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Apothekerberufe: »Pharmazie im eigentlichen Sinn«

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Apothekerberufe

»Pharmazie im eigentlichen Sinn«


Von Christina Müller / Für viele Absolventen ist die Krankenhauspharmazie eine willkommene Alternative zur Tätigkeit in der Offizin. Apothekerin Anja Weinert konnte vor mehr als sechs Jahren eine der heiß umkämpften Stellen am St. Joseph Krankenhaus in Berlin ergattern. Im Gespräch mit der PZ berichtet sie von ihrem Alltag und warum sie ihre Arbeit liebt, obwohl diese so viel von ihr fordert.

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PZ: Was sind Ihre Aufgaben in der Krankenhausapotheke?

 

Weinert: Ich berate die Ärzte und die Pflegenden zu allen pharmazeutischen Fragen und kümmere mich um den Einkauf der Arzneimittel. Montags, mittwochs und freitags bin ich zudem für die Ausgabe zuständig. 

 




»Im Krankenhaus kann ich tatsächlich einen Großteil meines Wissens aus dem Studium anwenden.«Anja Weinert, Krankenhausapothekerin

Foto: Weinert


Das heißt, ich beliefere die Anforderungen, die per E-Mail von den Stationen kommen. Darüber hinaus betreuen wir zwei weitere Kliniken, von denen wir die Verordnungen entweder per Fax oder im Original in den Kisten erhalten. In der Regel suchen die PTA, PKA und Hilfskräfte die entsprechenden Medikamente raus und ich kontrolliere anschließend, ob auch wirklich die richtigen Arzneimittel in den Kisten gelandet sind, die wir dann an die Häuser schicken. Zudem arbeite ich regelmäßig in der Sterilabteilung. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Kliniken, in denen vor allem die PTA die Rezepturen herstellen.

 

PZ: Warum diese Besonderheit?

 

Weinert: Wir sind mit 2,5 Apothekerstellen und 1,5 PTA-Stellen ein sehr kleines Kollegium. Daher haben wir Pharmazeuten keine eigenen Abteilungen, für die wir verantwortlich sind. Bei uns muss jeder alle Arbeiten bewerkstelligen können, die anfallen. Dazu zählt auch das Anfertigen individueller Zubereitungen.

 

PZ: Begleiten Sie die Ärzte auf den Stationen?

 

Weinert: Wir gehen täglich auf den schneidenden Stationen – sprich auf der Orthopädie, Gynäkologie und Chirurgie – zur Anamnese. Dabei erfassen wir die Medikation der Patienten und passen sie an unsere Hausmedikationsliste an. Häufig delegieren wir diese Aufgabe an unsere Pharmaziepraktikanten. So beschäftigen sie sich neben unserer Hausliste auch gleichzeitig etwa mit Interaktionen zwischen bestimmten Wirkstoffen, Normdosen sowie der Dosisreduktion von Medikamenten bei Niereninsuffizienz.

 

PZ: Haben Sie während der Famulatur oder im praktischen Jahr auch schon Erfahrungen in der Krankenhauspharmazie gesammelt?

 

Weinert: Ja, ich habe im Jahr 2009 als Pharmaziepraktikantin im St. Joseph Krankenhaus angefangen. Seit Januar 2010 arbeite ich hier als fest angestellte Apothekerin.

 

PZ: Warum haben Sie sich für die Krankenhauspharmazie entschieden und gegen die Arbeit in einer öffentlichen Apotheke?




Das St. Joseph Krankenhaus im Bezirk Tempelhof- Schöneberg ist mit 495 Betten das größte katholische Krankenhaus in Berlin. Es nahm im Dezember 1928 den Betrieb auf.

Foto: St. Joseph Krankenhaus/Ricardo José


Weinert: Weil ich finde, dass die Tätigkeit im Krankenhaus Pharmazie im eigentlichen Sinn ist. Hier kann ich tatsächlich einen Großteil meines pharmakologisch-pharmazeutischen Wissens aus dem Studium anwenden. In der Offizin ist der Alltag erfahrungsgemäß doch eher kaufmännisch geprägt.

 

PZ: Haben Sie sich speziell fort- oder weitergebildet?

 

Weinert: Ich absolviere derzeit ein Aufbaustudium an der Uni Dresden in Kooperation mit der Uni Frankfurt, das gezielt auf die Krankenhauspharmazie zugeschnitten ist. Aktuell bin ich im vierten Semester, also schon fast fertig. Ich muss nur noch meine Masterarbeit abgeben und verteidigen.

 

PZ: Sie arbeiten in Vollzeit im Krankenhaus. Schaffen Sie es problemlos, noch nebenbei zu studieren?

 

Weinert: Das Studium nimmt viel Zeit in Anspruch. Da brauche ich schon einen netten Arbeitgeber, der mich unterstützt. Und auch das Kollegium muss bereit sein, die Zeiten, in denen ich fehle, zu überbrücken. Ich bin pro Semester zwei komplette Wochen und drei Wochenenden inklusive der Freitage nicht anwesend. Das macht es schwierig.

 

PZ: Was raten Sie jungen Apothekern, die auch mit dem Gedanken spielen, sich einen Job im Krankenhaus zu suchen?

 

Weinert: Es ist auf jeden Fall wichtig, schon mal während der Famulatur oder im praktischen Jahr in den Arbeitsalltag hinein zu schnuppern. Nur so kann man herausfinden, ob man in diesem Bereich wirklich gut aufgehoben ist. Grundsätzlich ist es schwierig, konkrete Tipps zu geben, weil die Arbeitsabläufe in den verschiedenen Einrichtungen so unterschiedlich sind, dass die Stellen in der Krankenhauspharmazie kaum miteinander vergleichbar sind. Zudem sollte jedem bewusst sein, dass klinische Pharmazie nicht das gleiche ist wie Krankenhauspharmazie, sonst ist man am Ende wahrscheinlich ziemlich enttäuscht. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 17/2016

 

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