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Krankenhauspharmazie: Sicherheit in der Arzneimitteltherapie hochfahren

TITEL

 
Krankenhauspharmazie


Sicherheit in der Arzneimitteltherapie hochfahren

Von Pamela Reissner und Jochen Schnurrer

 

Die Arzneimitteltherapiesicherheit erhält immer mehr Beachtung, bei Ärzten, Apothekern und Patienten. Das Bundesministerium für Gesundheit hat einen Aktionsplan zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit vorgelegt, in den die Apotheker als Fachleute für Arzneimittel mit eingebunden sind.

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Im Folgenden werden Strategien zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit vorgestellt: Erfassung und Dokumentation von Medikationsfehlern, Lernen aus Fehlern sowie Strategien zu deren Vermeidung.

 

In den letzten Jahren hat das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) immer mehr Bedeutung im Gesundheitswesen bekommen. Die Medien berichten regelmäßig über Fehler in der Medizin, Kollegen der Gesundheitsberufe stehen in der Öffentlichkeit zu ihren Fehlern (1). Auch die Patienten werden aufmerksamer für Risiken der Arzneimitteltherapie. In der Politik rücken AMTS, Risikominimierung sowie Qualitätssicherung in den Fokus. Bereits 2002 hat sich der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. bei seiner Jahrestagung mit der Thematik beschäftigt: »Medikationsirrtümer und Vermeidungsstrategien« lautete das Motto des Kongresses in München.

 

Mit der Gründung des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit e. V. hat die Arzneimitteltherapiesicherheit einen weiteren Schub bekommen. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen soll eine umfassende Betrachtung der Risiken der Arzneimitteltherapie ermöglichen. In Arbeitsgruppen werden Strategien zur Erhöhung der Sicherheit erarbeitet. Unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit wurde ein »Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit« erstellt (2).

 

Zahlreiche Studien, insbesondere aus dem angelsächsischen Sprachraum belegen, dass Fehler in der Arzneimitteltherapie eine wichtige Rolle spielen. Dies zeigen auch die immensen Kosten, die durch Medikationsfehler entstehen, zum Beispiel durch Verlängerung von Liegedauern oder Wiedereinweisungen (3-7). In den letzten Jahren befassten sich zahlreiche Veröffentlichungen mit Maßnahmen zur Erhöhung der Arzneimitteltherapiesicherheit, unter anderem durch Vermeidung von Medikationsfehlern (7-11). Durch die aufweichenden Sektorengrenzen wird eine Kooperation von öffentlichen Apothekern in der Betreuung ambulanter Patienten mit Krankenhausapothekern in der Verantwortung für stationäre Patienten immer wichtiger. Das Gleiche gilt für die Kooperation und Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Versorgung. Gemeinsame, aufeinander abgestimmte Maßnahmen zur Risikoreduktion in der Arzneimitteltherapie tragen dazu bei, die Zusammenarbeit weiter zu verbessern und mehr Sicherheit für die Patienten zu erreichen.

 

Patienten sensibilisieren

 

Die Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit (AG AMTS) der ADKA beschäftigt sich seit 2004 mit der Erkennung und Vermeidung von Medikationsfehlern. Ein wichtiger Punkt ist die Sensibilisierung der Patienten. Hierunter fällt vor allem die Aufklärung über die individuelle Arzneimitteltherapie. Ein aufgeklärter Patient ist gegenüber möglichen Risiken sensibilisiert und kann so mithelfen, diese zu vermeiden. In zahlreichen Projekten haben sich Krankenhausapotheker dieser Aufgabe angenommen und informieren Patienten zusätzlich zu den Ärzten über ihre Therapie. Ziele sind beispielsweise eine verbesserte Compliance (12) und die Sicherung des Therapieerfolgs (13).

 

Die ADKA selbst hat innerhalb der Arbeit der AG AMTS Patientenfaltblätter für verschiedene Arzneimitteltherapien entwickelt. Diese beschreiben anschaulich die häufigsten Probleme einer Therapie, ohne den Patienten zu verunsichern. Diese Hilfestellung wird in einfacher Sprache erklärt und mit Piktogrammen verdeutlicht. Bisher steht ein Patienten-Handzettel zur Therapie mit Bisphosphonaten zur Verfügung. Weitere Faltblätter zur Thromboseprophylaxe, zur antihypertonen Therapie mit ACE-Hemmern, Betablockern und AT1-Antagonisten sowie zu Opioiden werden folgen.

