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Soja unter Verdacht

MEDIZIN

 
Soja unter Verdacht

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Aus der Sojabohne gewonnene Lebensmittel gelten als gesundheitsfördernd und sollen unter anderem vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Neuere Studien stellen dies aber in Zweifel und lassen sogar vermuten, dass Lebensmittel aus Soja unter Umständen das Herz schädigen können. Außerdem beeinflussen sie die Fertilität.

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Ob Sojamilch, -sahne, -quark, Tofu oder Tempeh - Soja ist der Inbegriff eines gesunden Lebensmittels. Es ist reich an hochwertigem Eiweiß, an Vitaminen und Spurenelementen, ungesättigten Fettsäuren und außerdem cholesterolfrei. Dementsprechend viele gesundheitsfördernde Eigenschaften werden Sojaprodukten zugeschrieben. Sie sollen zum Beispiel vor Krebs schützen und den Cholesterolspiegel senken.

 

Ihre Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben nun Forscher um Antonella Dewell von der San Jose State University in Kalifornien unter die Lupe genommen. Sie werteten die bestehende Literatur aus und kamen zu dem Ergebnis, dass die Studien nicht aussagekräftig sind. Ihre Analyse werfe »beträchtliche Zweifel« am Nutzen von Sojaprodukten für den Cholesterolspiegel und somit für das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf, schreiben die Forscher im »Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism« (10.1210/jc.2004-2350). Um einen signifikanten Effekt zu erreichen, wären große Mengen an Soja (etwa ein Kilogramm Tofu pro Tag) nötig. Die Empfehlungen einiger Wissenschaftler und Gesellschaften, zur Prophylaxe von Herzerkrankungen aus Soja gewonnene Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren, seien daher verfrüht, schreiben die Forscher weiter.

 

Herzschäden verstärkt

 

Dass der Konsum von Sojaproteinen das Herz sogar schädigen kann, legt eine Studie amerikanischer Forscher nahe. Brian Stauffer von der University of Colorado und seine Kollegen untersuchten, wie sich eine sojahaltige Ernährung auf Mäuse mit einer bestimmten Herzerkrankung auswirkt. Die Tiere waren genetisch so verändert, dass sie an hypertrophischer Kardiomyopathie (HCM) litten. Bei dieser Erkrankung ist die Wand der linken Herzkammer verdickt, was die Ventrikelfüllung erschwert. Im späteren Verlauf der Erkrankung werden die Wände der Herzkammer dünner und schwächer, die Pumpleistung nimmt ab, und Herzversagen kann die Folge sein.

 

Den herzkranken Tieren fütterten Stauffer und seine Kollegen entweder eine sojareiche Kost oder eine mit dem Milcheiweiß Casein angereicherte Nahrung. Dabei zeigte sich, dass der Sojakonsum das Leiden erheblich verschlechterte, berichten die Forscher in der Zeitschrift »Journal of Clinical Investigation« (116, Seite 209). Bei männlichen Tieren war der Herzmuskel stark verdickt, was häufig zu Herzversagen führte. Bei weiblichen Tieren zeigte sich diese negative Auswirkung der sojahaltigen Kost dagegen nicht. Für den schädigenden Effekt könnte zumindest zum Teil die in Soja enthaltenen Phytoestrogene (Daidzein und Genistein) verantwortlich sein, legen die Daten der Forscher nahe. Dies würde auch erklären, warum nur die männlichen Mäuse betroffen waren. Denn die Weibchen weisen so große Mengen an eigenen Estrogenen auf, dass eine geringe Zufuhr aus der sojahaltigen Kost kaum ins Gewicht fällt.

 

Den Medizinern zufolge bringen die pflanzlichen Estrogene eine biochemische Kaskade in Gang, die schließlich die Apoptose in den Herzmuskelzellen auslöst, diese also absterben lässt. Unter dem Mikroskop war dies als Narben in den Wänden der Ventrikel zu erkennen. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen sind, sollen weitere Untersuchungen klären.

 

Fertilität beeinträchtigt

 

Die Phytoestrogene scheinen noch weitere negative Effekte zu haben. So zeigt eine neuere Untersuchung, dass Genistein die Entwicklung der Ovarien bei neugeborenen Mäusen beeinträchtigt und somit zu Fertilitätsproblemen bei erwachsenen Tieren führen kann. Forscher des US-amerikanischen National Institute of Environmental Health Sciences injizierten neu geborenen weiblichen Mäusen in den ersten fünf Lebenstagen verschiedene Dosen Genistein und untersuchten die Tiere auf ihre Fertilität hin.

 

Die mit der höchsten Dosis (50 mg/kg) behandelten Mäuse waren unfruchtbar, mit niedrigeren Dosen behandelte Tiere zeigten Fertilitätsprobleme - sie waren seltener trächtig und hatten weniger Junge pro Wurf als unbehandelte Tiere. Dies berichten die Wissenschaftler in der Januarausgabe der Fachzeitschrift »Biology of Reproduction«.Der Grund hierfür scheint zu sein, dass Genistein die Eizellen in den Ovarien daran hindert, sich zu teilen. Dadurch bleiben sie in Clustern zusammen und werden von den umgebenden Follikelzellen nicht ausreichend versorgt, weshalb sie sich nicht zu funktionierenden, reifen Eizellen entwickeln können.

 

Ob eine Sojazufuhr zu bestimmten Zeiten der Entwicklung auch beim Menschen eine ähnlichen Effekt hat, sollen weitere Studien zeigen. Die Frage ist insofern relevant, als im Handel Säuglingsnahrung auf Sojabasis erhältlich ist.


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Beitrag erschienen in Ausgabe 04/2006

 

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