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Michael Kuck: »Wir können uns den Service leisten«

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Michael Kuck

»Wir können uns den Service leisten«


Von Daniel Rücker, Essen / Über viele Jahre leitete Wilfried Hollmann die Apothekergenossenschaft Noweda. Seit Januar 2017 steht Michael Kuck an der Spitze des Pharmagroßhändlers. Wie sein Vorgänger setzt Kuck auf maximalen Service für die Mitglieder, manchmal auch zulasten des Gewinns.

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PZ: Sie sind seit einem halben Jahr Vorstandsvorsitzender der Noweda, was hat sich seitdem für Sie verändert?

 




Fotos: PZ/Müller


Kuck: Ganz eindeutig die Reisetätigkeit. Ich bin jetzt häufiger unterwegs als früher. Außerdem haben wir im Vorstand die Ressorts neu aufgeteilt. Bislang war ich im Vorstand für die Ressorts Industrie und Recht zuständig; als Vorstandsvorsitzender habe ich jetzt zusätzlich das Vertriebsressort übernommen. Und natürlich gibt auch die Gesamtverantwortung manch neuen Blickwinkel.

 

PZ: Welche Eigenschaften muss der Vorstandsvorsitzende einer genossenschaftlichen Pharmagroßhandlung mitbringen? Gibt es Unterschiede zu einem Vorstandsvorsitzenden in einem Dax-Unternehmen?

 

Kuck: Der wesentliche Punkt ist, die Idee der Genossenschaft verinnerlicht zu haben. Ein Dax-Unternehmen hat den Auftrag, für seine Shareholder Geld zu erwirtschaften. Unser Auftrag ist ein anderer. Bei uns dreht sich alles um die Mitglieder, die gleichzeitig unsere Kunden sind. Jede Entscheidung, die wir treffen, bewerten wir danach, ob sie unseren Mitgliedern nützt. Natürlich ist alles, was unseren Mitgliedern nützt, auch gut für das Unternehmen. Wir richten unser Denken ausschließlich an den Bedürfnissen der Apotheker aus. Das ist ein anderes Denken als das eines Konzerns.

 

PZ: Was machen Sie, wenn sich Ihre Mitglieder nicht einig sind?

 

Kuck: Dafür gibt es die Generalversammlung. Jedes Noweda-Mitglied hat das Recht, in der Generalversammlung aufzutreten und Anträge zu stellen. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Anteile ein Apotheker an der Noweda hat. Jedes Mitglied hat grundsätzlich unabhängig von seiner Beteiligung nur eine Stimme. Genossenschaften unterscheiden sich mit diesem absolut demokratischen Ansatz grundlegend von nicht-genossenschaftlichen Unternehmen. Auch insoweit stehen bei uns die Mitglieder an erster Stelle, nicht der Profit.

 

PZ: Welche Konsequenzen hat das für die Noweda?

 

Kuck: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben ein enorm großes Lager mit einer sehr hohen Lieferfähigkeit, das gilt auch für sehr teure Medikamente, insbesondere die sogenannten Hochpreiser. Betriebswirtschaftlich ist dies nicht immer die beste Lösung. Für unsere Mitglieder aber schon, denn sie können sich darauf verlassen, dass wir lieferfähig sind und bleiben. Wir haben selbstverständlich auch Medikamente im Lager, die nur ein- oder zweimal im Jahr nachgefragt werden. Wie schon gesagt, die Zufriedenheit der Mitglieder steht über dem Gewinn. Das ist das Fundament des genossenschaftlichen Modells. Es ist ein tradiertes Konzept und dennoch modern.

 

PZ: Wie stellt sich der Pharmamarkt aktuell dar? Kann ein Unternehmen in diesem Markt einen ausreichenden Gewinn erzielen?

 

Kuck: Die Situation des pharmazeutischen Großhandels ist sicher nicht berauschend, das muss ich Ihnen nicht erzählen. Nicht nur den Apothekern, auch dem Großhandel macht die Zunahme extrem teurer Medikamente immer mehr Probleme. Unsere Marge ist auf 38,50 Euro gedeckelt. Gleichzeitig handeln wir mit Arzneimitteln, die mehrere 10 000 Euro kosten. Wenn eines davon auf den Boden fällt, dann müssten wir sehr viele Packungen von dem Arzneimittel verkaufen, um den finanziellen Schaden zu kompensieren.

 

Der aktuelle Zuwachs beim Direktgeschäft macht uns auch nicht gerade Freude. Dennoch werden wir auch in diesem Geschäftsjahr unseren Mitgliedern sehr erfreuliche Zahlen kommunizieren können. Details kann ich Ihnen jetzt noch nicht verraten. Ich kann Ihnen aber sagen, dass wir es uns weiterhin leisten können und leisten werden, unseren mehr als 9000 Mitgliedern und Kunden einen sehr guten Service anzubieten.

 

PZ: Wie entwickelt sich derzeit die Noweda? Wachsen oder schrumpfen Sie?

 

Kuck: Wir wachsen. Auch an Mitgliedern haben wir in diesem Geschäftsjahr ordentlich zugelegt.

 

PZ: Die Noweda hat die Apotheker nach dem EuGH-Urteil stark unterstützt. Etwa im Rechtsstreit um den Abgabeautomaten in Hüffenhardt. Zahlt sich ein solches Engagement für die Noweda aus?

 

Kuck: Wir halten es für unsere ureigene Aufgabe, unsere Mitglieder zu unterstützen. Es hat sich auch ausgezahlt. Das Ergebnis hätte für die Apotheker nicht besser ausfallen können. Erfreulich war auch, dass der Landesapothekerverband Baden-Württemberg und die apothekereigene Noweda in diesem Fall praktisch Seite an Seite gestritten haben. Es ist an der Zeit, alle Kräfte zu bündeln, die für die flächendeckende Versorgung durch die inhabergeführten Apotheken in Deutschland stehen.

 

PZ: Sie sind dabei ein nicht zu unterschätzendes Risiko eingegangen. Hätten Sie verloren, dann wäre dies ein Erfolg für Doc Morris geworden.




»Nicht nur den Apothekern, auch dem Großhan­del macht die Zunah­me extre­m teurer Medikamente immer mehr Probleme.«Noweda-Chef Michael Kuck

Kuck: Das stimmt. Aber wenn wir nichts gemacht hätten, dann wäre das Ergebnis noch schlechter gewesen. Dann hätte Doc Morris über Monate seinen illegalen Abgabeautomaten bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts weiterlaufen lassen und auf diese Weise Fakten schaffen und für das Abgabemodell in der Bevölkerung werben können. Wir waren aufgrund unserer juristischen Lagebeurteilung einigermaßen hoffnungsfroh, dass das Landgericht Mosbach dem Spuk ein Ende bereiten würde. So kam es dann ja auch.

 

Der Abgabeautomat von Doc Morris ist aus meiner Sicht eine der größten Bedrohungen für die Apotheken in Deutschland. Wenn sich Doc Morris damit durchsetzen kann, wird es selbstverständlich, dass man Medikamente auch bekommen kann, wenn kein Apotheker anwesend ist. Apotheken im klassischen Sinn würden dann nicht mehr benötigt. Aber auch in sozialer Hinsicht halte ich die automatisierte Abgabe für eine Katastrophe. Kranke und Hilfsbedürftige erhalten dann zukünftig nicht mehr die menschliche Zuwendung ihres Apothekers, sondern werden von Maschinen versorgt. Wir müssen uns letztlich auch als Gesellschaft entscheiden, ob wir ein solches Szenario in Deutschland wollen.

 

PZ: Noweda hat in diesem Jahr die private Großhandlung Ebert & Jacobi übernommen. Wie läuft die Inte­gration?

 

Kuck: Die läuft sehr gut. Wir haben uns sehr auf äußerst engagierte Mitarbeiter gefreut und wurden nicht enttäuscht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass wir wie schon bei der Übernahme von Kapferer mit den neuen Kollegen auf Augenhöhe diskutieren, wie es nach der Integration in die Noweda weitergehen kann. Wir sind nicht als Eroberer gekommen. Ebert & Jacobi ist seit vielen Jahrzehnten ein sehr guter Pharmagroßhändler. Das Unternehmen gibt es seit 1884, also deutlich länger als die 1939 gegründete Noweda. So viel können die Mitarbeiter des Unternehmens also nicht falsch gemacht haben. Wir respektieren den Einsatz und die Erfahrung der Belegschaft von Ebert & Jacobi.

 

PZ: Derzeit versucht der Versender Amazon mit Hilfe eines deutschen Apothekers im deutschen Pharmamarkt Fuß zu fassen. Bereitet Ihnen dies Sorgen?

 

Kuck: Vor Amazon sollte man immer Respekt haben. Amazon versucht, mit einer Apotheke eine ganze Stadt zu versorgen und jedes Medikament innerhalb einer Stunde an jeden Ort der Stadt zu bringen. Amazon will alles unter einem Dach anbieten. Dazu zählen auch Arzneimittel. Die Apotheker sollten diese Entwicklung sehr ernst nehmen, so ernst wie die fortschreitende Digitalisierung. Hier gibt es zwar immer mehr Apotheker, die diesem Trend folgen. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Apothekern, die die Bedeutung der Digitalisierung noch nicht ausreichend ernst nehmen.

 

PZ: Wir stellen in dieser Interviewreihe immer auch einige wenige Fragen zur Person des Interviewten. Ich würde gerne von Ihnen wissen, ob Sie eine Stammapotheke haben.

 

Kuck: Ja, ich habe eine Apotheke in der Nähe meines Hauses. In die geht die ganze Familie regelmäßig. Hier werden wir sehr gut beraten und natürlich ist der Inhaber Noweda-Mitglied.

 

PZ: Was gefällt Ihnen an dieser Apotheke am besten?

 

Kuck: Man kennt uns in der Apotheke. Der Apotheker und das gesamte Apotheken­personal sind fachlich sehr gut, engagiert und hilfsbereit. So wie es in einer guten Apotheke eben sein sollte. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2017

 

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