Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Urteil: Zytostatika dürfen in Klinikapotheken mehr kosten

NACHRICHTEN

 
Urteil: Zytostatika dürfen in Klinikapotheken mehr kosten
 


Krankenhausapotheken dürfen Zytostatika teurer abgeben als öffentliche Apotheken. Das hat das Landgericht Bremen entschieden. Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen einem privaten Krankenversicherer und einem Bremer Krankenhausträger. Der Versicherer hatte moniert, dass die bei ihm versicherten Patienten für Zytostatika-Zubereitungen in den Klinikapotheken des Trägers mehr Geld zahlen mussten als in der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) vorgesehen.
 
Den Versicherer störte darüber hinaus auch die Tatsache, dass die Patienten ihre Medikamente in der Krankenhausapotheke überhaupt ausgehändigt bekamen. § 14 des Apothekengesetzes (ApoG) sehe vor, dass diese Apotheken nur gesetzlich Versicherte mit Arzneimitteln versorgen dürfe, behauptete er.
 
Das Landgericht Bremen wies jedoch beide Punkte seiner Klage zurück. Klinikapotheken dürften sehr wohl auch Medikamente an privat Versicherte abgeben, schreiben die Juristen in ihrer Begründung. Auch die Formulierung im ApoG, auf die sich der Kläger bezogen hatte, lasse keine andere Lesart zu: «Dem ApoG ist grundsätzlich eine Differenzierung zwischen der Versorgung von gesetzlich und privat Versicherten fremd.»
 
Die Apotheke habe die Zytostatika auch teurer abgeben dürfen, denn die AMPreisV gelte nicht für Klinikapotheken, so die Richter. Dies sei eine «klare gesetzliche Anordnung». Die Juristen stritten nicht ab, dass Offizin- und Klinikapotheken hier ungleich behandelt werden. Dies könnte, wenn überhaupt, aber nur der Gesetzgeber ändern.
 
Genau dies fordert nun der Verband der Privaten Krankenversicherung. Die AMPreisV gelte nur deshalb nicht für Klinikapotheken, damit diese ihre Arzneimittel günstiger einkaufen dürfen, argumentiert der Verband in einer Stellungnahme. Wenn Krankenhausapotheken nun aber Medikamente teurer verkauften als Offizin-Apotheken, werde dieses Privileg pervertiert.
 
Das Bundesgesundheitsministerium kündigte an, diese Forderung der Privaten zu prüfen. Dass die AMPreisV nicht für Klinikapotheken gelte, führe in der Praxis jedoch «überwiegend nicht zu überhöhten Preisen», gab das Ministerium in einer Stellungnahme zu bedenken. Die betroffene Versicherung habe ohnehin Berufung gegen das Urteil des Landgerichts eingelegt. Den Ausgang dieses Verfahrens werde man nun abwarten. (ap)
 
10.01.2017 l PZ
Foto: Fotolia/Brugger
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Rekombinantes Parathormon vor Zulassung

Natpar könnte in Europa das erste verfügbare Medikament zur Behandlung eines Hypoparathyreoidismus werden. Bei der seltenen Erkrankung ist...



Krebstherapie: Erstes Biosimilar im EU-Markt

Für die Onkologie in Europa ist es ein wesentlicher Schritt: Mit Truxima™ des südkoreanischen Unternehmens Celltrion hat das erste...



Brexit: Viele Ärzte überlegen, die Insel zu verlassen

Einer Umfrage der British Medical Association (BMA) zufolge zieht es mehr als jeder vierte ausländische Arzt (42 Prozent) in Betracht, nach...



Tag der seltenen Erkrankungen: Forschung im Fokus

Am 28. Februar findet bereits zum zehnten Mal der internationale Tag der seltenen Erkrankungen statt. Er soll weltweit auf die Nöte und...

 
 

KBV: Politik soll gegen Klinik-Wildwuchs vorgehen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat mehr Engagement der Politik zur Umsetzung der Krankenhausstrukturreform gefordert. Für eine...

Fiebersyndrome: neue Indikationen für Canakinumab
Für Patienten mit bestimmten Formen sogenannter hereditärer periodischer Fiebersyndrome (HPF) könnte in Kürze eine neue Therapieoption zur...

Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt
Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...

Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran
In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...

GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Stada: Erstes verbindliches Übernahmeangebot eingegangen
Der Pharmakonzern Stada hat heute das erste rechtlich verbindliches Übernahmeangebot erhalten. Laut Ad-hoc-Meldung von Stada umfasst die...

WHO: Immer mehr Menschen leiden an Depressionen
Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322...

Farbige Fun-Kontaktlinsen: Fragwürdiger Fastnachtsspaß
Freiverkäufliche Fun- oder Crazylinsen sollten nur so kurz wie möglich im Auge gelassen und am besten unter augenärztlicher Kontrolle...

Krankenkassen wollen Zyto-Ausschreibungen behalten
Die deutschen Krankenkassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern. In einem Schreiben an die...

Depressionen: Merkel sieht Aufklärungs- und Handlungsbedarf
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern...

Studie: Image der Pharmaindustrie bleibt schlecht
Die Pharmaindustrie hat weiterhin ein schlechtes Image. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor...

Alkohol an Karneval: Risiken nicht verharmlosen
Gerade im Karneval herrscht beim Alkohol oft Narrenfreiheit. Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt am Vivantes...

Grippewelle: Höhepunkt wohl überschritten
Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der...

Morbus Fabry: Selten und häufig übersehen
Bis zur Diagnose der seltenen Erkrankung Morbus Fabry vergehen im Schnitt 13 bis 18 Jahre. «Bei jungen Patienten mit Schlaganfall sowie bei...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU