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Nykturie: Nicht immer ist die Prostata schuld

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Nykturie: Nicht immer ist die Prostata schuld
 


Wenn Männer nachts häufig Wasser lassen müssen, ist das oft ein Symptom eines benignen Prostatasyndroms (BPS). «Etwa 80 Prozent der Männer mit BPS haben eine nächtliche Polyurie. Aber eine Nykturie hat nicht immer mit der Prostata zu tun», informierte Professor Dr. Theodor Klotz von der Klinik für Urologie und Kinderurologie, Weiden, bei einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer in München. Der nächtliche Drang zur Toilette könne auch Ausdruck einer latenten Herzinsuffizienz oder Folge von abendlicher Diuretika-Einnahme sein. Wenn der Mann aber angibt, dass er beim Wasserlassen pressen muss, habe dies nichts mit dem Herzen zu tun. Dann seien «mindestens Medikamente, meist aber eine Operation der Prostata» angezeigt.
 
Prostatawachstum und Harnstrahlabnahme sind mit zunehmendem Alter physiologisch. Treten Beschwerden auf, korrelieren diese nur grob mit der Größe der Drüse. Die Nykturie zählt ebenso wie gesteigerter Harndrang (Polyurie) zu den irritativen Symptomen eines BPS. Wenn die gutartige Hyperplasie die Harnröhre verengt, resultieren obstruktive Beschwerden wie abnehmender Harnstrahl, Nachträufeln – «das wird meist als Inkontinenz wahrgenommen» – und Restharnbildung. Die Obstruktion kann bis zum Harnverhalt führen. «Funktionelle und obstruktive Symptome korrelieren nicht», so der Urologe. Und sie zeigen keinen Krebs an. «Das frühe Prostata-Karzinom ist asymptomatisch.» Leider sei etwa die Hälfte der Karzinome bei Erstdiagnose fortgeschritten.
 
Wenn die BPS-Symptome die Lebensqualität des Mannes einschränken, sei eine Therapie angezeigt. Etwa 80 Prozent der Patienten könne man mit Operation und/oder Medikamenten helfen. Als «harte Indikationen» für die Operation nannte Klotz häufige Blaseninfekte (durch Restharn), zunehmenden Restharn, rezidivierenden Harnverhalt und Stauung des oberen Harntrakts. Auch Blasensteine seien immer Indikation für eine Operation, denn «Steine entstehen nur bei Obstruktion und Restharn». Goldstandard sei die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P). Das Risiko einer Inkontinenz sei mit 0,5 bis 1 Prozent sehr gering. Allerdings komme es nach dem Eingriff sehr oft zur retrograden Ejakulation, das heißt, dass das Ejakulat zurück in die Blase und nicht nach außen fließt. Da die Drüse verkleinert ist, entstehe deutlich weniger Ejakulat. (bmg)
 
20.03.2017 l PZ
Foto: Fotolia/Cliparea
 

 

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