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Grünen-Politikerinnen besuchen Apotheke in Kiel

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Grünen-Politikerinnen besuchen Apotheke in Kiel
 


Not- und Nachtdienst, Rezeptur, Medikationsmanagement, Logistik, Ausbildung von PTA und Pharmaziepraktikanten, Arzneimittelberatung und -information rund um die Uhr: Bei einem Rundgang durch die Belvedere-Apotheke am 20. April  in Kiel zeigten sich Monika Heinold (Foto), Spitzenkandidatin von «Bündnis90/Die Grünen» in Schleswig-Holstein, und Marret Bohn, Mitglied im Kreisverband Rendsburg-Eckernförde, Parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion und gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, beeindruckt von den Leistungen der Apotheke vor Ort.
 
Mit Blick auf die Landtagswahl am 7. Mai gab Apotheker Ulrich Ströh (Foto) den Grünen-Politikerinnen einen Einblick in den Betrieb seiner Apotheke. Apotheken, so Ströh, würden von vielen Menschen zu Unrecht als veraltete und unmoderne Institutionen eingestuft. Es handele sich aber vielmehr um hoch moderne Betriebe, an denen auch die Digitalisierung nicht vorbei gegangen sei, betonte der Apotheker.
 
Ströh informierte die Politikerinnen nicht nur über die Modalitäten des Apothekenalltags, sondern auch über die Folgen aktueller gesundheitspolitischer Entwicklungen für das Apothekenwesen. Er zeigte sich bestürzt über das Scheitern des Rx-Versandverbots im Koalitionsausschuss.
 
Zwar seien die Auswirkungen des EuGH-Urteils vom 16. Oktober vergangenen Jahres wohl noch nicht für alle Bürger offensichtlich, so Ströh. Doch habe die Aufhebung der Rx-Preisbindung für ausländische Apotheken die deutsche Apotheke in eine «fatale Situation» gebracht. Als besonders tückisch hob Ströh hervor, dass Effekte und Konsequenzen nicht von heute auf morgen, sondern erst zeitverzögert sichtbar würden.
 
Ströh sagte weiter, der durch das EuGH-Urteil initiierte Prozess sei nicht etwa mit einer «akuten Blutvergiftung oder Blasenentzündung, sondern mit einer Paradontose, sprich: einem chronischen und schleichenden Krankheitsgeschehen» vergleichbar. Diese bringe die Institution Apotheke ins Wanken, sofern diesem Geschehen nicht durch vorbeugende Maßnahmen Einhalt geboten werde, warnte der Apotheker.
 
Ströh betonte, dass die kleine Apotheke vor Ort im Wettbewerb mit ausländischen Versandapotheken nicht bestehen könne. «Medikamente sind keine Windeln und keine T-Shirts»: Die Politik müsse entsprechende Vorkehrungen treffen und faire, stimmige Wettbewerbsbedingungen schaffen, wenn die sichere und flächendeckende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung und auch die Motivation nachrückender Apothekergenerationen aufrecht erhalten werden solle.
 
Zwar sei «der Zug für ein Rx-Versandverbot in dieser Legislaturperiode abgefahren», sagte Ströh. Die Forderung der Einschränkung des Rx- Versandhandels sei jedoch nicht vom Tisch, zumal, kapitalstarke, am Rx-Versandhandel interessierte ausländische Investoren zur Abschöpfung von Gewinnen weiterhin «mit dem Akku-Bohrer am deutschen Apothekensystem schrauben» würden.
 
Monika Heinold, seit 2012 Finanzministerin in Schleswig-Holstein, betonte, dass die Leistungen der Apotheke vor Ort als «bedeutende soziale Anlaufstelle» unabdingbar seien. «Die Stärkung des Rx-Versandhandels liegt nicht in unserem Interesse. Wir wollen die Versorgungsstrukturen der Präsenzapotheken aufrechterhalten», sagte sie. Die Politik, so Heinold, muss «mit dem EuGH-Urteil umgehen». Sie muss langfristige und EU-rechtskonforme Lösungen finden, die die Patientenbetreuung durch die Apotheke vor Ort weiterhin gewährleisten und Leitplanken im Kampf gegen einen ruinösen Wettbewerb schaffen.
 
Die Arzneimittelversorgung, so Heinold, müsse «sich heute und in Zukunft an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren». Ihre Fraktion habe daher ihre Vorstellungen zur sicheren und bedarfsgerechten Arzneimittelversorgung in den Entwurf eines entsprechenden Antrags im Bundestag eingebracht.
 
Der Entwurf schlägt demnach vor, ein Rx-Versandverbot nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen solle unverzüglich ein Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht werden, das gedeckelte Apothekenabgabepreise verschreibungspflichtiger Arzneimittel ermöglicht, eine zusätzliche finanzielle Belastung der Patienten vermeidet und die mit dem EuGH-Urteil hervorgerufene Benachteiligung einheimischer Apotheken gegenüber ausländischen Versandapotheken beendet. Sie wolle, so Heinold, auch über den Wahlkampf hinaus mit den Apothekern im Gespräch bleiben, um deren Argumente und Positionen in die entsprechenden landes- und bundespolitischen Gremien einbringen zu können. (cb)
 
Mehr zum Thema Rx-Versandverbot
 
21.04.2017 l PZ
Foto: PZ/Berg
 

 

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