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Ärztemangel: Hausarzt-Zentren sollen Trend im Norden stoppen

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Ärztemangel: Hausarzt-Zentren sollen Trend im Norden stoppen
 


Jeder dritte der knapp 2000 Hausärzte in Schleswig-Holstein ist älter als 60 Jahre – und der Nachwuchs steht nicht Schlange zur Übernahme einer Praxis besonders auf dem Lande. Als Gründe nannte die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) heute infrastrukturelle Defizite und ein verändertes Selbstverständnis der jungen Ärztegeneration. «Wo Schulen und Polizeistationen geschlossen und Busfahrpläne ausgedünnt werden, wird es auch für Ärzte nicht attraktiver», sagte die KVSH-Vorstandsvorsitzende Monika Schliffke.
 
Mit einem Bündel von Maßnahmen will die KVSH einem Ärztemangel vor allem auf dem Land entgegenwirken. Dazu gehört, dass sich Ärzte an einem gut erreichbaren Ort auf dem Lande zusammenschließen und mit einem Hausarztzentrum die medizinische Versorgung sichern. Auch die Entlastung von Ärzten durch qualifiziertes Praxispersonal und der verstärkte Einsatz von Telemedizin sollen helfen.
 
Im Norden erledigen 5400 niedergelassene Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten jährlich 18 Millionen ambulante Behandlungsfälle. Im Bereitschaftsdienst der KVSH kümmern sie sich außerhalb der Praxisöffnungszeiten um 250.000 Patienten. Noch sind die Menschen im Land nach Einschätzung der KVSH gut mit Ärzten versorgt. Von denen werden aber in den nächsten Jahren voraussichtlich viele ihre Praxis aus Altersgründen aufgeben – ohne vor allem im ländlichen Raum überall einen Nachfolger zu finden.
 
Zum Alternativmodell Hausarztzentrum gehören auch angeschlossene Zweigpraxen in kleineren Nachbarorten. Die Delegation von Routine-Hausbesuchen an qualifiziertes Praxispersonal und der Einsatz von Telemedizin sind nach Ansicht der KVSH ebenfalls geeignet, dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen. Außensprechstunden von Fachärzten aus der Stadt in zentralen Hausarztpraxen auf dem Land gebe es ebenfalls bereits.
 
«Diese neuen Strukturen mit ihrem Mix aus Praxisinhabern und angestellten Ärzten bieten, was der medizinische Nachwuchs sucht: Eine enge kollegiale Zusammenarbeit, die Tätigkeit im Angestelltenverhältnis – auch in Teilzeit – und insgesamt eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf», sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein, Thomas Maurer.
 
Mittlerweile rund 270 Zweigpraxen sorgen vor allem in der Fläche dafür, dass die Patienten zumindest zeitweise einen Haus- oder Facharzt aufsuchen können. Zunehmend delegieren Ärzte auch Aufgaben an speziell qualifizierte medizinische Fachangestellte. Landesweit entlasten mehr als 160 nichtärztliche Praxisassistentinnen Hausärzte, indem sie unter anderem Routine-Hausbesuche übernehmen.
 
Auch die telemedizinische Betreuung von Patienten wird laut KVSH in Zukunft eine größere Rolle spielen, um die ambulante Versorgung in der Fläche zu sichern. So könnte der Gesundheitszustand chronisch kranker Patienten digital kontrolliert werden, ohne dass diese einen weiten Weg zur nächsten Arztpraxis antreten müssen.
 
27.06.2017 l dpa
Foto: Fotolia/MG
 

 

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