Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Parkinson: Statine könnten Krankheitsbeginn beschleunigen

NACHRICHTEN

 
Parkinson: Statine könnten Krankheitsbeginn beschleunigen
 


Die Einnahme von Statinen kann den Beginn eines Morbus Parkinson bei Menschen, die für diese neurodegenerative Erkrankung prädisponiert sind, beschleunigen. Zu diesem Ergebnis kommen US-amerikanische Forscher um Dr. Guodong Liu vom Pennsylvania State University College of Medicine im Fachjournal «Movement Disorders». Damit widersprechen sie früheren Untersuchungen, die Statinen einen eher protektiven Effekt zugeschrieben hatten.
 
Die Wissenschaftler filterten aus einer Versicherungsdatenbank, in der die Daten von mehr als 50 Millionen Menschen erfasst waren, 2322 Patienten mit einer neu diagnostizierten Parkinson-Erkrankung heraus. Diese verglichen sie mit einer ebenso großen Anzahl an Menschen ohne Erkrankung, die den Parkinson-Patienten bezüglich Alter, Geschlecht und Komorbiditäten entsprachen (Kontrollgruppe). Die Auswertung zeigte, dass die Einnahme von Statinen mit einer erhöhten Prävalenz der Parkinsonkrankheit assoziiert war, insbesondere im ersten Behandlungsjahr. Dabei gab es einen Unterschied zwischen lipophilen, also ZNS-gängigen, und wasserlöslichen Wirkstoffen: Patienten, die lipophile Statine einnahmen, hatten ein signifikant um 58 Prozent erhöhtes Risiko. Unter der Anwendung von wasserlöslichen Statinen war das Risiko lediglich nicht signifikant um 19 Prozent erhöht. «Unsere Ergebnisse stehen im Widerspruch zu der Hypothese, dass lipophile Statine einen nervenschützenden Effekt haben», sagt Seniorautorin Dr. Xuemei Huang in einer Pressemitteilung des College. Diesen Zusammenhang hatte unter anderem ein 2012 im Fachjournal «Archives of Neurology» erschienener Artikel nahegelegt.
 
Die aktuellen Ergebnisse weisen darauf hin, dass Statine den Beginn einer Parkinson-Erkrankung beschleunigen können, da die Assoziation besonders deutlich bei denjenigen war, die die Lipidsenker kürzer als ein Jahr eingenommen hatten. Für diese Gruppe war das Risiko um 82 Prozent erhöht.
 
Huang betont, dass weitere Forschung nötig sei und Patienten ihre Statin-Therapie unbedingt fortsetzen sollten: «Wir sagen nicht, dass Statine das Entstehen einer Parkinsonkrankheit verursachen. Aufgrund der neuen Datenlage sollten Statine aber nicht mehr unter der Prämisse verordnet werden, dass sie einen protektiven Effekt hinsichtlich der Parkinsonkrankheit haben, und die familiäre Anamnese stärker berücksichtigt werden.» Insgesamt sei die Datenlage weiter inkonsistent. (kg)
 
DOI: 10.1002/mds.27006 (aktuelle Studie in «Movement Disorders»)
DOI: 10.1001/archneurol.2011.1060 (Studie in «Archives of Neurology»)
 
Mehr zum Thema Parkinson
 
16.06.2017 l PZ
Foto: Fotolia/Andrea Danti
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Apothekenmarkt droht Umbruch, Politik schaut zu

Der Angriff der ausländischen Versandapotheken droht den Apothekenmarkt in Deutschland komplett aufzumischen, wenn die Politik nicht...



Hepatitis C: Zwei neue Präparate in den Startlöchern

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat zwei neue Kombinationspräparate zur Behandlung von...



Gesundheitskompetenz: Apotheker als Lotsen

Damit Patienten sich über ihre Gesundheit besser auskennen und entsprechende Informationen leichter verstehen, sind Apotheken eine ideale...



Acht neue Präparate: Anstrengende Woche für die EMA

In der zu Ende gehenden Woche war der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) alles andere als...

 
 

Celesio: Durchwachsenes Ergebnis
Der international agierende Pharmagroß- und Einzelhändler Celesio hat im Geschäftsjahr 2017 einen Konzernumsatz von rund 20,6 Milliarden...

Tag des Cholesterins: Lipoprotein-(a)-Wert checken lassen!
Anlässlich des heutigen Tags des Cholesterins weist die Deutsche Lipid-Liga in einer Pressemitteilung darauf hin, den Blutfettwert...

Krebsmittel als Orphan Drugs: Kostentreiberei?
Pharmaunternehmen beantragen für neue Krebsmittel immer häufiger eine Zulassung als Orphan Drug, um sich der frühen Nutzenbewertung zu...

Prognose: Lebenserwartung steigt auf über 90 Jahre
In diesem Jahr geborene Mädchen könnten im Schnitt älter als 90 Jahre werden. Das berichtet das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden....

Psychisch kranke Eltern: Kinder besser versorgen!
Der Bundestag hat die Bundesregierung aufgefordert, für eine bessere Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern zu sorgen. Das...

112: Notärzte als Notnagel
Im lebenswichtigen Einsatz der Notärzte geht es um Minuten - und das immer öfter. «Der Rettungsdienst wird immer häufiger zu Notfällen...

Zwangsbehandlung: Bundestag schließt Gesetzeslücke
Eine ärztliche Zwangsbehandlung von psychisch kranken Patienten ist künftig auch außerhalb geschlossener Einrichtungen möglich. Ein...

Tausende Ebolafälle durch sichere Bestattungen verhindert
Freiwillige Helfer des Roten Kreuzes haben einer neuen Studie zufolge während der Ebola-Krise in Westafrika zwischen knapp 1500 und gut...

Studie arbeitet Nazi-Erbe der Gesundheitsministerien auf
Wie sind die Gesundheitsministerien der BRD und der DDR nach dem Krieg mit dem schweren Erbe der Nationalsozialisten umgegangen? Nach...

EMA-Sitz: Entscheidung über neuen Standort im November
Die deutschen Bewerberstädte Bonn und Frankfurt am Main werden erst im November erfahren, ob sie nach dem Brexit eine der aus London...

Der Medikationsplan – das Phantom
Der papiergebundene Medikationsplan ist weitgehend nutzlos und kommt in der Praxis nur selten zum Einsatz. Darin sind sich Ärzte, Apotheker...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU