Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Hautalterung: Was Anti-Aging leisten kann

TITEL

 
Hautalterung

Was Anti-Aging leisten kann


Von Christiane Bayerl / Wichtigster Baustein im Anti-Aging der Haut ist der Schutz vor UV-Strahlung und neu auch vor Umweltschadstoffen. Topische Zubereitungen können die Hautalterung verlangsamen, bei der Reparatur zellulärer Schäden helfen und die Kollagenneubildung fördern. Aktuell steht die unregelmäßige Pigmentierung im Fokus, denn diese lässt den Menschen zehn Jahre vorgealtert erscheinen.

ANZEIGE


Wie jedes Organ altert auch die Haut. Die genetisch angelegte Hautalterung und der natürliche hormonelle Status bewirken die sogenannte intrinsische Hautalterung. Selbstbestimmte Einflussgrößen und Einwirkungen von außen führen zur extrinsischen Hautalterung. Dazu zählen Umweltfaktoren wie die UV-Strahlung, Rauchen, Dieselruß und Abgase, Ernährung und Lebensstil.

 

In histologischen, biochemischen und molekularbiologischen Untersuchungen wurde gezeigt, dass bei der UV-induzierten, also extrinsischen Haut­alterung andere pathophysiologische Prozesse ablaufen als bei der normalen Alterung. Jedoch summieren sich Umweltfaktoren und intrinsische Hautalterung und formen zusammen das Bild der Altershaut (1, 2).

 


Tabelle 1: Alterungsprozesse der Haut

Hautalterung Charakteristika und Beispiele 
zelluläre Seneszenz
(metabolische und zellbiologische Einschränkungen verschiedener Zelltypen) 
Punktmutationen

chromosomale Veränderungen

posttranslationale Modifikation von Proteinen

hormonelle Depletion 
Folgen auf molekularer Ebene Störung von Regulationsproteinen der Zellteilung (Cyclin-abhängige Kinasen, Sirtuine)

Störung zytoskelettaler Proteine (Keratine)

Onkogenese-Promotion (c-fos/c-jun reduziert, Veränderung im STAT-3-Signalweg)

Störung der Lipidsynthese in Keratinozyten (FoxO1-Transkription geändert)

DNA-Reparatur gestört AGEs (advanced glycation end products) erhöht

Telomerverlust Mitochondrien-DNA verändert

oxidativer Stress nicht ausreichend abgefangen 

Kennzeichen der Altershaut

 

Die Altershaut ist atroph, die Höhe der Verzahnung von Ober- zu Unterhaut flacht ab. Die Zellschichten der Epidermis sind um 15 Prozent dünner, die mito­tische Aktivität herabgesetzt. Das Zellvolumen der Keratinozyten ist reduziert, die Corneozyten sind dagegen größer. Die intrazelluläre Calciumkonzentration ist vermindert. Melanozyten und Langerhans-Zellen sind reduziert. Die physikalische Barriere erholt sich nach exogenen Noxen langsamer, ebenso das pH-Gefälle.



Auch die natürlichen Feuchthaltefaktoren (NMF) nehmen ab. Die Lipide im Stratum corneum weisen eine veränderte Ceramid-Zusammensetzung auf und der Lipidgehalt ist im Verhältnis zum Wassergehalt reduziert, was die Permeabilität beeinflusst (3). Da das Stratum corneum rigide und starr wird, ist der transepidermale Wasserverlust eher geringer und die Barrierefunktion erhöht.




Zwei UV-bedingte Hautkrebstypen: oben Lentigo-maligna-Melanom am Kinn (Sicherheitsabstand für die Exzision mit schwarzem Filzstift markiert), unten ein Spinaliom an der Wange

Fotos: Your Photo Today


Doch obwohl der Lipidgehalt der Altershaut vermindert ist, können hoch lipidlösliche Substanzen wie Testosteron und Estradiol gut aufgenommen werden. Dagegen ist für relativ hydrophile Substanzen wie Benzoesäure und Acetylsalicylsäure die mittlere Aufnahmezeit bei Altershaut länger. Ein mög­licher erhöhter Passage-Effekt von Irritan­zien, zum Beispiel Säuren, Laugen und Emulgatoren, über die Haut­anhangsgebilde wird diskutiert (4). Tabelle 1 zeigt Faktoren der zellulären Seneszenz und ihre Folgen.