 

Zu beachten ist immer die Verständlichkeit der schriftlichen Information, die auf den durchschnittlichen Patienten zugeschnitten sein muss. Anschauliche Bilder und Piktogramme sollten integriert werden, denn damit können Sprachbarrieren gut umgangen werden (14, 15, 16). Praxen mit zahlreichen nicht-deutschsprachigen Patienten sollten auch eine Übersetzung der Information bereithalten. Zahlreiche Anwendungsfehler, aber auch Unsicherheiten bei der Medikamenteneinnahme könnten durch solche Faltblätter verhindert werden, wie das Beispiel (17) zeigt (siehe Kasten).


Fallbeispiel: Schwerwiegender Anwendungsfehler

Eine Patientin wird aufgrund schwerer Verätzungen im Vaginalbereich in die Gynäkologie aufgenommen. Sie wurde vom niedergelassenen behandelnden Gynäkologen eingewiesen, da dieser nach der Verordnung von Ibuprofen 400 mg bei Bedarf und Wiedervorstellung der Patientin keine weitere Therapieoption hatte. Die Frau türkischer Abstammung hatte sehr schlechte Deutschkenntnisse. Aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Religiosität war ihr die Situation sichtlich unangenehm. Daher suchte sie erst mit massiven Schmerzen und schweren Verätzungen einen Arzt auf. Es stellte sich heraus, dass sie das vom Gynäkologen verordnete Alendronat 70 mg vaginal angewendet hatte.

 

Hier sind zahlreiche Faktoren beteiligt, warum es zu diesem Fehler kam und dieser sich bis zur Patientin durchsetzte. Durch die ovale Form des Arzneimittels und die im Vergleich relativ große Tablette ist eine Verwechselung mit einer Vaginaltablette erklärlich. Aufgrund der rudimentären Deutschkenntnisse verstand die Patientin vermutlich weder die mündliche Erklärung zum Arzneimittel und der Arzneiform noch die Inhalte der Gebrauchsinformation. Eine weitere Verwechselung begünstigte das Durchschlagen des Fehlers. Die Frau hatte bis vor Kurzem von ihrem Frauenarzt ein Arzneimittel »für die Wechseljahre« erhalten. Dies war ein Estrogen-Ovulum zur vaginalen Anwendung.


Zusätzlich zur Gestaltung von Patientenhandzetteln können der verordnende Arzt und der abgebende Apotheker weitere Maßnahmen ergreifen (18), die auch die Kooperation der Heilberufler fördern. Sie können gemeinsam Listen für kritische Arzneimittel erstellen oder schriftliche Informationen verfassen und übersetzen.

 

Ebenfalls wichtig ist die Sensibilisierung des Patienten an den Schnittstellen von der ambulanten zur stationären und wieder zur ambulanten Versorgung. Ist der Patient hier aufmerksam für mögliche Risiken, zum Beispiel Umstellung von Medikamenten, fehlende Arzneimittel oder Doppelverordnungen, kann er beispielsweise durch Rückfragen gezielter an der Therapiesicherheit mitwirken. Viele Kliniken haben die Information zur Arzneimitteltherapie an den Schnittstellen bereits in eine zentrale Patienteninformation aufgenommen, zum Beispiel im Patientenleitfaden des Universitätsklinikums Schleswig Holstein (19). Auch zur Aufklärung des Patienten wird die ADKA demnächst ein Faltblatt herausgeben, das jeder Apotheker nutzen und gegebenenfalls in hausinterne Informationen und Informationsmedien integrieren kann.

 

Griffige Botschaften setzen

 

Häufig sind Risiken, die mit einer Arzneimitteltherapie verbunden sind, nicht bekannt oder nicht in jeder Situation bewusst. Um hier die Aufmerksamkeit bei allen an der Therapie Beteiligten zu erhöhen, hat die AG zahlreiche weitere Strategien entwickelt. Zielpersonen sind sowohl (Krankenhaus-)Apotheker als auch Ärzte und Pflegepersonal sowie gegebenenfalls Patienten. Ein zentrales Element ist eine Posterserie.

