen, welch gewaltiges Potenzial diese vergleichsweise günstige Technik bietet (lesen Sie dazu auch CRISPR-Cas9-Technologie: Eine Genschere für viele Erkrankungen und Genom-Editing: Trotz Fortschritten noch nicht praxisreif).

 

Von einem wissenschaftlichen Durchbruch zu reden, ist sicher angebracht. Aber bei der ganzen Euphorie sollte die genaue Erforschung des CRISPR/Cas9-Mechanismus nicht zu kurz kommen. Einige Fragen sind derzeit noch ungeklärt. Was ist zum Beispiel mit möglichen Off-Target-Effekten? Wenn neben der eigentlichen Zielsequenz auch andere Stellen im Genom erkannt werden, können schließlich folgenreiche Genomschäden entstehen. Die Wissenschaft sollte sich Zeit nehmen, diese Technik erst einmal genau kennenzulernen und zu perfektionieren.

 

Natürlich bietet CRISPR/Cas9 auch die Möglichkeit der genetischen Modifikation von Keimbahnzellen. Ethische und rechtliche Bedenken drängen sich in diesem Zusammenhang umso mehr auf. Eine Diskussion darüber, was erlaubt ist und was nicht, muss dringend und rasch geführt werden. Denn wie man sieht, ist das wissenschaftliche Tempo immens hoch. Die Wertevorstellungen sind sicher nicht überall auf der Erde die gleichen. Gut möglich, dass schon bald das erste Designer-Baby auf die Welt kommt, voraussichtlich in Asien.

 

Insgesamt ist die Genschere ein zweischneidiges Schwert. Einerseits stellt sie höchst interessante und Erfolg versprechende pharmazeutisch-medizinische Optionen in Aussicht, andererseits könnte damit aber auch die Büchse der Pandora geöffnet sein. Man stelle sich nur ein genetisch verändertes, hochpathogenes Supervirus in den falschen Händen vor. Welchen Weg CRISPR/Cas9 nehmen wird, bleibt abzuwarten. Für die Forscherinnen Charpentier und Doudna wird er mit ziemlicher Sicherheit nach Stockholm führen – zur Nobelpreisverleihung.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur



Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2017

 

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