 

Einer der wichtigsten Treiber der extrinsischen Hautalterung ist UV-Licht. Es induziert nicht nur benigne Veränderungen. Die WHO hat die natürliche und künstliche UV-Strahlung 2009 in die Liste der karzinogenen Strahlen aufgenommen.

Karzinogene Effekte von UV-Strahlung

 

Nach der Datenlage ist UVB verantwortlich für die häufig an UV-exponierten Körperstellen auftretenden akti­nischen Keratosen, die man als Präkanzerosen versteht, als Vorstufen des Spinalioms (epithelialer Hauttumor). Man erkennt die aktinischen Kera­tosen an Krusten auf gerötetem Grund, die sich immer wieder lösen, schmerzen und bluten. Der sogenannte weiße Hautkrebs hat ein potenzielles Metastasierungsrisiko von etwa 2 Prozent. Beim schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, ist die UV-Strahlung ein Co-Faktor, jedoch nur bei bestimmten Typen, vor allem beim Lentigo-maligna-Melanom. Dieses Mela­nom des älteren Menschen tritt an UV-exponierten Körperstellen wie Stirn, Schläfen, Wangenpartie, Hand­rücken und Unterarmen auf.

 

Der UVA-Strahlung wird bei höheren Dosen ebenfalls ein karzinogenes Potenzial zugesprochen. Das im Vergleich zu UVB langwellige UVA dringt tiefer ein und fördert die Hautalterung über diverse Effekte an Mitochondrien, Fibroblasten und Kollagen auf- und abbauenden Enzymen sowie die Bildung von freien Sauerstoffradikalen in der Dermis.

 

Mithilfe der Elektronen-Spin-Resonanz kann die Menge der durch UV-Strahlung ausgelösten freien Radikale bestimmt werden. Ein gewisser Anteil freier Radikale ist notwendig, auch für die Vitamin-D-Bildung. Er liegt unterhalb der individuellen Erythemschwelle, also unterhalb der UV-Dosis, ab der eine leichte Hautrötung wie bei einem beginnenden Sonnenbrand entsteht. Zu viel UV-Strahlung generiert freie Radika­le mit zellschädigender Wirkung und Lipidperoxidation (2). Dafür wurde der Terminus einer kritischen Radikalenkonzentration geprägt.




Bewährte Maßnahme gegen UV-bedingte Hautschäden: der Aufenthalt im Schatten

Foto: Fotolia/Gilles Paire


Auf molekularer Ebene löst UV-Strahlung DNA-Schäden aus, die durch Reparaturenzyme zum Teil behoben werden (DNA-Reparatur). Bei Melanom-Patienten wurde festgestellt, dass sich Schäden auch in der genomischen DNA finden und nicht nur auf den transkribierten DNA-Abschnitten. UVB induziert vorwiegend Cyclobutan-Pyrimidin-Dimere und 6-4-Photoprodukte (falsche Brückenbindungen zwischen Nukleinsäuren), während UVA oxidative Schäden in Form von 8-Oxoguanin hervorruft. Für diese Schäden besitzt der Organismus nukleäre Reparaturenzyme: für die beiden typischen UVB-Schäden die Nukleotidexzisionsreparatur und für das 8-Oxoguanin die Basenexzisionsreparatur. Auch UVB kann (in geringerem Ausmaß als UVA) oxidativen Stress auslösen. Es gibt also keine strikte Trennung zwischen UVA- und UVB-Effekten.

 

Die DNA-Reparatur unterliegt einem Alterungsprozess. Dies begünstigt die Tumorentstehung auf Basis von UV-Schäden.

