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Chronische Insomnie: Schlafmittel in der Einzelkritik

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Chronische Insomnie

Schlafmittel in der Einzelkritik


Von Daniela Hüttemann / Eigentlich sind Schlafmittel nicht als Dauerlösung gedacht. Falls sie doch längerfristig nötig sind, kann eine Empfehlung der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin (AASM) herangezogen werden. Sie hat die verschiedenen Wirkstoffe jetzt einzeln neu bewertet.

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Nach Angaben der AASM leidet jeder dritte US-Amerikaner vorübergehend unter Schlafstörungen. Chronische Insomnie betrifft dort jeden Zehnten. In Deutschland sind die Zahlen ähnlich: Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts klagt hierzulande jeder Vierte über Schlafstörungen und weitere 11 Prozent erleben ihren Schlaf als nicht erholsam. Die AASM stuft eine Insomnie als chronisch ein, wenn der Betroffene mindestens dreimal pro Woche über mindestens drei Monate Probleme beim Ein- oder Durchschlafen hat.




Foto: iStock/Wavebreakmedia


Vielen Schlaflosen helfen Maßnahmen zur Schlafhygiene. Falls diese und auch eine kognitive Verhaltenstherapie nicht anschlagen oder infrage kommen, empfiehlt die AASM medikamentöse Schlafmittel. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Betroffene an Ein- oder Durchschlafstörungen leidet. Die Fachgesellschaft hat nun die verschiedenen zur Verfügung stehenden Schlafmittel erstmals einzeln im Vergleich zu keiner Behandlung bewertet (Tabelle). Zuvor wurden die Medikamente immer klassenweise betrachtet.

 

Demnach helfen Eszopiclon, Zolpidem und Temazepam sowohl bei Ein- als auch Durchschlafstörungen. Beim Einschlafen helfen Zaleplon, Triazolam und der Melatonin-Rezeptoragonist Ramelteon. Besser durchschlafen lässt es sich mit dem Orexin-Rezeptorantagonisten Suvorexant und Doxepin. Nicht empfohlen werden das sedative Antidepressivum Trazodon, das Antikonvulsivum Tiagabin sowie in den USA rezeptfrei erhältliche Präparate mit Diphenhydramin, Melatonin, Tryptophan und Baldrian.


Tabelle: Empfehlungen der AASM zur Anwendung der genannten Wirkstoffe bei chronischer Insomnie, bewertet im Vergleich zu keiner Behandlung, Evidenzgrad für alle Aussagen: schwach (*in Deutschland nicht im Handel)

Wirkstoff Einschlafstörungen Durchschlafstörungen Anmerkung 
Suvorexant (Belsomra®ja in D. nicht im H.* 
Eszopiclon (Lunesta®ja ja in D. nicht im H.* 
Zaleplon (Sonata®ja Rx 
Zolpidem (diverse) ja ja Rx 
Triazolam (Halcion®ja Rx 
Temazepam (diverse) ja ja Rx 
Ramelteon (Rozerem®ja in D. nicht im H.* 
Doxepin (diverse) ja Rx 
Trazodon nein nein Rx, off Label 
Tiagabin nein nein in D. nicht im H.* 
Diphenhydramin (diverse) nein nein OTC 
Melatonin (Circadin®nein nein Rx 
Tryptophan (diverse) nein nein OTC 
Baldrian (diverse) nein nein OTC 

Einen Vergleich zwischen den empfoh­lenen Substanzen ziehen die Schlaf­forscher nicht, da dazu bislang kaum Studien vorliegen. Sie geben keine Empfehlungen für bestimmte Arzneimittel. Vielmehr müssten die individuellen Umstände des Patienten berücksichtigt werden, heißt es in der Veröffentlichung im »Journal of Clinical Sleep Medicine« (DOI: 10.5664/jcsm.6470).

 

Die Autoren bemängeln die meist schlechte Qualität der Studien. Sie beurteilen daher die Stärke jeder ihrer Empfehlungen als schwach. Trotzdem sieht die AASM in der Veröffentlichung ihrer neuen Leitlinie einen wichtigen Schritt vorwärts in der Schlafmedizin. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2017

 

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