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Cannabis – Cui bono?

EDITORIAL

 
Cannabis – Cui bono?

Wem nützt es? Diese Frage stellt sich zurzeit in vielerlei Hinsicht, wenn es um Cannabis aus der Apotheke geht. Mit der Freigabe zur medikamen­tösen Therapie am 10. März dieses Jahres hatten sich viele Patienten mit bislang nicht ausreichend behandelten Erkrankungen Hoffnungen auf eine mögliche neue Therapieoption gemacht. Wie viele seitdem bei ihrem Arzt wegen einer Verschreibung vorstellig wurden, ist nicht bekannt. Jetzt liegen zumindest die ersten Zahlen vor, wie viele Verordnungen über ­Cannabisblüten oder Cannabis-haltige Rezepturen die Apotheken im März zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung beliefert haben: Es waren exakt 488 Rezepte mit 564 Verordnungen (lesen Sie dazu Cannabis aus der Apotheke: Patienten klagen über Preisexplosion). Hinzu kamen rund 3100 Cannabis-basierte Fertigarzneimittel. Die Zahlen lieferte das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI), jedoch ohne Einschätzung, ob das nun viel oder wenig ist.

 

An den Spekulationen, wie viele Bundesbürger Cannabis benötigen könnten, wollen wir Apotheker uns nicht beteiligen, ließ Andreas Kiefer, DAPI-Vorstand und Präsident der Bundesapothekerkammer, diese Woche wissen. Und das ist richtig so. Schließlich ist die Evidenz noch dünn, wann der Einsatz von Cannabis sinnvoll ist. Sicherlich ist nicht jeder Patient, der nun aufgrund von ADHS, Schlafstörungen oder Asthma mit Cannabis behandelt werden will, objektiv betrachtet ein geeigneter Kandidat für diese Therapieoption. Das kann und muss in jedem Einzelfall nur der Arzt entscheiden – nicht der Patient und auch nicht die Krankenkassen, die derzeit jeden einzelnen Therapieantrag prüfen und nicht selten ablehnen. Immerhin dürften die Ärzte durch das vorangestellte Genehmigungsverfahren nicht mehr aus Angst vor Regressen ein Rezept verweigern.

 

Womit wir bei den Kosten wären: Wem nützt es? Das fragen sich viele in Bezug auf den Preis der Arzneidroge. Cannabisblüten gelten seit der Gesetzesänderung als Rezepturarzneimittel, weshalb für den Apotheker eine Identitätsprüfung und zahlreiche Kontrollpflichten mit der Abgabe verbunden sind. Das kostet Zeit und Geld. Dementsprechend kommt laut Hilfstaxe bei der Verarbeitung als Rezeptur ein Aufschlag von 90 Prozent auf den Einkaufspreis hinzu. Das können wir Apotheker uns nicht aussuchen, auch wenn uns das zurzeit immer wieder unterstellt wird. Die Preise legen nicht die Apotheker fest, die Vorgaben macht die Politik.

 

Uns wäre aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht lieber, wir könnten geprüfte, zugelassene, sichere Fertigarzneimittel auf Basis von Cannabinoiden abgeben. Wem würde das nutzen? Ja, auch der Pharmaindustrie, aber allen Verschwörungstheorien zum Trotz vor allem den Patienten.

 

Daniela Hüttemann

Redakteurin Pharmazie

 



Beitrag erschienen in Ausgabe 24/2017

 

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