 

Griffige bildliche Darstellungen sollen das Augenmerk beim Umgang mit Arzneimitteln und deren Verordnung auf kritische Situationen lenken. Als thematische Schwerpunkte hat die AG häufig aufgetretene Fehler, entnommen aus der Auswertung des Meldesystems (siehe später), sowie bekannte Risiken rund um Arzneimittel aus der Literatur gewählt (20, 21). Diese Aktivitäten setzen bereits Strategien aus dem Aktionsplan des Bundesministeriums für Gesundheit um, zum Beispiel bei den Themen:

 

Verringerung des Risikos bei der Arzneimittelanwendung aufgrund ähnlich klingender Namen oder ähnlich aussehender Verpackungen,
Verordnungs- und Anwendungshinweise für Arzneimittel mit hohem Risiko, zum Beispiel deren Identifizierung.

 

Häufig gemeldet wurden Verwechslungen aufgrund Sound-alike (11 Prozent/mit Look-alike gesamt 20 Prozent) oder falschen/fehlenden Angaben in Patientenkurven zu Dosierung (38 Prozent) und Arzneiform (11 Prozent). Am häufigsten wurde mit 55 Prozent aller Nennungen »fehlende Kenntnis« angeführt. Aus der Literatur wurden zwei weitere wichtige Themen entnommen: Risiken bei der Teilung von Arzneiformen (22-24) und durch schlecht leserliche Handschrift (22, 25, 26). Ein weiteres Poster wurde zum Risiko der Verwechselung durch Sound-alikes gestaltet.

 

Ein weiterer Weg, um auf Risiken der Arzneimitteltherapie aufmerksam zu machen, ist die Etablierung der Serie »Medikationsfehler des Monats« in der Zeitschrift Krankenhauspharmazie. Hier wird jeden Monat ein besonders eindrucksvoller oder auch ganz alltäglicher Fehler geschildert, von dem man eigentlich erwartet, dass er gar nicht passieren kann. Hierzu gehören Fehler, die in der Routine unter Zeitdruck und Stress oder durch nicht optimale Arbeitsabläufe passieren.

 

Bei der Analyse der Fehler oder der riskanten Situation wird nicht nach Verursachern gesucht, denn eine Schuldzuweisung ist hinsichtlich Fehlervermeidung kontraproduktiv. Vielmehr wird eine Ursache gesucht und die gesamte Situation nachvollzogen, in der dieser Fehler auftrat und sich durchsetzen konnte. Dabei finden sich meist zahlreiche Ansatzpunkte, wie eine riskante Situation entschärft werden könnte. Diese Strategien werden zielgerichtet beschrieben und in einem Kommentar für ähnliche Situationen empfohlen. Ziel der Serie ist es, zu sensibilisieren, aber auch Kollegen Hilfen zu geben, wie sie in der Praxis eigene Strategien zur Fehlervermeidung etablieren können. Die Fallbeispiele stammen aus eigener Erfahrung oder aus Meldungen von Kollegen im ADKA-eigenen Fehlerdokumentationssystem.

 

Dokumentation mit System

 

Beispielnehmend an der Luftfahrt entwickelte die AG AMTS vor einigen Jahren ein Meldesystem für Medikationsfehler (10). Grundlage ist die Anonymität der Meldenden sowie die Unabhängigkeit von jedweden disziplinarischen Vorgesetzten. Nur so kann eine große Anzahl an Meldungen erreicht werden. Ziel war und ist die Erstellung einer Datenbank häufiger und besonders auffälliger Risiken. Basierend auf solch einer Datenbank können zielgerichtete Vermeidungsstrategien etabliert werden. Schwerpunktorientierte Auswertungen ermöglichen eine Übersicht über die Situation hinsichtlich der Arzneimitteltherapiesicherheit in Krankenhäusern.

 

Das System wurde 2008 weiter verbessert: ADKA-Dokupik® entstand. Zum einen steht es nun allen (Krankenhaus-)Apothekern auch als Einzelplatzvariante online zur Verfügung. Dies hat den Vorteil, dass jeder individuell Fehler auswerten und somit auch individuellere Lösungsstrategien erarbeiten kann. Jedes Krankenhaus kann so für sich die Situation in der Arzneimitteltherapiesicherheit darstellen und zielgerichtet verbessern (www.adka.de).

