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Medienkonsum: Wie viel tut mir gut?

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Medienkonsum: Wie viel tut mir gut?
 


Die digitale Welt um uns herum verändert sich – und wir uns mit ihr. Wir seien zumindest geistig konstant online, unsere Aufmerksamkeit werde immer wieder von unseren Smartphones angezogen, mancher sei von morgens bis abends und sogar nachts online, so der Medienwissenschaftler Professor Dr. Bernhard Pörksen (Foto) von der Universität Tübingen beim Westfälisch-Lippischen Apothekertag am Sonntag in Münster. Multitasking sei dabei eine Illusion, das habe die Hirnwissenschaft ausreichend bewiesen. «Bei kognitiv anspruchsvollen Aufgaben brauchen wir nach einer Ablenkung bis zu 25 Minuten, um unser vorheriges Konzentrationsniveau wieder zu erreichen», verdeutlichte Pörksen und plädierte für einen achtsameren Umgang mit den digitalen Medien.
 
Der Medienforscher machte fünf wichtige Veränderungen in der digitalen Welt aus und nannte drei Strategien, wie wir persönlich damit umgehen können. Neu im Vergleich zur Zeit der ehemaligen Massenmedien sei, dass nun jeder zum Enthüller werden könne, da wir alle «Allzweckwaffen der Veröffentlichung», unsere Smartphones, ständig am Körper tragen würden. Dabei würden banale Nachrichten neben relevanten Informationen stehen, da die Torwächter-Funktion der traditionellen Medien schwächer (und zum Teil auch schlechter) ausgeführt werde. Dabei könne heute jeder Opfer von Enthüllungen und ganz plötzlich öffentlich zur Schau gestellt werden, während dies früher vor allem Prominente betraf. Einmal publizierte Meldungen verbreiten sich dabei mit einer nie gekannten, kaum zu kontrollierenden Dynamik.
 
«Es herrscht ein permanenter Zustand der Aufregung», diagnostizierte Pörksen. Dies führe zu einem Gefühl der Überwältigung und Machtlosigkeit. Dagegen helfe nur ein Konzept für Medienmündigkeit, das an den Schulen gelehrt werden sollte. Was kann der einzelne also tun? Jeder sollte sich bewusst sein, dass alles, was man sagt und tut, veröffentlicht werden kann, im Extremfall weltweit, nannte Pörksen das «Prinzip des Bühnenbewusstseins». «Handle stets so, dass dir die öffentlichen Effekte deines Handelns langfristig vertretbar erscheinen», formulierte er den kategorischen Imperativ unserer Zeit. Zudem sollte man über Ritual- und Regelbildung bewusst Offline-Inseln schaffen und die Art der Kommunikation vorleben, die wir uns selbst wünschen, zum Beispiel keine Smartphones bei gemeinsamen Essen zu benutzen. Nach dem «Prinzip der Achtsamkeit» müsse zudem jeder für sich herausfinden, wann und in welchem Ausmaß ihm Medienkonsum gut tut. Dies sei wie mit dem Essen: Wer sich den ganzen Tag mit Information vollstopft, tut sich nichts Gutes. (dh)
 
20.03.2017 l PZ
Foto: AKWL/MünsterView
 

 

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