32 Dermatika

 Alitretinoin, Panretin® Gel (Zeneus Pharma)


Seit April 2005 ist Alitretinoin als Gel zur Lokaltherapie für Patienten mit Aids-bedingtem Kaposi-Sarkom in Deutschland verfügbar. Das bereits 2000 von der EMEA zugelassene Präparat ist angezeigt zur topischen Behandlung von Hautläsionen, wenn eine Radio- oder Chemotherapie nicht angezeigt ist und die Knoten frei von Ulcera und Lymphödem sind und nicht auf eine systemische antiretrovirale Therapie ansprechen.
Alitretinoin (9-cis-Retinsäure) ist ein Vertreter der Retinoide, die in vivo als Vitamin und als Hormon agieren. Vermutlich beruht die Wirkung des natürlich vorkommenden endogenen Hormons auf einer Wechselwirkung mit intrazellulären Retinoid-Rezeptoren (allen RAR- und RXR-Subtypen). Die aktivierten Rezeptoren agieren als Transkriptionsfaktoren, die die Expression von Genen regulieren, was wiederum Zelldifferenzierung und -proliferation bei gesunden und neoplastischen Zellen steuert. In vitro kann Alitretinoin das Wachstum von Kaposi-Sarkomzellen hemmen. Der genaue Wirkmechanismus in vivo ist nicht bekannt.
Die Patienten tragen das Gel zwei- bis maximal viermal pro Tag dick auf jede Läsion auf und lassen es antrocknen. Gesunde Haut soll nicht bedeckt werden. Es genügt, wenn die Patienten vor und nach der Anwendung die Hände waschen. Handschuhe sind nicht notwendig. Wichtig ist, dass das Gel weder in die Augen noch in Augennähe kommt oder auf Schleimhäuten aufgetragen wird. Das Topikum wird zunächst zwölf Wochen lang aufgebracht. Wenn die Läsion in dieser Zeit kleiner oder flacher wird, kann die Therapie fortgesetzt werden. Spricht die Behandlung nicht an oder ist die Läsion vollständig zurückgegangen, wird das Gel abgesetzt. Häufigste Nebenwirkungen sind Hautreizungen mit Erythem, Rötung, Reizung, Juckreiz, Schorf- und Krustenbildung sowie bei fortgesetzter Behandlung auch Ödem- und Blasenbildung.
Auch wenn Alitretinoin kaum durch die Haut resorbiert wird, ist die Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Frauen müssen während der Therapie sicher verhüten. Ohnehin liegen nur spärliche klinische Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit bei Frauen vor. In zwei placebokontrollierten Studien mit rund 400 Patienten sprachen 35 bis 37 Prozent von ihnen auf das Verum und 7 bis 18 Prozent auf Placebo (Gelgrundlage) an. Nach der zwölfwöchigen Studienphase konnten die Teilnehmer das Verum in einer offenen Verlängerung weiter anwenden. Jetzt sprach rund die Hälfte der Patienten auf die Therapie an. Das arzneistoffhaltige Gel war unabhängig von antiretroviralen Begleittherapien wirksamer als die reine Grundlage. Alitretinoin wird off label auch bei anderen Hauterkrankungen wie mediterranem Kaposi-Sarkom, kutanen T-Zell-Lymphomen, Psoriasis und starker Akne eingesetzt. Die perorale Gabe bei epithelialen Tumoren wird in Studien geprüft.

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