 

Ein Schaden des Entwicklungsregulators Notch, der abhängig von Milieu und Gewebe die Reifung von Stammzellen steuert, begünstigt eine »Feldkanzerisierung«, das heißt multiple aktinische Keratosen und Spinaliome, die großflächig auftreten. In der Pathogenese wird heute neben den UVB-Effekten auch dem chronisch-entzündlichen dermalen UVA-induzierten Prozess vermehrt Bedeutung beigemessen, da Entzündung – und ein UV-Erythem (Sonnenbrand) ist eine Entzündung – lokal krebsfördernd sein kann.

 

Da sich Spinaliome aus der Feldkanzerisierung entwickeln können, liegt eine frühzeitige und großflächige Therapie nahe. Antientzündliche Lokaltherapien mit Diclofenac/Hyaluronsäure, zytotoxischen Pflanzenextrakten wie Ingenol Mebutat, immunanregenden Zubereitungen mit Imiquimod oder topisches 5-Fluorouracil sowie die photodynamische Therapie sind in Studien geprüft.

 

Prävention der UV-Schädigung




Ebenso wichtig gegen UV-bedingte Hautschäden: reichlich Sonnenschutzprodukte mit hohem Lichtschutzfaktor

Foto: Fotolia/paultarasenko


Die Prävention wird vor dem Hintergrund der positiven physiologischen Effekte der Sonnenstrahlung zurzeit neu diskutiert. Einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel erreichen zu wollen, ist keine Entschuldigung für einen Sonnen­brand. Die Empfehlung, zur Mittagszeit die Sonne zu meiden oder eine Siesta zu halten, wie in den sonnigen südlichen Ländern üblich, ist nach wie vor sinnvoll.

 

Der textile Lichtschutz hat sich weiterentwickelt und wird mittlerweile vor allem von Eltern mit Kleinkindern gut angenommen. Dann muss eine Sonnenschutzcreme nur noch an den unbedeckten Körperstellen aufgetragen werden. Die Präparate enthalten neben potenten UVB-Filtern ebenfalls einen UVA-Schutz. Die Auslobung des UVA-Schutzes erfolgt als schwarz gedrucktes UVA in einem schwarzen Kreis. Nach der Definition soll der UVA-Schutz ein Drittel des ausgelobten UVB-Schutzes betragen.

 

Der ausgelobte Sonnenschutzfaktor (sun protection factor, SPF) wird aber nur bei einer Auftragemenge von 2 mg/cm2 erreicht. Wer ein Sonnenschutzpräparat mit SPF 50, aber nur die Hälfte der geforderten Menge appliziert, hat keinen SPF von 25 – was ausreichend wäre. Vielmehr fällt die Schutzwirkung exponenziell ab: Die Wurzel aus 50 ergibt etwa einen SPF von 7 – was zu wenig ist.

 

Ein Sonnenschutzmittel wirkt direkt nach dem Auftragen. Nach acht Stunden sind bei einer Auftragemenge von 2 mg/cm2 noch 75 Prozent des SPF vorhanden. Nur bei Wasserkontakt oder starkem Abrieb ist Nachcremen notwendig.

 

Es gilt also für die Menge des Sonnenschutzpräparates: Viel hilft viel und wirkt lang!

 

Topika und Sonnenschutzprodukte enthalten häufig auch Radikalfänger, da UVA, aber auch UVB die Bildung reakti­ver Sauerstoffspezies (ROS) fördern, die zur Lipidoxidation führen, Transkriptionsfaktoren aktivieren, DNA-Strangbrüche verursachen und die Energieproduktion in den Mitochon­drien der Zelle drosseln. Die Aktivität der zelleigenen enzymatischen Schutzsysteme (Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase, Katalase) nimmt mit zunehmendem Alter ab. 




Bewährte Maßnahme außerdem: Textiler UV-Schutz

Foto: Fotolia/aquar


Auch die altersbedingte Verkürzung der Telomere wird durch oxidativen Stress beschleunigt (3). Freie Radikale werden entweder durch »Einfangen« (scavenging) oder durch »Knacken« (quenching) durch Radikalfänger unschädlich gemacht. Auch nicht-enzymatische Antioxidanzien wie Betacarotin (Provitamin A), die Vitamine L-Ascorbinsäure (Vitamin C), Tocopherol (Vitamin E) und das Coenzym Q (Ubichinol) fungieren als Radikalfänger.