 

In dem System werden alle Umstände, die zu einem Fehler geführt haben, dokumentiert. Neben der Situationsbeschreibung können weitere Angaben wie Ort oder Art des Fehlers eingegeben werden. Dessen Schwere wird nach der Klassifikation des National Coordinating Council for Medication Error Reporting and Prevention beurteilt. Zusätzlich kann der Dokumentierende Vorschläge für Strategien zur Fehlervermeidung einbringen. Zukünftig können auch Maßnahmen und Interventionen erfasst werden, um so die geleistete Arbeit des Apothekers besser zu dokumentieren.

 

Auswertung der Fehlermeldungen

 

In dem neuen System können zahlreiche Filter genutzt werden, die zielgerichtete Auswertungen erlauben. Zum Beispiel sind Abfragen nach Fehlerarten innerhalb verschiedener Bereiche möglich. Auch eine Übersicht, welche Gründe für verschiedene Fehlerarten am häufigsten verantwortlich sind, kann nun erstellt werden. Diese Filterabfragen ermöglichen es dem Anwender, gezieltes Risikomanagement zu betreiben.

 

Seit Januar 2005 wurden 352 Berichte erfasst und ausgewertet. Am häufigsten berichtet wurden Dosierungsfehler (54 Prozent aller Meldungen). Dies deckt sich mit den bisher publizierten Ergebnissen angloamerikanischer Studien (20, 21). Interessant ist allerdings, dass abweichend von diesen Studienergebnissen die Nichtberücksichtigung einer eingeschränkten Nierenfunktion lediglich 4 Prozent der Dosierungsfehler in den Meldungen im ADKA-Meldesystem ausmachten. Dies ist durch die Tatsache erklärbar, dass deutsche Krankenhausapotheker im Gegensatz zu ihren angloamerikanischen Kollegen in der Regel nicht auf Station tätig sind. In der Konsequenz werden Dosierungsfehler berichtet, die erst bei der Prüfung von Anforderungen in der Krankenhausapotheke identifiziert werden können. Hierzu zählen Überschreitung der maximal erlaubten Tagesdosis sowie Überdosierung infolge von Doppelverordnungen.

 

Neben den Dosierungsfehlern stellen Fehlmedikationen infolge ähnlich klingender oder ähnlich aussehender Arzneimittel eine zweite wichtige Gruppe dar. 20 Prozent aller berichteten Fehler sind auf diese als Sound- oder Look-alikes bezeichneten Arzneimittel zurückzuführen. Das aus Marketinggründen nachvollziehbare Bemühen um eine firmeneinheitliche Gestaltung der Arzneimittelpalette (Corporate Identity) stellt somit unter dem Gesichtspunkt der Arzneimitteltherapiesicherheit ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.

 

Bei den Sound-alikes wurden Verwechslungen sowohl infolge ähnlich klingender Handelsnamen wie Bisopuren®/Isopuren® oder ähnlich klingender Wirkstoffe berichtet (Dobutamin/Dopamin, Cotrimazol/Clotrimazol, Clonidin/Clomipramin). Eine weitere Ursache ist die Ähnlichkeit zwischen Handels- und Wirkstoffnamen, zum Beispiel bei Lisino®/Lisinopril.

 

Das Auftreten der Sound-alikes wird durch die Tatsache begünstigt, dass weder Ärzte noch Pflegepersonal das in Deutschland auf dem Markt befindliche Arzneimittelsortiment überblicken und sich ähnlich klingender Alternativen oft gar nicht bewusst sind. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die Krankenhausapotheker in die Arzneimittelanamnese einzubinden.

 

Durch Berücksichtigung möglicher Sound- und Look-alikes kann diese Fehlerquelle schon beim Arzneimitteleinkauf minimiert werden, zum Beispiel durch Vermeidung von Corporate Identity bei Einkaufsentscheidungen und Organisation eines Warenlagers unter dem Gesichtspunkt der Look-/Sound-alike-Problematik. Eine weitere grundsätzliche Strategie, um Verwechselungen zu umgehen, ist die Sensibilisierung aller an der Anwendung von Arzneimitteln beteiligten Personen. Das Poster »Sound-alike« aus der AMTS-Posterserie der ADKA macht Ärzte und Pflegepersonal sowie Patienten auf das Thema aufmerksam.

