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Serie Apothekerberufe: »Texte sind etwas sehr Persönliches«

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Serie Apothekerberufe

»Texte sind etwas sehr Persönliches«


Von Christina Müller, Berlin / Knapp 9000 Medikamente aus 183 Indikationsgebieten: Mit diesem Repertoire stellt Stiftung Warentest die größte öffentlich zugängliche Arzneimittel- Datenbank Europas. Apothekerin Christiane Hefendehl übersetzt die Informationen aus Packungsbeilagen, Leitlinien und klinischen Studien für den Laien – und findet erstaunliche Parallelen zur Arbeit in der Offizin.

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PZ: Wie haben Sie von der Apotheke zu Stiftung Warentest gefunden?

 

Hefendehl: Außer im praktischen Jahr habe ich nie längerfristig fest angestellt in einer Offizin gearbeitet. Nach dem Pharmaziestudium habe ich vier Jahre Journalistik in Dortmund studiert. Anschließend habe ich für Tageszeitungen sowie für Wochen- und Monatszeitschriften gearbeitet, bis mich mein Weg letztlich zu Stiftung Warentest geführt hat.




»Naturwissenschaften faszinieren mich. Deswegen habe ich Pharmazie studiert.«Christiane Hefendehl

PZ: Warum haben Sie sich zu dem Schritt entschieden, noch ein zweites Studium zu absolvieren?

 

Hefendehl: Das war für mich von vornherein klar. Ich wusste schon während der Schulzeit, dass ich Fachjournalistin werden wollte. Ohne ein zweites Stu­dium hat man es schwer in diesem ­Bereich. Naturwissenschaften haben mich fasziniert. Deshalb habe ich mich für Pharmazie entschieden, bevor ich mich für das Journalistikstudium beworben habe.

 

PZ: Was sind heute Ihre Aufgaben bei Stiftung Warentest?

 

Hefendehl: Bis Ende 2015 habe ich mich vor allem um unsere Patientenratgeber gekümmert. Diese behandeln jeweils ein Thema wie etwa Schmerztherapie, Diabetes mellitus oder Arthrose. Einen der Schwer­punkte stellt dabei die evidenzbasierte Pharmakotherapie dar. Heute arbeite ich als Lektorin vor allem für unsere Medikamenten-Datenbank auf der Website www.medikamente-im-test.de – das bedeutet, dass ich die Texte unserer Autoren noch einmal prüfe und redigiere, bevor sie veröffentlicht werden.

 

PZ: Welchen Vorteil hat der Patient davon, sich auf dieser Website schlau zu machen, wenn doch alle wesent­lichen Informationen schon in der Gebrauchs­anweisung stehen?

 

Hefendehl: Wir bereiten etwa die möglichen Interaktionen und Nebenwirkungen so auf, dass sie auch der Laie ohne Probleme verstehen kann. Das unterscheidet sich oft wesentlich vom Wortlaut der Informationen in der Packungs­beilage. Zum Beispiel geben wir die Häufigkeiten von Nebenwirkungen nicht in den Maßstäben an, die die Hersteller verwenden. Mit den Kategorien »häufig«, »gelegentlich« und »selten« kann der Patient in der Regel nicht viel anfangen. Stattdessen liefern wir ihm konkrete Handlungsanweisungen in verschiedenen Stufen. Diese reichen von »keine Maßnahmen erforderlich« bis hin zu »sofortiges Handeln nötig«. Das macht die Inhalte für den Anwender greifbarer.

 

PZ: Wie oft aktualisieren Sie die Informati­onen auf der Website?

 

Hefendehl: Wir pflegen kontinuierlich die neuen Informationen aus der Lauertaxe ein, Preisänderungen zum Beispiel alle zwei Wochen. Gibt es Mitteilungen auf neue Warnhinweise oder wird ein Mittel vom Markt genommen, passen wir die Angaben in unserer Daten­bank schnellstmöglich an.

 

PZ: Sind die Informationen im Internet für jeden zugänglich?

 

Hefendehl: Auf die Artikel zu den Indikationen kann jeder kostenfrei zugreifen. Für die Texte zu den Medikamenten und Preisvergleichen muss der Nutzer zahlen.

 

PZ: Was sind die besonderen Herausforderungen in Ihrem Job im Vergleich zur Arbeit in einer Offizin?

 

Hefendehl: Neben einem ausgeprägten Gefühl für Sprache sollte man als Journalist unbedingt kritikfähig sein. Texte sind etwas sehr Persönliches. Nicht jeder Kollege kann gut damit umgehen, wenn ich an den eingereichten Artikeln etwas verändere. So etwas darf man aber nicht persönlich nehmen.

 

PZ: Sehen Sie auch Gemeinsamkeiten zwischen den Berufen?

 

Hefendehl: Ja, eine ganz wesentliche Gemeinsamkeit gibt es: Beide Berufe leben von der Kommunikation. Egal, ob ich einen Text schreibe oder es meinem Kunden mündlich erkläre – es geht um die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge für den Laien verständlich zu transportieren. Das verbindet die beiden Professionen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 35/2016

 

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