 

Radikalfänger in Topika sind eine breite Gruppe von Substanzen, die vor allem der Hautalterung vorbeugen. Sie sind unterschiedlich gut untersucht. Die galenische Zubereitung stellt besondere Herausforderungen, zum Beispiel der Schutz des leicht oxidierbaren Vitamin C.

 

Orale Radikalfänger wie Lycopen oder Lutein wirken vor allem gegen die Hautalterung in der Dermis (5). Sie ersetzen nicht das Sonnenschutzmittel, da sie keinen SPF über 2 bis 3 erreichen. Eine Supplementation mit anderen Radikal­fängern hat in großen epidemiologischen Studien für Beta-Carotin eine Zunahme von Lungenkarzinomen gezeigt (CARET-Studie). In der SELECT-Studie zeigte sich eine nicht signifikante Zunahme von Prostatakrebs in der Vitamin-E-Gruppe und von Diabetes mellitus in der Selen-Gruppe, die aber dennoch zu einem vorzeitigen Studien­abbruch führte (6).

 

Reparaturenzyme werden topisch liposomal verkapselt eingesetzt, um einen Teil des molekularen UV-Schadens zu beheben. DNA-Reparaturenzyme wie die Photolyase können nach Photoreaktivierung innerhalb der DNA Cy­clobutan-Pyrimidin-Dimere reparieren. Sie sind auch ergänzend zu photo­dynamischer Therapie (PDT) effektiv. So war ein Schutzprodukt mit Reparaturenzymen und Lichtschutz effektiver in der Reduktion aktinischer Keratosen als der Kontrollarm mit PDT und Lichtschutz alleine (7).

 

Palette der Anti-Aging-Maßnahmen




Topische Anti-Aging-Präparate sollen die Haut glatter und straffer aussehen lassen.

Foto: AOK Mediendienst


Anti-Aging der Haut umfasst sowohl die Prävention (Lichtschutz, Radikalfänger) als auch die Korrektur, das heißt Verlangsamung von Alterserscheinungen der Haut. Für topische Zubereitungen mit Vitamin-A-Säure-Derivaten sowie mit Hormonen (rezeptpflichtig) liegen histologisch kontrollierte Studien vor, die eine Zunahme kollagener Fasern, eine Reorganisation der elastischen Fasern und eine Verbesserung der Reteleisten (Verbindungen zwischen Epidermis und Dermis) zeigen.

 

Abhängig von der Tiefe, das heißt der Invasivität eines chemischen Peelings regt auch diese minimal-invasive Maßnahme eine Kollagenneubildung an. Die häufigsten Indikationen für ein chemisches Peeling in der Dermatologie sind aktinische Keratosen und Präkanzerosen, Falten bei Hautalterung, unregelmäßige Pigmentierung, Akne vulgaris (begleitend zur dermatologischen Therapie) und oberflächliche Narben.

 

Die Photo-Rejuvenation bei der photo­dynamischen Therapie (PDT) führt zu einer Kollagenneusynthese, wenn auch das Wirkprinzip noch nicht verstanden ist (8). Die PDT wird zur Behand­lung aktinischer Keratosen weiterhin intensiv eingesetzt. Es bestehen daher gute Chancen, in nächster Zeit mehr Daten zu erhalten.

 

Dagegen hat das topische Anti-Aging keine Wirkung auf stark der Mimik unterlegene Falten und schlaffe Hautpartien. Maßnahmen der ästhetisch-rekonstruktiven Dermatologie wie Unterspritzungen mit Fillern, autologe Fetttransplantation, Botulinumtoxin-Injektionen oder Laser-Rejuvenation sind dann zu diskutieren (1).


