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Krebs: Bestrahlung kann Immuntherapie verstärken

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Krebs: Bestrahlung kann Immuntherapie verstärken
 


Tumorzellen, die durch eine Bestrahlung nicht direkt abgetötet werden, sind anschließend unter Umständen empfindlicher für eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Dieser Effekt beruht auf einer Stimulation der systemischen Immunantwort durch die Strahlentherapie. Dadurch kann die Wirkung von Immuntherapeutika wie Nivolumab (Opdivo®) und Pembrolizumab (Keytruda®) verstärkt werden. Neue Erkenntnisse zur sogenannten Radioimmuntherapie sind ein Thema bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), die zurzeit in Berlin stattfindet.
 
Kürzlich erschien im Fachjournal «The Lancet Oncology» eine Zweitauswertung von Daten der KEYNOTE-001-Studie, in der Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) mit dem PD-1-Rezeptor-Inhibitor Pembrolizumab behandelt wurden. 42 von 97 Patienten waren zuvor bestrahlt worden. Sie lebten im Durchschnitt 4,4 Monate ohne Krankheitsprogression und damit signifikant länger als nicht bestrahlte Patienten (2,1 Monate). Auch beim Gesamtüberleben war eine vorangegangene Radiotherapie mit einem signifikanten Vorteil verbunden (10,7 versus 5,3 Monate). «Durch die Strahlentherapie kann die Wirksamkeit moderner Medikamente gesteigert werden – ein Potenzial, das im Interesse der Patienten keinesfalls ungenutzt bleiben darf», sagte Professor Dr. Jürgen Dunst, Präsident der DEGRO-Jahrestagung, in einer Mitteilung der Fachgesellschaft.
 
Wie kommt dieser synergistische Effekt zustande? Die Autoren des Lancet-Artikels verweisen auf sogenannte DAMP, Damage-associated molecular Patterns, die Krebszellen zusammen mit tumorspezifischen Antigenen bei Bestrahlung freisetzen. Diese können eine Immunantwort auslösen, die auch als In-situ-Vakzinierung bezeichnet wird. Zudem könne eine Radiotherapie die Präsentation und die Diversität tumorspezifischer Antigene in den ableitenden Lymphknoten erhöhen, wodurch die Fähigkeit des Immunsystems den Tumor zu erkennen und zu bekämpfen, verstärkt wird. Zu diesen allgemeinen Effekten komme noch ein weiterer hinzu: Eine Radiotherapie kann die Diversität der gegen den Tumor gerichteten T-Zellen erhöhen, was die PD-1-Blockade effektiver macht.
 
Auch die lokale Erwärmung von Tumoren, die sogenannte Hyperthermie, kann eine Immunreaktion auslösen, wie Professor Dr. Udo Gaipl vom Universitätsklinikum Erlangen in Berlin berichtete. Wichtig ist dabei die genaue Temperaturkontrolle, denn unterschiedliche Temperaturen haben unterschiedliche Effekte. Gaipl sieht die Zukunft in der Kombination der verschiedenen Ansätze. So könne etwa durch eine Radiotherapie zusammen mit Hyperthermie das Immunsystem angeregt werden, was dann dem Ansprechen auf Checkpoint-Inhibitoren zugutekomme. (am)
 
DOI: 10.1016/S1470-2045(17)30380-7
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Nivolumab|Opdivo®|86|2015 und Pembrolizumab|Keytruda®|86|2015 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
Mehr zum Thema Krebs und Zytostatika
 
16.06.2017 l PZ
Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki (Symbolbild)
 

 

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