 

Eine weitere Hilfestellung für die Fachkreise gibt eine Tabelle, die zahlreiche Look-alikes und Sound-alikes auflistet. Diese findet sich auf der Homepage der ADKA (www.adka.de) und wird von der AG AMTS regelmäßig aktualisiert.

 

AMTS in Aus-, Fort- und Weiterbildung

 

Viele Krankenhausapotheker sind seit Jahren in puncto Arzneimitteltherapiesicherheit in Aus-, Fort- und Weiterbildung aktiv. Dies betrifft zum einen die Ausbildung von Pharmaziestudenten im Fach »Klinische Pharmazie« sowie im dritten Prüfungsabschnitt. Aber auch in der Fort- und Weiterbildung sind Krankenhausapotheker, oft auch interdisziplinär tätig. In zahlreichen Kliniken sind sie an der Ausbildung von Ärzten im Praktischen Jahr sowie an regelmäßigen Fortbildungen für Ärzte und Pflegepersonal beteiligt.

 

Die AG AMTS der ADKA bietet einmal im Jahr eine Fortbildung zum Thema an. In diesem Workshop führt der Risikomanagement-Fachmann Manfred Müller von der Lufthansa in die Bereiche Sicherheit und Fehlervermeidung ein (weiterführende Literatur: 27). In Kleingruppen wird das Thema in selbstständiger Arbeit vertieft; anhand von eigenen Beispielen erarbeiten die Teilnehmer Fehlervermeidungsstrategien und üben deren Bewertung. Ziel des Workshops ist es, Fähigkeiten zum selbstständigen Arbeiten in der Risiko- und Fehlervermeidung zu erlernen.

 

Ausblick

 

Weitere Strategien und Projekte der Arbeitsgruppe stehen in Zukunft an. Inhaltlich an den Aktionsplan des BMG angelehnt, wird es Aktivitäten geben zu etlichen Themen: Adherence/Compliance, AMTS in Aus-, Fort- und Weiterbildung, Meldung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen/Kommunikation im Sinne des Stufenplanverfahrens (Pharmakovigilanz), Hochrisiko-Arzneimittel und -arzneimitteltherapie, Medikationsüberprüfung, AMTS an den Sektorgrenzen/Schnittstellenprojekte, »Seamless Care«, Überleitungsstrategien, Identifizierung gefährdeter Patienten sowie Medikationspläne, Medikamentenbegleiter und -pässe. Eine engere Verzahnung der einzelnen Berufsgruppen wird ebenso angestrebt wie Strategien, die sektorenübergreifend wirksam werden.

 

Das Thema Arzneimitteltherapiesicherheit wird in allen Berufsgruppen immer wichtiger. Die Apotheker müssen gemeinsam Strategien entwickeln und umsetzen, um eine höhere Sicherheit zum Wohl des Patienten zu erreichen.


Literatur

  1. Aus Fehlern lernen. Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V., KomPart Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 1. Aufl. 2008.
  2. Bundesministerium für Gesundheit, Aktionsplan 2008/2009 zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) in Deutschland.
  3. Grandt, Friebel, Müller-Oerlinghausen, Arzneitherapie-(un)sicherheit. Dt. Ärzteblatt (2005) A509-A515.
  4. Pirmohamed, et al., Adverse drug reactions as cause of admissions to hospital: prospective analysis of 18820 patients. BMJ 329 (2004) 15-19.
  5. Bates, et al., Adverse drug events in ambulatory care. N. Engl. J. Med. 348 (2003) 1556-1564.
  6. Barber, et al., Prescribing errors in hospital inpatients: their incidence and clinical significance. Qual. Saf. Health Care 11 (2002) 340-344.
  7. Taxis, K., et al., Medikationsfehlern in deutschen Krankenhäusern. Krankenhauspharm. 11 (2004) 465-470.
  8. Institute of Medicine: Preventing medication errors. 2006.
  9. Secker-Walker, et al., Clinical risk management. BMJ Books 2. Aufl. London 2001, S. 419-438.
  10. Schnurrer, J. U., Medikationsfehler. Ergebnisse des ADKA-Berichtssystems. KHP 11 (2006) 477-485.
  11. Hoppe-Tichy, et al., Medikationsirrtümer lassen sich vermeiden. Pflege aktuell 12 (2002) 656-658.
  12. Klein, A., Krämer, I., Pharmazeutische Betreuung lebertransplantierter Patienten unter besonderer Berücksichtigung der Compliance mit der immunsuppressiven Therapie. Krankenhauspharm. 12 (2007) 458-468.
  13. Hohmann, C., Klotz, J. M., Radziwill, R., Pharmazeutische Betreuung von Schlaganfall-Patienten. Krankenhauspharm. 5 (2006) 175-180.
  14. Nink, K., Schröder, H., Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage? WidO-Materialien Bd. 53, Bonn 2005; ISBN
    3-922093-39-6.
  15. www.wido.de/arz; Packungsbeilage, Downloads, Musterpackungsbeilage.
  16. Framm, J., et al, Arzneimittelprofile für die Kitteltasche. 3. Aufl., Dt. Apoth. Verlag 2005.
  17. AG Arzneimitteltherapiesicherheit der ADKA, Verätzung durch falsche Anwendung von Arzneiformen. Krankenhauspharm. 5 (2008) 181-183.
  18. Schaafsma, et al., Accessing medication information by ethnic minorities: Barriers and possible solutions. Pharm. World Sci. 25, Nr. 5 (2003) 185-190.
  19. Patientenleitfaden Universitätsklinikum Schleswig-Holstein; www.uk-sh.de/output/[...]
  20. Bates, D. W., Leape, L. L., Petrycki, S., Incidence and preventability of adverse drug events in hospitalized adults. J. Gen. Intern. Med. 8 (1993) 289-294.
  21. Bates, D. W., et al., Incidence of adverse drug events and potential adverse drug events. Implications for prevention. JAMA 274, Nr. 1 (1995) 29-34.
  22. ISMP Poster, A medication error reduction tip from the Institute for Safe Medication Practices 2002. www.ismp.org
  23. Gemeinsame Stellungnahme von DPhG und APV zur Teilbarkeit von Tabletten. Pharm. Ztg. 152, Nr. 26 (2007) 2457.
  24. Heyde, C., Arzneimittelgabe über die Sonde ­ Möglichkeiten, Probleme, Grenzen. PZ Prisma 14 (2007) 21-25.
  25. Gekritzel auf dem Rezept; www.sueddeutsche.de vom 4. 12. 2007.
  26. Kreutzkamp, B., Fast ein Drittel enthalten Fehler. Krankenhauspharm. 2 (2008) 71.
  27. Reissner, P., Schnurrer, J. S., Müller, M., Strategien zur Vermeidung von Risiken in der Arzneimitteltherapie. Krankenhauspharm. 8 (2008) 343-348.

Die Autoren

Pamela Reissner studierte Pharmazie an der MLU Halle. Sie absolvierte ein vierwöchiges Praktikum im Drug-Information-Service am Shands-Hospital, Gainesville/Florida und besuchte Vorlesungen (Clinical Pharmacy) an der University of Florida. Nach der Approbation im Jahr 2000 war sie in Krankenhausapotheken in Neuruppin und Lübeck tätig und wechselte im Januar 2007 zur Apotheke der Gesundheit Nordhessen Holding AG in Kassel. Seit 2003 ist Reissner Fachapothekerin für Klinische Pharmazie. Seit 2004 ist sie Schatzmeisterin des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) e. V. und Sprecherin der Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit.

 

Jochen Schnurrer studierte in Marburg Pharmazie und fertigte seine Dissertation am Institut für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover an. Nach Tätigkeiten in einer öffentlichen Apotheke sowie als wissenschaftlicher Angestellter war er seit 2001 in mehreren Krankenhausapotheken tätig. Mitte 2006 schloss er die Weiterbildung zum Fachapotheker für Klinische Pharmazie ab und übernahm ein halbes Jahr später die Leitung der Zentralapotheke im St. Bernwards Krankenhaus in Hildesheim. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Buchbeiträge verfasst. Seit Mai 2006 ist Dr. Schnurrer Vorsitzender der ADKA-Arbeitsgruppe Arzneimitteltherapiesicherheit.

 

 

Pamela Reissner

Apotheke der Gesundheit Nordhessen Holding AG

Mönchebergstraße 41-43

34125 Kassel

pamela.reissner(at)gesundheit-nordhessen.de


Außerdem in dieser Ausgabe...

Beitrag erschienen in Ausgabe 43/2008

 

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