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Antidepressiva: Bei Schwangeren offenbar sicher

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Antidepressiva: Bei Schwangeren offenbar sicher
 


Antidepressiva in der Schwangerschaft erhöhen einer aktuellen Studie zufolge das Risiko für eine geistige Behinderung bei den Nachkommen nicht. Eine schwerwiegende Intelligenzminderung war in der Studie bei Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft ein Antidepressivum eingenommen hatten, zwar häufiger. Der Unterschied verschwand aber, wenn die Autoren um Dr. Alexander Viktorin von der Ichan School of Medicine at Mount Sinai in New York andere Faktoren wie das Alter oder psychiatrische Erkrankungen der Eltern berücksichtigten. Im Fachjournal «JAMA Psychiatry» vertreten sie deshalb die Auffassung, dass es diese Faktoren sind und nicht die antidepressiven Wirkstoffe, die das Risiko erhöhen.

 

Die Forscher bezogen in ihre populationsbasierte Auswertung sämtliche Kinder ein, die in Schweden in den Jahren 2006 und 2007 geboren wurden. Anhand von Registerdaten ermittelten sie einerseits, welche der Mütter in der Zeit ihrer Schwangerschaft Antidepressiva angewendet hatten, und andererseits, welche Kinder bis zum Jahr 2014 die Diagnose geistige Behinderung (intellectual disability, ID) erhalten hatten. Letztere war definiert als Intelligenzquotient unter 70 einhergehend mit Funktionsdefiziten im Alltag.

 

ID kam bei 856 von 179.007 Kindern vor und war damit insgesamt selten. In der Gruppe der nicht exponierten Kinder lag das relative Risiko jedoch mit 0,5 Prozent niedriger als in der Gruppe der exponierten (0,9 Prozent). Unter Berücksichtigung potenziell verzerrender Faktoren, etwa Alter, Bildungsabschluss und psychiatrische Erkrankungen der Mutter und des Vaters, war der Unterschied jedoch nicht mehr statistisch signifikant. Ein bemerkenswertes Teilergebnis ist hier, dass fast 40 Prozent der Mütter, die als Schwangere mit Antidepressiva behandelt wurden, vor der Geburt überhaupt keine psychiatrische Diagnose hatten.

 

Die Autoren gehen davon aus, dass das beobachtete erhöhte Risiko für ID nicht mit der Einnahme von Antidepressiva zusammenhängt, sondern mit anderen Faktoren. Für diese Interpretation des Ergebnisses spricht auch, dass in der Studie zwischen verschiedenen Antidepressiva-Klassen keine Unterschiede gesehen wurden. (am)

 

DOI: 10.1001/jamapsychiatry.2017.1727

 

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17.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Valua

 

 

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