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Boni braucht es nicht

EDITORIAL

 

Boni braucht es nicht


Jetzt gut zugehört: Alle, die den Versandhandel für eine wichtige Ergänzung der Arzneimittelversorgung halten, sollten zügig umdenken. Boni und andere geldwerte Vorteile spielen für Patienten kaum eine Rolle. Das gilt auch für chronisch kranke Menschen, zum Beispiel Parkinsonpatienten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Emnid-Untersuchung im Auftrag des Pharmaherstellers Abbvie (lesen Sie dazu auch Kundenbefragungen: Geschätzte Präsenzapotheke).

 

Fast 70 Prozent der Befragten gaben an, auch dann keine Arzneimittel beim Versandhandel zu bestellen, wenn es dort Rabatte oder Boni gäbe. Vier von fünf Deutschen ist es ohnehin komplett egal, was Versender ihren Kunden als Motivationsschub für den Arzneimitteleinkauf anbieten. Sie kaufen ihre Arzneimittel ausschließlich in der Apotheke. Das bedeutet, dass nur ein Fünftel der Deutschen überhaupt Arzneimittel beim Versandhandel bestellt und von diesen 20 Prozent kaufen 93 Prozent hauptsächlich OTC-Arzneimittel. Anhand dieser Zahlen lässt sich seriös kaum ableiten, dass der Rx-Versand einen messbaren Beitrag zur Arzneimittelversorgung leistet. Kranke Menschen brauchen keine Boni, sondern eine gute und professionelle pharmazeutische Betreuung.

 

Das hat Anfang dieser Woche auch die deutsche Parkinsonvereinigung (DPV) erkannt und folgerichtig die Kooperation mit dem Versender DocMorris aufgekündigt und eine Zusammenarbeit mit der ABDA vereinbart (lesen Sie dazu Seite 6). Wäre doch die Erkenntnis früher gekommen, werden viele Apotheker jetzt zu Recht sagen. Schließlich hat die DPV gemeinsam mit DocMorris das EuGH-Verfahren mit seinen für die Apotheker ­negativen Konsequenzen angezettelt. Dennoch ist es richtig, jetzt auf die DPV zuzugehen. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die Betreuung chronisch Kranker ist eine originäre Aufgabe der Apotheker. Auch wenn die Ereignisse der vergangenen Monate den Apothekern viel Kummer bereitet haben, wäre es falsch, jetzt nachzutreten.

 

DPV-Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Mehrhoff hat erkannt, dass die Kooperation mit DocMorris ein Fehler war und deshalb die richtigen Konsequenzen gezogen. Das war für ihn vermutlich nicht einfach.

 

Für Apotheker hat sich die Lage seit dem EuGH-Urteil weiter verbessert. Von der Emnid-Umfrage wissen wir, dass Rabatte Patienten weder gesund noch glücklich machen, Versandapotheken nur wenige Kunden haben und selbst die Zuzahlungsbefreiung in der Wunschliste erst an sechster Stelle kommt. Patienten wollen in den Apotheken besonders gut versorgt werden, nicht besonders billig.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur



Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2017

 

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