Tabelle 2: Beispiele für depigmentierende Agenzien (nur Vertreter der großen Gruppen) nach der biologischen Abfolge der Pigmentierungs­schritte

Stadium der Melaninsynthese Wirkprinzip Bleichende Agenzien 
vorher Tyrosin-Transkription erniedrigt Inhibition von Plasmin Tretinoin, Tranexamsäure 
währenddessen Tyrosin-Inhibition Peroxidase-Inhibition reaktive Sauerstoffradikale Hydrochinon, Azelainsäure, phenolische Verbindungen, Ascorbinsäure 
danach Inhibition des Melanosomentransfers Erhöhung des Zell-Turnovers Regulation des Entzündungsmilieus Interaktion mit Kupfer Hemmung der Melanozyten-Reifung Hemmung von PAR-2 Niacinamid Glykolsäure, Retinsäure Corticosteroide Kojicsäure, Ascorbinsäure Arbutin Soja-Trypsin-Inhibitor 

Evidenz-basiertes topisches Anti-Aging

 

Die Vitamin-A-Säure-Präparate sind die am besten untersuchten (doppelblind, Vehikel-kontrolliert) und effektiven Topika im Anti-Aging. Sie enthalten entweder Derivate von Vitamin A (Retinol) oder synthetische Liganden der nukle­ären Retinoid-Rezeptoren wie Retinal (Retinaldehyd) oder Vitamin A-Säure (Tretinoin). Alle Vitamin-A-Derivate binden an spezifische Kernrezeptoren und lösen eine Gentranskription aus. Ein diätetischer Mangel an Retinoiden führt zu Trockenheit der Haut, Hyperkeratose und Schleimhautverände­rungen.

 

UV-Strahlung induziert Matrix-Metallo­proteinasen (MMP) in Fibroblasten, die Kollagen abbauen. Die Expres­sion von Kollagen wird durch Trans­kriptions­faktoren kontrolliert, die die Promotoren der jeweiligen Gene entweder aktivieren oder unterdrücken. Neben Tretinoin (cave: nicht in der Schwangerschaft) konnten auch Tazaroten und Adapalen in einer randomisierten und kontrollierten Multicenterstudie günstige Effekte auf die Hautalterung zeigen. Dies gilt auch für Retinol, Retinaldehyd und Retinyl-Propionat. Retinol ist weniger irritativ, aber auch 20-fach geringer wirksam als Tretinoin.

 

Bei Anwendung von Vitamin-A-Säure-Derivaten ist Lichtschutz obligat!

 

Bei der topischen Hormonapplikation sind die Konzentrationen, die in Anti-Aging-Zubereitungen für die Gesichtshaut eingesetzt werden dürfen, ohne Blutspiegel zu erzielen, gut untersucht. Studien, die gut 30 Jahre zurückliegen, haben histologisch kontrollierte Effekte mit Kollagenneuaufbau gezeigt. Basa­le Keratinozyten, Fibroblasten, Melanozyten, Gefäßendothelien, Talgdrüsen, Haarfollikel, ekkrine und apokrine Drüsen exprimieren allesamt Estrogen­rezeptoren (9), die 17β-Estra­diol binden. Topisch aufgetragen waren Estrogene wirksam gegen Haut­alterung und führten zu einem Anstieg von Kollagen Typ III. Die Individual­rezepturen sind rezeptpflichtig.

 

Bei postmenopausalen Frauen und »altersgematchten« Männern (Durchschnittsalter 75 Jahre in beiden Gruppen) wurde 14 Tage nach topischer Applikation einer Estradiol-Zubereitung mittels quantitativer PCR, immunhistochemisch und mit ELISA die Kollagenneubildung gemessen (10). Es fanden sich erhöhte Prokollagen-I- und -III-mRNA und Kollagen-I-Protein in den UV-geschützten Hautpartien der Hüfte nach Anwendung der Estradiol-Creme. Der Effekt war bei Frauen größer als bei Männern. Dagegen fand sich dieser Effekt am Unterarm streckseits und an der Gesichtshaut nicht. Die Autoren postulieren, dass in UV-gealterten Hautarealen die topische Hormontherapie keine Wirkung hat – eine interessante Beobachtung, die jedoch kritisch gesehen werden muss. Der Altersdurchschnitt in der Studie lag sehr hoch. Erfahrungsgemäß verspricht man sich von einer topischen hormonellen Anti-Aging-Therapie bei Frauen vor allem in den ersten zehn Jahren nach der Menopause eine Wirkung, später eher nicht mehr.

