Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

EuGH-Urteil im Implantat-Skandal: TÜV und Frauen zufrieden

NACHRICHTEN

 
EuGH-Urteil im Implantat-Skandal: TÜV und Frauen zufrieden
 


Im Skandal um reißanfällige Brustimplantate sinken die Chancen der Frauen, Schmerzensgeld vom TÜV Rheinland zu bekommen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte heute, dass Stellen wie der TÜV nicht grundsätzlich verpflichtet sind, Medizinprodukte wie Implantate selbst zu prüfen oder unangekündigte Inspektionen bei den Herstellern durchzuführen. Alle Wege zu Entschädigungen versperrten die EU-Richter den Frauen jedoch nicht: Nationale Gerichte könnten feststellen, dass Prüfstellen unter Umständen gegenüber Patienten haftbar sind, wenn sie ihre Pflichten verletzt haben. Dabei müssten die Richter sich auf nationales Recht stützen, weil diese Frage in der relevanten EU-Richtlinie nicht geklärt sei.
 
Der TÜV Rheinland hatte das Qualitätssicherungssystem des französischen Implantat-Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) zertifiziert und überwacht. Hinweise darauf, dass das mittlerweile insolvente Unternehmen billiges Industrie-Silikon in die Kissen füllte, fand der Prüfverein nach eigenen Angaben nicht.
 
Sowohl Vertreter klagender Frauen als auch der TÜV Rheinland selbst werteten das EuGH-Urteil positiv. «Wir sind sehr zufrieden mit dem Urteil und sehen uns in den entscheidenden Punkten bestätigt», teilte der TÜV mit. Der Anwalt Christian Zierhut, der fast 100 betroffene Frauen in Deutschland vor Gericht vertritt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: «Grundsätzlich ist die Tür der Haftung jetzt offen.»
 
Hintergrund des Verfahrens am EuGH ist die Klage einer Frau aus der Vorderpfalz vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Sie hatte sich die gesundheitsgefährdenden PIP-Brustimplantate auf ärztlichen Rat entfernen lassen und fordert vom TÜV Rheinland 40.000 Euro Schmerzensgeld. Ihr Vorwurf vor Gericht: Mit überraschenden Kontrollen in den PIP-Betriebsstellen und Überprüfungen der Implantate hätte der TÜV Rheinland den Pfusch erkennen können. Das EU-Gericht widersprach nun dieser Argumentation. Nur wenn Hinweise vorliegen, dass ein Medizinprodukt den vorgeschriebenen Anforderungen nicht genügt, muss die Prüfstelle demnach «alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen», um sicherzustellen, dass der Hersteller seine Verpflichtungen einhält. Anwalt Zierhut betonte: «Jetzt muss man beweisen, dass es da Hinweise gab.»
 
Weltweit ließen sich Hunderttausende Frauen die Implantate einsetzen. Nachdem der Skandal im März 2010 durch eine französische Behörde aufgedeckt wurde, ließen sich viele von ihnen die Kissen wieder entnehmen. Allein in Deutschland und Frankreich waren es etwa 20.000 Frauen.
 
16.02.2017 l dpa
Foto: Fotolia/branislavp
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Resistenzen: WHO erstellt Liste der bedrohlichsten Bakterien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will den Kampf gegen antibiotika-resistente Bakterien verstärken. Sie veröffentlichte heute erstmals...



Vorbeugende Anwendung: Liraglutid senkt Diabetes-Rate

Das Inkretin-Mimetikum Liraglutid senkt bei Adipösen das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das ergab eine Nachbeobachtung der...



Antibiotika: Wenige Firmen sichern Versorgung

Ob wichtige Antibiotika in Deutschland verfügbar sind, hängt in vielen Fällen von sehr wenigen Herstellern ab. Darauf hat der...



AOK macht weit mehr Plus als andere Kassen

Die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) haben 2016 erneut weit höhere Gewinne erzielt als ihre Konkurrenten. Der Überschuss für das...

 
 

Der Kampf um Stada geht weiter
Das Ringen um Stada geht in die heiße Phase. Drei Finanzinvestoren kämpfen derzeit um den Bad Vilbeler Pharmakonzern. Am offensivsten gibt...

Fasten immer beliebter: Junge Menschen üben Web-Verzicht
Mehr als die Hälfte der Deutschen ist vom Fasten überzeugt. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit ist die...

PZ-Pharmastellen: Mehr Angebote, mehr Infos
Die Pharmazeutische Zeitung hat ihren Stellenmarkt generalüberholt. Auf der Website pz-pharmastellen.de finden Jobsuchende neben der...

Mittelmeerfieber: Fieberschübe plus Schmerzen
Das familiäre Mittelmeerfieber (FMF) gehört zu den seltenen Erkrankungen, ist aber das häufigste Krankheitsbild in der Gruppe der...

Kohlenmonoxid: Vergiftungsgefahr nicht unterschätzen
Nach mehreren Vergiftungsfällen durch Kohlenmonoxid innerhalb weniger Wochen allein in Hessen rät die Feuerwehr zu mehr...

Bayern: Gesundheitsministerin gegen Bürgerversicherung
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) lehnt Pläne der SPD für eine sogenannte Bürgerversicherung strikt ab. Die Ministerin sagte...

Rekombinantes Parathormon vor Zulassung
Natpar könnte in Europa das erste verfügbare Medikament zur Behandlung eines Hypoparathyreoidismus werden. Bei der seltenen Erkrankung ist...

Krebstherapie: Erstes Biosimilar im EU-Markt
Für die Onkologie in Europa ist es ein wesentlicher Schritt: Mit Truxima™ des südkoreanischen Unternehmens Celltrion hat das erste...

Brexit: Viele Ärzte überlegen, die Insel zu verlassen
Einer Umfrage der British Medical Association (BMA) zufolge zieht es mehr als jeder vierte ausländische Arzt (42 Prozent) in Betracht, nach...

Tag der seltenen Erkrankungen: Forschung im Fokus
Am 28. Februar findet bereits zum zehnten Mal der internationale Tag der seltenen Erkrankungen statt. Er soll weltweit auf die Nöte und...

KBV: Politik soll gegen Klinik-Wildwuchs vorgehen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat mehr Engagement der Politik zur Umsetzung der Krankenhausstrukturreform gefordert. Für eine...

Fiebersyndrome: neue Indikationen für Canakinumab
Für Patienten mit bestimmten Formen sogenannter hereditärer periodischer Fiebersyndrome (HPF) könnte in Kürze eine neue Therapieoption zur...

Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt
Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...

Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran
In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...

GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU