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Kooperation: Deutsch-chinesische Beziehungen

WIRTSCHAFT UND HANDEL

 
Kooperation

Deutsch-chinesische Beziehungen

Von Uta Grossmann

 

China gilt als Zukunftsmarkt, auch für die deutsche Gesundheitswirtschaft. Zahlreiche Kooperationen stärken die Bande zwischen den Ländern. Der Austausch funktioniert nach beiden Seiten: Wissenschaftler lernen voneinander, deutsche Konzerne investieren in China und beziehen von dort Wirkstoffe für die Arzneimittelherstellung.

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Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat die Chancen erkannt, die Kooperationen mit den Gesundheitsmärkten der Zukunft in Ländern wie China bieten. Es ist die erste Uniklinik in Deutschland, die ihr Auslandsgeschäft in einer GmbH organisiert hat, der UKE Consult und Management GmbH (UCM). Das Unternehmen ist eine Tochter des Klinikums und der Hellmann Worldwide Logistics.

 

Die UCM will deutsche universitäre Hochschulmedizin weltweit vermarkten. »Wir helfen Investoren, die zum Beispiel ein Krankenhaus planen«, sagt Dr. Mathias Goyen, Geschäftsführer des Krankenhaus-Dienstleisters. Das können Machbarkeitsstudien sein oder Unterstützung bei der Businessplangestaltung, aber auch das Management von Krankenhäusern gehört zum Dienstleistungsangebot. »Die Tongji Medical University im chinesischen Wuhan beraten wir bei der Planung eines Logistikzentrums«, so Goyen.

 

Die meisten bedeutenden Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich kooperieren längst mit China. Dabei geht es um richtig viel Geld, denn China gilt als einer der großen Zukunftsmärkte. Bayer zum Beispiel investiert in Polymer-Produktionsanlagen in Shanghai bis 2012 rund 1,8 Milliarden Euro. Das ist das größte Investitionsprojekt, das Bayer jemals außerhalb Deutschlands umgesetzt hat.

 

Es gibt Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft wie das Deutsch-Chinesische Freundschaftskrankenhaus, ein Joint-Venture von Siemens, den Asklepios-Kliniken, der Tongji-Universität in Shanghai, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Das Krankenhaus in Shanghai soll noch vor der dortigen Expo 2010 fertig sein. Die Partner investieren mehr als 100 Millionen Euro. Das Projekt hat auch für die Politik Vorbildcharakter: Im Mai vorigen Jahres unterzeichneten der Präsident der Volksrepublik China, Hu Jintao, und der deutsche Bundespräsident Horst Köhler in Peking den Joint-Venture-Vertrag.

 

Der Austausch funktioniert aber keineswegs nur von Deutschland nach China, sondern auch umgekehrt. Deutsche Pharmaunternehmen beziehen die Wirkstoffe für die Arzneimittelherstellung nach Angaben des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) inzwischen zu 80 Prozent aus Drittländern wie China, Taiwan, Indien und Korea.

 

Das Interesse an Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, doch deutsche Hersteller pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) sind auf dem Gebiet noch wenig aktiv, sagt Dr. Barbara Steinhoff, Abteilungsleiterin für pflanzliche Arzneimittel und Homöopathie beim Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) in Bonn.

 

Hohe Hürden für TCM

 

»Das Interesse ist da, aber die Hürden liegen hoch«, so Steinhoff. Die Zulassungsverfahren erschwerten das Engagement der Hersteller. So seien ein umfangreiches Qualitätsdossier und ein Nachweis für eine 15-jährige Tradition des TCM-Präparats in Europa notwendig. Bislang beschränken sich deshalb die TCM-Arzneimittel in Deutschland meist auf Einzelverordnungen wie Tees oder spezielle Rezepturen, die dann in der Apotheke hergestellt werden, oder auf den Import einzelner Packungen aus China.

 

Auf wissenschaftlicher Ebene sind die Kontakte nach China zahlreich und vielfältig. Die größte deutsche Wissenschaftsorganisation, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, hat seit 2004 ein Büro in Peking. Es fördert die Kooperation zwischen Wissenschaftlern der 15 medizinisch-biologischen und naturwissenschaftlich-technischen Helmholtz-Zentren und ihren chinesischen Partnern. In Lanzhou, der Provinzhauptstadt von Gansu, haben Wissenschaftler der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) Darmstadt und des Instituts für Moderne Physik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam ein Beschleunigerzentrum geplant und aufgebaut.

