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Unterschriftenaktion: »Wir kämpfen weiter«

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Unterschriftenaktion

»Wir kämpfen weiter«


Von Daniel Rücker / Seit Dezember sammeln Apotheker in ihren Betrieben Unterschriften für ein Verbot des Rx-Versandhandels. Mehr als 6000 Apotheken haben sich daran beteiligt. Viele Politiker sind durchaus beeindruckt – bei der Union mehr als bei der SPD. ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold zieht eine positive Bilanz.

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PZ: Die Unterschriftenaktion der ABDA ist Anfang März zu Ende gegangen. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

 

Arnold: Bisher haben wir fast 1,2 Millionen Unterschriften unserer Patienten ausgezählt. Es kommen aber immer noch Briefe an. Ich kenne kaum eine Unterschriftenaktion, die in Deutschland in den letzten zehn Jahren die Millionengrenze geknackt hätte. Das ist ein überzeugendes Ergebnis. Es geht mir bei der Bewertung aber gar nicht um die Zahl. Ein quantitatives Ziel hatten wir uns nicht gesteckt. Wir wollten dreierlei erreichen: die Folgen der EuGH-Entscheidung in die mediale Öffentlichkeit bringen, das Gespräch zwischen Apotheke und Patient zu initiieren und der Politik signalisieren, dass der Berufsstand um diese Frage politisch kämpft. Alle drei Ziele haben wir aus meiner Sicht erreicht.

 

PZ: Wie viele Apotheken haben sich an der Aktion beteiligt?

 

Arnold: Ungefähr 6150 Apotheken haben aktiv Unterschriften gesammelt. Viele weitere Apotheker haben ihre Patienten aufgeklärt. Damit war die Mobilisierung noch höher als bei der Imagekampagne, obwohl die Unterschriftenaktion ja bedeutet hat, Politik in die Offizin zu tragen und sich Zeit für das Patientengespräch zu nehmen. In meine Apotheke sind viele Kunden gekommen, die über die Aktion bereits aus den Medien informiert waren. Sie wussten bereits, worum es uns geht. Ich denke, das war in vielen anderen Apotheken auch so.

 

PZ: Die unmittelbare Zielgruppe der Aktion waren die Apothekenkunden. Tatsächlich ging es Ihnen aber natürlich auch um das Feedback aus der Politik. Wie ist dieses ausgefallen?

 

Arnold: Politiker, die ohnehin schon auf unserer Seite waren, haben die Aktion sehr positiv aufgenommen und als eine Stärkung ihrer Position in dieser Frage empfunden. Diejenigen, die gegen das Rx-Versandverbot sind, haben nervös reagiert. Sie haben inzwischen festgestellt, dass es sehr viele Patienten gibt, die ihre Auffassung nicht teilen. Sehr erfreulich war auch die mediale Resonanz. Vor allem die Regionalzeitungen haben ausführlich und mit positivem Tenor berichtet. Das hat uns sehr geholfen.

 

PZ: Gibt es unter den Politikern Skeptiker, die ihre Meinung während der Aktion geändert haben?

 

Arnold: Wir haben seit November vielfacht erlebt, dass Politiker ihre Haltung überdenken. Zum Beispiel gab es eine SPD-Ortsgruppe, die sich einig war in der Ablehnung des Versandhandels. Deren Bundestagsabgeordneter war eigentlich ein Versandbefürworter. Die Mitglieder der Ortsgruppe haben ihm deutlich gemacht, dass sie diese Position ablehnen. Die Lokalpolitiker sind oft auf unserer Seite, weil sie die Probleme der Menschen in der Gemeinde kennen. Das hilft uns auch bei Bundestagsabgeordneten. Ganz nebenbei hat unsere Aktion auch dazu geführt, dass viele Politiker Tagespraktika in Apotheken absolviert haben und dort viele überraschend positive Erfahrungen gemacht haben. Vor allem wurde schnell klar, welche wichtigen sozialen Funktionen die Apotheken haben.

 

PZ: Wie fällt Ihre Bilanz der Aktion insgesamt aus?

 

Arnold: Positiv. Wir hatten Medienaufmerksamkeit, die Sensibilisierung der Politik und wir waren im Gespräch mit den Patienten, die sich millionenfach mit unserer Sache solidarisiert haben. Würde man die Unterschriftenbögen Stoß an Stoß legen, dann ergäbe das eine Papierstrecke von über 20 Kilometern. Das gibt uns Zuversicht für unser Ziel, das Rx-Versandverbot zu erreichen.

 

PZ: Bislang haben die Apotheker zwar viel erreicht, aber noch nicht gewonnen. Was machen Sie, wenn sich das Gesetzgebungsverfahren länger hinzieht?

 

Arnold: Wir kämpfen weiter, bis die Sache entschieden ist. Der Gesetzentwurf ist da, jetzt muss er ins Kabinett und danach durchs Parlament. Für uns ist das Thema erledigt, wenn der Bundespräsident das Gesetz unterschrieben hat. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 11/2017

 

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