 

Inhaltsstoffe in Kosmetika




UV-Strahlung, Rauchen, aber auch Umwelt­schadstoffe fördern eine unregelmäßige Pigmentierung.

Foto: Fotolia/stockdevil


Kosmetika werden ebenfalls in klinischen Studien geprüft, die unterschiedlichen Evidenzgraden entsprechen. Die höchste Aussagekraft erreichen Studien – und damit die darin überprüften Wirkstoffe –, bei denen das Verum kontrolliert und randomisiert gegen die Grundlage an Probanden geprüft wurde. Einige Wirkstoffe schaffen diese hohe Hürde, zum Beispiel Retinol/Retin­aldehyd, L-Ascorbinsäure, alpha-Liponsäure, bestimmte Peptide, Salicy­loyl-Phytosphingosin, niedermolekulare Hyaluron­säure/N-Acetylglukosamin und Niacinamid (Vitamin B3) (11).

 

Niacinamid ist der neue Blockbuster unter den zellprotektiven Substanzen. Oral wird die Einnahme von zweimal 500 mg täglich empfohlen. Es blockiert die Hemmwirkung der UV-Strahlung auf die ATP-Produktion, minimiert die UV-bedingte Immunsuppression, fördert die DNA-Reparatur und reduziert aktinische Keratosen. In Kosmetika werden drei Formen eingesetzt: Niacin­amid, Nicotinsäure (Nicotinic Acid) und Nicotinatester.

 

Die Substanz ist ein Radikalfänger und ein essenzielles Vitamin in der Nahrung, dessen Mangel Pellagra (Dermati­tis mit Hyperpigmentierung, ­Diarrhö, Demenz, Tod) auslöst. Es ist Bestand­teil von Nicotinamid-Adenin-Dinukleo­tid (NAD) und Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid-Phosphat (NADP), die als Coenzyme bei zahlreichen bio­logischen Prozessen eine Rolle spielen, so in der Synthese von Fettsäuren und Kollagen. Altershaut weist gegenüber junger Haut einen verminderten Gehalt an NADP/NADPH auf. Die Sub­stanz in 2- bis 5-prozentiger topischer Zubereitung stimuliert die Durchblutung, die Biosynthese von Ceramiden, Sterinen und Fettsäuren, die Kollagen­bildung in vivo und verringert den Transfer von Melanosomen aus Melanozyten an die Keratinozyten (12).

 

Der Wachstumsfaktor TGF-β1, üblicherweise rekombinant aus Bakterien gewonnen, ist das am besten untersuchte Wachstumshormon in der Wundheilung und wird auf der Basis einiger weniger Studien auch in Kosmetika gegen Hautalterung eingesetzt. Studiendaten bewerten den ­Effekt auf die Faltenreduktion beim Menschen als signifikant oder mit einer Tendenz zur Signifikanz bei Kombina­tion mit Lichtschutzpräparaten (13). Es ist zu beachten, dass rekombinante menschliche Wachstumsfaktoren mitogene Effekte auf Keratinozyten haben, Insulin-like growth factor-1 (IGF-1) erhöhen und zu vermehrter Sebum­produktion führen.

 

Pigment und Hautalterung

 

Zur extrinsischen Hautalterung trägt nicht nur UV-Strahlung und Rauchen, sondern auch die Umweltverschmutzung bei. Für sogenannte Altersflecken (Lentigo solaris), weniger für die Faltenbildung sind Dieselrußpartikel der Abgase verantwortlich. Menschen, die in Städten mit großem Straßenverkehrsaufkommen leben, hatten an Stirn und Wangen 20 Prozent mehr Pigment­flecken als Menschen in dünn besiedelten Regionen.

