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Mischpreiskalkulation: BPI fordert Klarstellung

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Mischpreiskalkulation: BPI fordert Klarstellung
 


Die Wirtschaftlichkeit eines Mischpreises darf nicht zur Diskussion stehen. Das betont der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und fordert diesbezüglich eine eindeutige Klarstellung der Politik. Anlass ist der Vorabentscheid des Landessozialgerichts (LSG) Berlin-Brandenburg. Dieses hatte am 1. März in einem Eilverfahren für das Antidiabetikum Eperzan® (Albiglutid) von GlaxoSmithKline den auf Basis der Mischkalkulation gebildeten Erstattungspreis als rechtswidrig bewertet. Der GKV-Spitzenverband hatte zuvor gegen einen entsprechenden Schiedsspruch zur Festsetzung des Erstattungspreises im Rahmen der Nutzenbewertungsverfahren geklagt.

 

Für die Pharmabranche eine alarmierende Entscheidung: «Ein Beschluss, der direkte Auswirkungen auf die Versorgungsrealität haben könnte und damit katastrophal wäre für Patienten und Ärzte», urteilt BPI-Chef Martin Zentgraf. Nach Einschätzung des Verbands wäre rund ein Fünftel aller im Rahmen der Nutzenbewertung bewerteten Arzneimittel von dem Beschluss betroffen. Zentgraf fordert den Gesetzgeber daher auf, endlich klarzustellen, «dass der verhandelte oder durch Schiedsspruch festgelegte Erstattungsbetrag auch bei Bildung von Mischpreisen über das gesamte zugelassene Indikationsgebiet wirtschaftlich ist».

 

Der BPI sieht bei einem entsprechenden Urteil des LSG die ärztliche Therapiefreiheit gefährdet sowie die Möglichkeit zur patientenindividuellen Verordnung. Denn: Da Ärzte angehalten sind, wirtschaftlich zu verordnen, kann ein solcher Beschluss dazu führen, sie bei diesen Medikamenten in ihrer Verordnungsentscheidung zu verunsichern.

 

Um dies wie auch den Einfluss auf laufende Preisverhandlungen zu verhindern, fordert der BPI vom Gesetzgeber ein «klares Bekenntnis zur Wirtschaftlichkeit des Mischpreises». Sonst stünden den Patienten hierzulande bald nicht mehr nur jedes fünfte, sondern noch erheblich mehr neue Präparate nicht mehr zur Verfügung, so die Prognose der Industrie.

 

Bei der Mischkalkulation im Rahmen der Nutzenbewertung wird berücksichtigt, dass Medikamente ohne Zusatznutzen im Vergleich zur Standardtherapie dennoch für einzelne Patientengruppen einen Mehrwert haben können. Dies wird bei der Verhandlung des Erstattungspreises in der Regel berücksichtigt, so dass der Hersteller einen besseren Preis erzielen kann. Sobald ein Erstattungspreis vorliegt, ist dieser auch als wirtschaftlich anzusehen. Das sah das LSG nun anders. Die Urteilsgründe liegen noch nicht vor. (et)

 

17.03.2017 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign1

 

 

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