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Serie Apothekerberufe: Wenn Sport auf Analytik trifft

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Serie Apothekerberufe

Wenn Sport auf Analytik trifft


Von Christina Müller / Die Apothekerin Dr. Yvonne Schrader war die erste Pharmazeutin, die eine Promotion am Institut für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln begonnen hat. Bis heute arbeitet sie dort in der Dopinganalytik. Vor sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Spielen in Brasilien hat sie besonders viel zu tun.

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PZ: Seit wann engagieren Sie sich im Kampf gegen Doping?

 




Dr. Yvonne Schrader, Apothekerin: »Sechs unserer Mitarbeiter werden das WADA-Team in Brasilien unterstützen.«

Foto: privat


Schrader: Nach dem Pharmaziestudium in Bonn habe ich im Jahr 2000 am Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln meine Promotion begonnen. Heute arbeite ich vor allem im administrativen Bereich. Dazu zählen die wissenschaftliche Dokumentation positiver Dopingproben und die Begutachtung von Arzneimitteln und deren Fälschungen. Zuvor habe ich lange in der Routine-Analytik von Dopingkontrollproben gearbeitet und im Forschungsbereich zum Beispiel Studien zum In-vitro-Metabolismus von neuen Substanzen durchgeführt.

 

PZ: In wenigen Wochen stehen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro in Brasilien an. Inwiefern beeinflusst das Ihren Arbeitsalltag?

 

Schrader: Allgemein bedeuten sportliche Großereignisse für uns im Vorfeld ein vermehrtes Probenaufkommen, da viele Qualifikationswettkämpfe anstehen und die entsprechenden Fachverbände eine erhöhte Kontrolldichte gewährleisten möchten. Dazu kommen verkürzte Fristen zum Berichten der Analysenergebnisse.

 

PZ: Werden Sie auch Proben aus Rio analysieren?

 

Schrader: Es gibt in Rio de Janeiro selbst ein von der Weltantidopingagentur WADA akkreditiertes Dopingkontroll­labor, in dem die Analysen direkt durchgeführt werden können. Das Team vor Ort wird durch internationale Experten unterstützt, unter anderem von sechs Mitarbeitern unseres Instituts.

 

PZ: Was genau geschieht mit einer entsprechenden Probe?

 

Schrader: Die A- und B-Proben werden registriert und die A-Probe durchläuft verschiedene Screening-Prozeduren. Bei einem von der Norm abweichendem Analyseergebnis führen wir eine Bestätigungsanalyse durch. Können wir das ursprüngliche Ergebnis bestätigen, informieren wir den entsprechenden Sportverband. Der Sportler hat dann die Möglichkeit, die B-Probe unter seiner Anwesenheit und im Beisein eines Gutachters analysieren zu lassen. Erst wenn auch diese positiv ausfällt, leitet die zuständige Anti- Doping-Organisation weitere Schritte ein.

 

PZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich im Bereich der Dopinganalytik für eine Promotionsstelle zu be- werben?

 

Schrader: Ich bin Kölnerin und durch die räumliche Nähe zur Sporthochschule und einige Sportstudenten im Freundeskreis kam damals die Idee, das Interesse am Sport und an der pharmazeutischen Analytik zu verbinden.

 

PZ: Werden Sie die Olympischen Spiele privat verfolgen?

 

Schrader: Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich mir insbesondere die Leichtathletikwettkämpfe, Beachvolleyball und die Schwimmwettbewerbe ansehen. Die Dopingproblematik schwirrt sicherlich im Hinterkopf. Dennoch begeistere ich mich für sportliche Höchstleistungen und spannende Wettkämpfe.

 

PZ: Was macht für Sie den Reiz an Ihrem Beruf aus?

 

Schrader: Durch die ständige Neuentwicklung pharmakologischer Substanzen und Verbesserung der Analysentechniken unterliegt unsere Arbeit einem stetigen Wandel. Durch den Bezug zum Sport bietet sie immer eine gewisse Aktualität. Ich empfinde meinen Job als sehr abwechslungsreich. In meinem jetzigen Aufgabengebiet bin ich zudem zeitlich flexibel und kann Arbeit und Familie gut vereinbaren. Die Arbeitsatmosphäre ist wirklich sehr gut.

 

PZ: Wie viel von Ihrem pharmazeutischen Wissen können Sie heute in Ihrem Alltag noch anwenden?

 

Schrader: Das Wissen aus Pharmakologie, pharmazeutischer Chemie und pharmazeutischer Analytik gewährleisten einen Überblick zur Wirkung und möglicher missbräuchlicher Anwendung von Substanzen sowie zur Entwicklung und Bewertung von Analysemethoden. Ich profitiere ebenfalls von meinen Kenntnissen in Sachen Arzneimittelgesetz und Good Clinical Practice.

 

PZ: Haben Sie sich speziell fort- oder weitergebildet?

 

Schrader: Ich hatte die Möglichkeit, in Kooperation mit der Universität Bonn während der Promotion auch die Weiterbildung zur Fachapothekerin für pharmazeutische Analytik absolvieren zu können.

 

PZ: Was können Sie jungen Kollegen mit auf den Weg geben, die sich ebenfalls für eine Stelle im Bereich der Dopinganalytik interessieren?

 

Schrader: Für alle Mitarbeiter sind Kenntnisse in analytischer Chemie obligatorisch, ein Bezug zum Sport ist hilfreich. Der Einstieg erfolgt in der Regel über eine Promotionsstelle. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 31/2016

 

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