 

Eine Studie bei Kaukasiern und Asiaten fand eine Korrelation von Stickstoffdioxid (NO2) und Pigmentierungen (Lentigines) an der Wange, jedoch nicht an Handrücken und Unterarmen (14). Es wurde daher vermutet, dass reakti­ve NO2-Abbauprodukte wie Hy­droxyl-Radikale an der Wangenhaut besser penetrieren. Polyzyklische aro­ma­tische Hydrocarbone aus Abgasen setzen proinflammatorische Reize und summieren sich so mit dem UV-Schaden, eventuell mit einem Co-Faktor und einer genetischen Disposition zu Lentigines und Lungenschäden.

 

Mithilfe fotografischer Atlanten wurde gezeigt, dass das Pigmentbild der Haut ein bedeutendes Merkmal der Alterseinschätzung ist. Ein gleichmäßig pigmentiertes Gesicht wurde jung, ein unregelmäßig, fleckig pigmentiertes älter geschätzt, unabhängig vom Faltenbild der Haut. Die Notwendigkeit zu einer konsequenten Gesichtsreinigung am Abend, die Umweltschmutz entfernt, wurde aus diesen Daten ebenso abgeleitet wie die Suche nach einem Hautschutz, der über einen Lichtschutz hinausgeht.

 

Unerwünschte Pigmentierung mildern

 

Therapieoptionen sind bleichende Substanzen und Substanzen, die den Turn-over der Haut steigern wie Retinoide, Salicylsäure oder deren Derivate oder die Chemoexfoliation mit chemischem Peeling (1) (Tabelle 2). Die schälenden Substanzen wirken über die Eliminierung des Pigments in den Keratino­zyten. Retinoide regulieren zudem das pigmentbildende Enzym Tyrosinase herun­ter.

 

Hydrochinon ist eine bleichende Substanz und stellt in klinischen Studien den Goldstandard dar, an dem sich andere pigmentregulierende Substanzen messen. Die Substanz hemmt die enzymatische Oxidierung von Tyrosin zu DOPA, einen frühen Schritt auf dem Weg der Melanogenese. Hydrochinon ist rezeptpflichtig, da seltene Nebenwirkungen wie die Ochronose, eine unschöne bläulich-braune Verfärbung der Haut oder ein fleckiges braun-weißes Hautbild, bei großflächiger Anwendung beobachtet wurden. Eine Sensibilisierung, die zu einem Kontaktekzem führt, tritt bei 0,4 Prozent der mit Hydro­chinon Behandelten auf.

 

Eine ganze Reihe weiterer Stoffe wird gegen unerwünschte Pigmentflecken eingesetzt. Kojicsäure ist das Stoffwechselprodukt eines Pilzes und ­blockiert die Tyrosinase über Chelatbildung am Kupfer des Enzyms. Azelain­säure (Nonandisäure) hemmt Propionibacterium acnes, wirkt komedolytisch und hemmt kompetitiv die Tyrosinase, die DNA-Synthese und die mitochon­driale Oxidoreduktase. Niacinamid bewirkt als Protease-Inhibitor eine Re­duktion des Melanosomen-Transfers. Vitamin C (L-Ascorbinsäure) und Vitamin E bleichen vorhandenes Pigment und wirken als Antioxidanzien. Acetylcystein führt zu einem intrazellulären Anstieg des Glutathion-­Gehalts, was zu einem Anstieg der Phäomelanin- statt der Eumelanin-Synthese führt und insgesamt ein helleres Hautbild erzeugt (15).


