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Bienengift-Allergie: Hyposensibilisierung mit Lücken

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Bienengift-Allergie: Hyposensibilisierung mit Lücken
 


Präparate, die zur Hyposensibilisierung von Bienengift-Allergikern eingesetzt werden, enthalten zum Teil nicht alle relevanten Allergene. Dieses Ergebnis einer Untersuchung von Forschern des Helmholtz Zentrums und der TU München könnte erklären, warum die spezifische Immuntherapie (SIT) bei Bienengift-Allergie eine niedrigere Erfolgsquote hat als beispielsweise bei Wespengift-Allergie. Im Rahmen der SIT bekommen Allergiker die Substanz, auf die sie allergisch sind, unter kontrollierten Bedingungen in aufsteigenden Dosen verabreicht. Damit soll eine Gewöhnung an das Allergen und eine Abschwächung der allergischen Reaktion erreicht werden. Bienengift besteht allerdings aus vielen verschiedenen Substanzen. Fehlt in dem bei der SIT eingesetzten Präparat diejenige, auf die der Patient allergisch reagiert, kann er sich auch nicht daran gewöhnen.

 

Von den im Bienengift enthaltenen Proteinen sind fünf besonders allergen: Phospholipase A2, Hyaluronidase, saure Phosphatase, Dipeptidylpeptidase IV und Icarapin, schreiben die Autoren um Privatdozent Dr. Simon Blank im Fachjournal «Human Vaccines & Immunotherapeutics». Gemäß der Nomenklatur für Allergene werden diese Substanzen auch als Api m 1, Api m 2, Api m 3, Api m 5 und Api m 10 bezeichnet. Lediglich Api m 1 ist aber in Bienengift in größeren Mengen enthalten, die anderen Allergene kommen nur in Spuren vor. Ihr Gehalt in SIT-Präparaten ist daher unter Umständen stark abhängig von Schwankungen in der Zusammensetzung des Rohgifts sowie Variationen bei der Weiterverarbeitung durch die verschiedenen Hersteller.

 

Diese Vermutung fanden die Autoren in ihrer Untersuchung bestätigt. Sie bestimmten mittels spezifischer und sensitiver Antikörper die Gehalte der fünf genannten Allergene in verschiedenen Chargen der Präparate Venomil®, Reless®, Venomenhal® und ALK lyophilisiert SQ®. Die ersten beiden Präparate enthielten chargenübergreifend relevante Konzentrationen aller fünf getesteten Allergene. Bei Venomenhal schwankten die Gehalte chargenabhängig: In zwei Chargen waren alle fünf Allergene nachweisbar, in einer fehlten Api m 3 und Api m 10. Bei ALK lyophilisiert SQ fehlten Api m 3, Api m 5 und Api m 10 in allen untersuchten Chargen.

 

Worauf Bienengift-Allergiker genau reagieren, unterscheidet sich interindividuell. Die Auswirkungen der beobachteten Gehaltsunterschiede bei Api m3, Api m 5 und Api m 10 auf den Erfolg einer SIT sind deshalb kaum abzuschätzen. «Da aber rund 6 Prozent der Patienten ausschließlich gegen diese drei Allergene sensibilisiert sind, könnte deren Unterrepräsentation in den Präparaten zumindest für diese Patienten Einfluss auf den Therapieerfolg haben», sagt Blank in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums. Wünschenswert seien maßgeschneiderte Behandlungen. Diese sind jedoch teuer und aufgrund der geringen Patientenzahlen eher nicht rentabel. (am)

 

DOI: 10.1080/21645515.2017.1323603

 

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18.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/J Westermann-Blawert

 

 

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