 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) betreibt seit September vorigen Jahres in der chinesischen Stadt Xian gemeinsam mit der Fourth Military Medical University (FMMU) ein Helmholtz-Forschungslabor. Dort untersuchen Wissenschaftler das Vorkommen von humanen Papillomviren in Lungen-, Gebärmutterhals- und Speiseröhren-Krebs sowie von Heliobacter pylori bei Magen-Darm-Erkrankungen. Auch die Verbreitung der beiden Erreger in der chinesischen Bevölkerung soll analysiert werden.

 

Die deutsch-chinesische Gesellschaft für Medizin hat bereits in den 80er Jahren Kontakte zu China gepflegt und ermöglicht, dass deutsche und chinesische Ärzte trotz des Eisernen Vorhangs ihr Wissen austauschen konnten. In den vergangenen Jahren ist das Medizinmanagement zum Schwerpunkt geworden, erzählt Mathias Goyen, der Geschäftsführer der UKE Consult und Management GmbH, der auch Generalsekretär der als Verein organisierten Gesellschaft ist.

 

»Deutsches Know-how ist in China sehr gefragt«, sagt Goyen. Für November plant die Gesellschaft ein Symposion in Shanghai. Daran wird auch Dr. Klaus Theo Schröder teilnehmen, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit. Die Gesellschaft hat 400 Mitglieder, überwiegend Ärzte.

 

In der Volksrepublik China haben sich inzwischen nach Angaben der Chinesischen Botschaft in Berlin über 1600 deutsche Unternehmen niedergelassen. Sie investierten 7,6 Milliarden Euro. In den vergangene zwei Jahren sei Deutschland zu Chinas größtem Investitionspartner in Europa geworden, so die Botschaft.

 

Derweil ist Chinas Wirtschaft weiter auf Expansionskurs, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. 2006 wuchs die Wirtschaft um 10,7 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich auf 2,6 Billionen US-Dollar – das ist eine Verdreifachung innerhalb eines Jahrzehnts. Trotz hoher Zuwachsraten lag das BIP pro Kopf 2006 allerdings mit 1598 US-Dollar deutlich unter dem Niveau westlicher Industrieländer. Das Olympiajahr bringt China nach Schätzung der Chinese Academy of Social Sciences einen BIP-Zuwachs von 10,7 Prozent.

 

Im »Land der Kopierer« gedeiht der Erfindergeist: Die Zahl der neu angemeldeten Patente ist deutlich gestiegen: von 69 auf 436 je eine Million Einwohner in den Jahren zwischen 1995 und 2006.

 

Zwei Drittel nicht krankenversichert

 

Doch um das Gesundheitswesen ist es nicht so gut bestellt. »Etwa zwei Drittel der 1,3 Milliarden Chinesen sind nicht krankenversichert, und diejenigen, die über eine Police verfügen, müssen in vielen Fällen zuzahlen«, heißt es in einem Bericht der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai), einer Servicestelle des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Nur 33 Prozent der Gesundheitsausgaben leistet der Staat. »Krankenhauskosten werden nur teilweise übernommen. Basisarzneimittel werden ersetzt, teure Krebsmedikamente über einem bestimmten Limit hingegen nicht«, so die bfai.

 

Korruption und Kostenexplosion

 

Seit Jahren kämpft das Gesundheitssystem mit explodierenden Kosten, ohne dass sich die Qualität groß verbessert. Die Ärzte, die in China schlechter verdienen als Taxifahrer, drängen ihre Patienten zum Kauf teurer, nicht erstattungsfähiger Medikamente, weil sie dafür Boni einstreichen. Korruption tut ein Übriges. Nach bfai-Angaben ist es durchaus üblich, dass Ärzte unerlaubte Zuwendungen von Pharmavertretern einstreichen, die so Verschreibungen von Arzneimittel der von ihnen vertretenen Firmen fördern.

 

Für multinationale Unternehmen bietet der chinesische Markt bei allen Schwierigkeiten große Zukunftschancen. Die chinesische Gesellschaft beginnt zu altern, damit verschieben sich die Indikationsprofile. Geriatrie, Kardiologie und Diabetologie werden künftig eine größere Rolle spielen, der Bedarf an westlicher Medizin wächst, heißt es in einer Studie der Kronberger Beratungsfirma Accenture. Vor allem risikobereite und kapitalkräftige Pharmafirmen können in China punkten: »Auf der einen Seite sind die Absatzchancen der Unternehmen in einem rudimentären Gesundheitssystem limitiert, auf der anderen Seite bieten die ungefestigten Strukturen für die multinationalen Unternehmen große Chancen zur Mitgestaltung«, so die Accenture-Studie.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 32/2008

 

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