Die Autorin

Christiane Bayerlstudierte Medizin an der Universität Heidelberg/Mannheim. Nach ihrer Dissertation 1991 wurde sie 1995 Leitende Oberärztin an der Universitätshautklinik Mannheim und habilitierte sich 1997 über Hitzeschockproteine in Keratinozyten nach UV-Stress. Sie erhielt 2004 die außerplanmäßige Professur und ist seit 2006 Direkto­rin der Klinik für Dermato­logie und Allergologie und seit 2009 zusätzlich Leiterin des Hauttumorzentrums Wiesbaden. Ihre Publikationsliste umfasst 148 Publikationen. Sie hat mehr als 50 klinische Studien zu Medikamenten, Lokaltherapeutika und dermatokosmetischen Produkten geleitet. Professor Bayerl ist im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Ästhetische Dermato­logie und Kosmetologie der Deutschen Dermato­lo­gischen Gesellschaft (DDG), Beauftragte der DDG für die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) und Heraus­geberin der Fachzeitschrift Aktuelle Dermatologie.

 

Professor Dr. Christiane Bayerl, Klinik für Dermatologie und Allergo­logie, Hauttumorzentrum Wiesbaden, HELIOS Dr. Horst Schmidt Kliniken, Ludwig-Erhard-Straße 100, 65199 Wiesbaden, E-Mail: christiane.bayerl@helios-kliniken.de

 


Fazit

 

UV-Schutz und Radikalfänger dienen der Prävention der Hautalterung. Mit in klinischen kontrollierten Studien überprüften Wirkstoffen aus ärztlichen Rezepturen oder aus Kosmetika können bei topischer Anwendung oberfläch­liche Falten gemildert werden. Die Reduk­tion unregelmäßiger Pigmentierung und die Reparatur von UV- oder Umwelt-bedingten zellulären Schäden durch Wirkstoff-haltige Externa gewinnen an Bedeutung. /


Literatur 

  1. Bayerl, C., Hautalterung und evidenz-basierte topische Strategien. Hautarzt 67 (2016) 140-147.
  2. Zastrow, L., Lademann, J., Light – instead of UV protection: New requirements for skin cancer prevention. Anticancer Res 36 (2016) 1389-1393.
  3. Wohlrab, J., Hilpert, K., Wolff, L., Epidermale Alternsprozesse und Anti-Aging-Strategien. Hautarzt 67 (2016) 107-111.
  4. Roskos, K. V., Maibach, H. I., Guy, R. H., The effect of aging on percutaneous absorption in man. J Pharmacokinetics Biopharma­ceutics 17 (1989) 617-630.
  5. Grether-Beck, S., et al., Molecular evidence that oral supplementation with lycopene or lutein protects human skin against ultra­violet radiation: Results from a double- blinded, placebo-controlled, cross-over study. Br J Dermatol 176 (2017) 1231-1240
  6. Stege, H., Schwarz, T., Vitamin D und UV-Schutz. Hautarzt 68 (2017) 364-367
  7. Krutman, J., et al., New strategies in the prevention of actinic keratosis: A critical review. Skin Pharmacol Physiol 28 (2015) 281-289
  8. Orringer, J. S., et al., Molecular effect of photo­dynamic therapy. Arch Dermatol 144 (2008) 1296-1302.
  9. Zouboulis, C. C., Bornstein, S. R., Haut und Hormone. Aktuelles aus der Dermato-Endokrinologie. Dtsch Med Wschr 138 (2013) 1561-1563
  10. Rittié, L., et al., Induction of collagen by estra­diol: difference between sun-protected and photodamaged human skin in vivo. Arch Dermatol 144 (2008) 1129-1140
  11. Leitlinie der Gesellschaft für Dermokos­metik (GD), Dermatokosmetik gegen Haut­alterung 2017. www.gd-online.de
  12. Bayerl, C., Vitamin B3 in der kosmetischen Dermatologie. Akt Dermatol 2017, in press.
  13. Gold, M. H., Goldman, M. P., Biron, J., Human growth factor and cytokine skin cream for facial rejuvenation as assessed by 3D in vivo optical skin imaging. J Drugs Dermatol 6 (2007) 197-201
  14. Hüls, A., et al., Traffic-related air pollution contributes to development of facial lenti­gines: further epidemiological evidence from caucasians and asians. JID 136 (2016) 1053-1056.
  15. Bayerl, C., Unerwünschte Pigmentierung. Hautarzt 66 (2015) 757-763.



Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2017

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 











DIREKT ZU