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Augen: Von wegen keimfrei

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Augen: Von wegen keimfrei
 


Die Oberfläche des Auges, die bislang unter normalen Umständen als absolut keimfrei angesehen wurde, ist in Wirklichkeit zumindest von einer Bakterienart dauerhaft besiedelt: Corynebacterium mastitidis. Wissenschaftler um Dr. Anthony St. Leger vom US-amerikanischen Forschungszentrum NIH, die im Fachjournal «Immunity» über diesen Fund berichten, gehen sogar davon aus, dass das Auge wie andere Körperoberflächen ein eigenes Mikrobiom hat, das aus mehreren verschiedenen Bakterienarten besteht. Das dürfte erklären, warum die Empfindlichkeit für Pilzinfektionen des Auges nach Anwendung Antibiotika-haltiger Augentropfen steigt.

 

Die Oberfläche des Auges ist eine der bakterienfeindlichsten Umgebungen im Säugetierkörper, da sie ständig von Tränenflüssigkeit gespült wird, die eine Reihe von antimikrobiell wirksamen Substanzen enthält. Bestimmte Versuchsmäuse entwickeln jedoch häufig bakterielle Bindehautentzündungen. Die Forscher stellten fest, dass bei diesen Tieren Interleukin (IL)-17 in Immunzellen der Bindehaut fehlt, und vermuteten einen Zusammenhang mit einer Besiedelung des Auges mit einem kommensalen, also nicht schädlichen Bakterium. Dieser friedliche Dauerbewohner regt die Immunzellen zur Produktion von IL-17 an, was wiederum bei einer Besiedelung mit schädlichen Keimen die Immunantwort ankurbelt, so die These.

 

Mit C. mastitidis fanden die Forscher schließlich einen entsprechenden Kandidaten, der in anschließenden Tests tatsächlich Immunzellen der Bindehaut zur IL-17-Produktion anregte. Tränenflüssigkeit von Mäusen mit C.-mastitidis-Besiedelung erwies sich zudem als tödlich für Candida albicans und Pseudomonas, bekannte Erreger von Bindehautentzündungen. Bei Mäusen, die zuvor anfällig für solche Entzündungen gewesen waren, stieg die IL-17-Produktion, wenn die Forscher C. mastitidis direkt in ihre Augen gaben, und sie widerstanden anschließend auch Candida- und Pseudomonas-Infektionen.

 

Da beim Menschen in gesunden Augen sehr viel C.-mastitidis-DNA gefunden wird, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Bakterium auch um einen menschlichen Kommensalen handelt. Die Forscher wollen nun nach weiteren Bakterien suchen, die das Mikrobiom des Auges ausmachen. (am)

 

DOI: 10.1016/j.immuni.2017.06.014

 

17.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Delphimages

 

 

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