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Podiumsdiskussion: Digitalisierung braucht Mut

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Podiumsdiskussion: Digitalisierung braucht Mut
 


Neben weniger Bürokratie und stärkerer digitaler Vernetzung muss der Patient in Zukunft wieder deutlicher im Mittelpunkt des deutschen Gesundheitswesens stehen. Darin waren sich die Experten bei der Podiumsdiskussion beim Wirtschaftstag der Innovationen gestern in Berlin einig.
 
Lutz Stroppe (Foto), Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, hält sich selbst für einen «Verfechter der Digitalisierung». Er freute sich daher darüber, dass der in dieser Legislaturperiode angestrebte Start der Telematikinfrastruktur klappen wird. «Die Testphase läuft sehr erfolgreich. Wir werden in diesem Sommer den Rollout hinbekommen», versprach er. Seitens der Diskussionsteilnehmer hagelte es jedoch Kritik, dass der Aufbau dieses Systems zu lange gedauert habe. Stroppe erklärte dies mit dessen hohem Sicherheitsstandard, der es weitgehend unanfällig für Angriffe von außen und Datenmissbrauch machen soll.
 
Die Telematikinfrastruktur vernetzt die Akteure im Gesundheitswesen und dient als digitale Datenautobahn dem sektoren- und systemübergreifenden Informationsaustausch. Ab 2018 sollen nach Stroppes Angaben 200.000 Ärzte, 20.000 Apotheken, 2000 Krankenhäuser und 70 Millionen Patienten sowie deren Krankenkassen in einem Netz verbunden sein. In diese im E-Health-Gesetz verankerte Struktur könnten später verschiedene Systeme wie etwa zur Datenanalyse, Medizin-Apps oder auch Informationen aus dem für 2018 in digitaler Form vorgesehen Medikationsplan integriert und ausgebaut werden. All die gesammelten Informationen könnten künftig dabei helfen, Prävention erfolgreicher zu gestalten sowie die Entstehung von Krankheiten besser zu analysieren. Auch eine gezieltere Entwicklung von Arzneimitteln könnten sie ermöglichen, so Stroppe.
 
Will aber der Patient die Innovationen überhaupt annehmen, fragten sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde. Die Märkte hätten sich in allen Bereichen diversifiziert – so sei es auch mit der Digitalisierung, war Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), überzeugt. Jüngere hätten oft ein besseres Gefühl, wenn sie ihre Krankheitssymptome Algorithmus-gestützt über eine App mit dem gesammelten Weltwissen abglichen und darüber eine Therapieempfehlung bekämen. Ältere tendierten eher dazu, dem Rat eines einzelnen Hausarztes zu trauen, so Ballast.
 
Nach Ansicht des Vorstands der niederländischen Versandapotheke Doc Morris, Max Müller, wird der Mensch mit den Möglichkeiten der Informationstechnologie in die Eigenverantwortung entlassen. Im Hinblick auf die Gefährdung des Datenschutzes seien digitale Innovationen oft mit Ängsten verbunden. Dabei könne eine App auch Anker und Hilfswerkzeug sein. Müller lobte in diesem Zusammenhang die TK. Sie gehe den Weg der Digitalisierung mit ihren Patienten gemeinsam und nehme ihnen so mögliche Ängste. Die TK bietet ihren Versicherten zur Therapieunterstützung verschiedene Apps an, die sie auch erstattet. Das Fazit der Experten: Digitale Innovationen kann niemand aufhalten. Man muss sie nur so transparent wie möglich gestalten und die Patienten im Umgang damit unterstützen. (je)
 
16.02.2017 l PZ
Foto: PZ
 

 

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