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Lernen: Kreativität ist gefragt

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Lernen

Kreativität ist gefragt


Von Carolin Gieck / Im Unialltag eines Pharmaziestudenten jagt eine Prüfung die nächste. Der Lernstoff wirkt trocken und das ­Auswendiglernen nimmt scheinbar kein Ende. Doch selbst bei hunderten Strukturformeln ist ein Spritzer Kreativität nicht nur erlaubt, sondern sogar hilfreich.

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Studierende arbeiten in vielen Fällen immer mit den gleichen Lernmethoden – und zwar unabhängig davon, ob sie damit erfolgreich sind oder nicht. Für Kommunikationsexpertin Dr. Susanne Frölich-Steffen ist es ein Hauptfehler, dass Studenten ihr Lernverhalten zu wenig kritisch reflektieren. Dabei würde genau das nicht nur Frust beim Lernen ersparen, sondern zugleich vorbeugen, dass das Gelernte auch langfristig im Kopf bleibt.

 

Mit allen Sinnen




Störungsfreie Atmosphäre: Viele Studenten ziehen es vor, in der Bibliothek zu lernen, damit sie nicht abgelenkt sind.

Foto: Fotolia/georgerudy


Jedes Lernen beginnt mit den Sinnen, denn durch diese werden Reize aus der Außenwelt wahrgenommen und anschließend im Gehirn verarbeitet. Je nach Präferenz ist eine grobe Einteilung möglich: »Wenn man von Lerntypen spricht, würde man heute in auditiv, ­visuell, haptisch sowie intellekt-betont unterteilen«, erklärt Frölich-Steffen. Allerdings sei diese Analyse aufgrund der großen Überlappungen nicht sehr belastbar und werde in der Psychologie sogar kritisiert. Denn oft handelt es sich dabei nur um Tendenzen und eine strikte Trennung ist gar nicht nötig. »Wichtiger erscheint mir an dieser Stelle, dass wir einfach verlernt haben, unsere Sinne als Ressource zu nutzen, um das Lernen zu verbessern.« Denn dem einen hilft der Tastsinn, während sich der Nächste Inhalte schneller durch Zuhören als durch Lesen merken kann. Deshalb empfiehlt sie, sich selbst im Alltag besser zu beobachten, um herauszufinden, in welchen Situationen sich Informationen leichter einprägen.

 

Kennt man seine persönliche Neigung, lässt sich mit Kleinigkeiten oft viel bewirken. Ist man eher ein auditiver Typ, kann es schon hilfreich sein, einen Text beim Lernen laut vorzulesen. Hintergrundmusik sollte dann gemieden werden, da auditiv-betonte Lern­typen meist besonders anfällig für störende Geräusche sind. Auch wenn Hörbücher in der Pharmazie rar sind, gibt es zum Beispiel ein Pharmakologie-Buch mit Audio-CD im Fragen-Antwort-Stil. Es ist zwar an Mediziner gerichtet und nicht ganz neu, aber für das zweite Staatsexamen kann es durchaus nützlich sein.

 

Visuell veranlagten Menschen hilft Mitschreiben sehr gut. Studien konnten zeigen, dass handschriftlich dabei effektiver ist als das Tippen am Laptop. Ideal sind auch Karteikarten, ebenso Bilder und Diagramme.

 

Gerade die Chemie bietet mit Molekülbaukästen eine praktische Lern­methode für Menschen, die durch Tasten und Greifen besser lernen. Aber auch Lernen in Gruppen, Rollenspiele oder etwas Bewegung während des Lernens hilft haptisch-betonten Studenten gut.

 

Grundsätzlich gilt: Je mehr Sinne gleichzeitig angesprochen werden, desto höher ist die Erfolgsquote beim Lernen. Experimentieren ist nicht nur erwünscht, sondern lohnt sich auch. »Pharmazeuten haben einfach viele Begriffe und Strukturen, sie müssen viel auswendig lernen«, schildert Frölich-Steffen ihre Erfahrungen. Denn neben langjähriger Lehrtätigkeit an Universitäten und Hochschulen gibt sie auch Kurse, die gezielt an Pharmazeuten gerichtet sind. »Ich beobachte, dass man eine große Barriere hat, es mit kreativen Lernmethoden zu probieren, weil der Stoff so vermeintlich trocken ist.« Ihr Tipp: »Wenn Sie sich irgendwelche Molekülstrukturen besser merken können, indem Sie einen Smiley ins Molekül reinmalen, dann tun Sie das!«

 

Gutes Umfeld schaffen

 

Für erfolgreiches Lernen sind neben Abwechslung in der Lernmethode ebenso Aufmerksamkeit und Konzentration, aber auch Motivation und Emotion entscheidend. Ablenkungen oder gar Störungen wie ein klingelndes Handy sind Gift für einen klaren Kopf. Nicht grundlos wälzen so viele Studenten ihre Bücher in Bibliotheken. Denn dort herrscht am aufgeräumten, leeren Tisch eine störungsfreie Atmosphäre. Auch Motivation und Interesse am Fach helfen dabei, sich besser auf die Lerninhalte zu konzentrieren. Nach dem psychologischen Erwartung-mal-Wert-Modell hängt die Motivation neben dem Ziel auch maßgeblich von den Erfolgsaussichten ab. Daher sollte der Lernstoff keinesfalls überfordern.




Einigen Studenten hilft es, in einer Gruppe zu lernen.

Foto: Fotolia/contrastwerkstatt


Kleine Erfolgserlebnisse beim Wiederholen führen zudem zu einer Dopamin-Freisetzung, was nicht nur motiviert, sondern zusätzlich die Aufmerksamkeit und damit das Lernen fördern. Zugegeben, Begeisterung lässt sich nicht erzwingen. Aber die Pharmakologie der Antihypertonika lernt sich wesentlich leichter, wenn der Vater an Bluthochdruck erkrankt ist, statt nur des Examens wegen. Denn auch eine persönliche Bindung führt dazu, dass die Information vom Gehirn als wichtig bewertet und damit besser abgespeichert wird.

 

Grundsätzlich gilt: Probieren geht über Studieren! Man kann durch Experimentieren leicht selbst herausfinden, wie das Lernen am besten funktioniert. Viele Universitäten bieten darüber hinaus auch Kurse an, in denen verschiedene Methoden vorgestellt und vermittelt werden. Denn Lernen kann man lernen und selbst als Student im letzten Semester ist es dafür nicht zu spät. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2017

 

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