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Kohlpharma will Rabatte von Versandapotheken zurück

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Kohlpharma will Rabatte von Versandapotheken zurück
 


Der Arzneimittelimporteur Kohlpharma macht ausländischen Versandapotheken Ärger, indem er bereits erstattete Herstellerrabatte von ihnen zurückfordert. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober. Das Gericht hatte entschieden, dass die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente gegen EU-Recht verstößt. Ausländische Versandapotheken wie Doc Morris können ihren Kunden seitdem Boni auf diese Mittel gewähren, sie also günstiger abgeben als Offizin-Apotheken.
 
Kohlpharma sieht darin einen Widerspruch. Die beiden niederländischen Versandapotheken Doc Morris und Europa Apotheek seien 2010 auf eigenen Wunsch dem Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung beigetreten, schreibt das Unternehmen. Wenn sie die dort festgeschriebene Preisbindung nun ignorierten, sei das ein Verstoß.
 
«Wenn die ausländischen Versandapotheken die deutschen Preisvorschriften nicht einhalten und verbotene Boni gewähren, entfällt nach unserer Auffassung auch der Anspruch auf die Zahlung des Herstellerrabatts», sagte Kohlpharma-Geschäftsführer Jörg Geller.
 
Beim Herstellerrabatt handelt es sich um einen Preisnachlass, den Pharmahersteller den Krankenkassen auf Arzneimittel gewähren müssen. Momentan liegt er bei 7 Prozent. Normalerweise müssten Apotheken die teuer erworbenen Medikamente bereits rabattiert mit den Kassen abrechnen, also in Vorleistung gehen. Als Importeur gewährt Kohlpharma den Rabatt seinerseits jedoch bereits den Apotheken. Die niederländischen Versender hatten dem Rahmenvertrag damals dringend beitreten wollen, weil sie ebenfalls Anspruch auf diese Vorleistung erhalten wollten.
 
Kohlpharma hat nun Klage vor dem Sozialgericht Saarbrücken eingereicht, um die seit 2010 gezahlten Rabatte von den Versendern zurückzubekommen. Sollte die Klage Erfolg haben, hätten die Versandapotheken ein Problem: Schließlich haben sie die Rabatte ihrerseits bereits an die Kassen weitergegeben.
 
Der Ärger der Versender ist von Kohlpharma beabsichtigt. «Wir sehen in der Rückforderung einen marktgerechten Weg, der Rosinenpickerei entgegenzuwirken und damit der deutschen Vor-Ort-Apotheke den Rücken für einen fairen Wettbewerb zu stärken», sagte Geller. (ap)
 
Mehr zum Thema EuGH zur Preisbindung
 
20.12.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Tsung-Lin Wu
 

 

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