Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Schlaganfall: Darmmikrobiota beeinflusst Folgeschäden

NACHRICHTEN

 
Schlaganfall: Darmmikrobiota beeinflusst Folgeschäden
 


Die Zusammensetzung der Darmmikrobiota beeinflusst das Ausmaß von neurologischen Schäden nach einem Schlaganfall. Eine Veränderung der Darmmikrobiota durch Antibiotika-Gabe konnte in Untersuchungen mit Mäusen die Immunreaktion so modulieren, dass die neurologischen Folgeschäden reduziert wurden. Das berichten Forscher um Dr. Corinne Benakis vom Weill Cornell Medical College in New York im Fachjournal «Nature Medicine».
 
Um die Rolle der Darmbakterien bei diesen neuronalen Prozessen zu untersuchen, behandelte das Team Mäuse mit einer Kombination aus den zwei Antibiotika Amoxicillin (A) und Clavulansäure (C), um AC-sensitive Stämme zu eliminieren. Zwei Wochen später induzierten die Forscher bei den Tieren einen ischämischen Hirninfarkt (eine Minderdurchblutung des Gehirns), die häufigste Art des Schlaganfalls. Die Folgeschäden des Infarkts fielen bei mit Antibiotika behandelten Mäusen um 60 Prozent geringer aus als bei unbehandelten Kontrolltieren.
 
Der Grund hierfür liegt im Immunsystem, das an der Pathologie des Schlaganfalls maßgeblich beteiligt ist. Die Forscher entdeckten, dass die Antibiotika-Gabe das Verhältnis von pro- zu anti-inflammatorischen Immunzellen in Richtung anti-inflammatorisch verschob. Die Zahl der antientzündlichen regulatorischen T-Zellen nahm zu. Gleichzeitig nahm die Zahl der pro-inflammatorischen Immunzellen, die zum Ort des Infarkts wandern, ab. Entsprechend niedriger fiel der neurologische Schaden aus, der vor allem auf Entzündungsprozesse zurückgeht.
 
Die Forscher hoffen, aus diesen Erkenntnissen therapeutische Maßnahmen entwickeln zu können, falls sich eine entsprechende Verbindung zwischen Darmmikrobiota und Schlaganfallfolgen auch beim Menschen nachweisen lässt. Untersucht werden sollte in dieser Hinsicht auch, welche Bakterienarten für den protektiven Effekt verantwortlich sind. (ch)
 
DOI: 10.1038/nm.4068
 
29.03.2016 l PZ
Foto: Fotolia/NiDerLander
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Withaferin A bei Mäusen gegen Übergewicht wirksam

Withaferin A, ein Inhaltsstoff der Schlafbeere (Withania somnifera), hat bei Mäusen mit diätinduzierter Adipositas (DIA) zu einer...



Modellprojekt in Sachsen: Diabetes-Test bei Babys

Neugeborene sollen künftig in Sachsen für ein Modellprojekt auf ihr Typ-1-Diabetes-Risiko getestet werden. Das Screening zu einer möglichen...



Chinoxaline: Möglicher Ansatz gegen Ebola gefunden

Wissenschaftler haben einen neuen Ansatz identifiziert, um Infektionen mit RNA-Viren zu bekämpfen: sogenannte Austritt-Inhibitoren, die die...



Stada: Gut besuchte Hauptversammlung

Die bevorstehende Kampfabstimmung um den Stada-Aufsichtsrat hat zu einer Rekordbeteiligung bei der Hauptversammlung geführt. Heute sind in...

 
 

Wespen: Unterschiede im Giftcocktail erkennen
Der Spätsommer ist Wespenzeit. Für Allergiker eine bedrohliche Situation, denn ein Wespenstich kann lebensgefährlich sein. Eine...

ARZ Haan: 2015 Zuwachs von 10 Prozent
Das Geschäftsjahr 2015 ist für Abrechnungsspezialist ARZ Haan gut gelaufen: Der Umsatz stieg um 10 Prozent auf 47,8 Millionen Euro, wie der...

GKV: Kassenplus im ersten Halbjahr
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat sich zur Jahresmitte weiter verbessert. Die 118 Kassen verbuchten Ende Juni...

FXIa-Inhibitor: Gerinnungshemmer mit geringem Blutungsrisiko
Der ideale Gerinnungshemmer senkt das Risiko für Thrombosen, ohne das für Blutungen zu erhöhen. Diesem Ziel sind Wissenschaftler um Dr....

Forscher: Normalgewicht beugt Krebs vor
Wer übergewichtig ist, hat Experten zufolge ein erhöhtes Risiko für viele Arten von Krebs. Das war für einige Krebsarten bekannt und wurde...

Klinisches Krebsregister: Es gibt viele Baustellen
Bis Ende 2017 muss in allen Bundesländern das klinische Krebsregister aufgebaut sein. Das hat der Bundestag 2013 gesetzlich geregelt. Wie...

Halbjahreszahlen: Apobank mit durchwachsenem Ergebnis
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat im ersten Halbjahr 2016 einen Jahresüberschuss nach Steuern von 30,4 Millionen Euro...

Klimawandel könnte Zahl der Ambrosia-Allergiker verdoppeln
Der Klimawandel könnte nach Forscherangaben in Europa eine wahre Heuschnupfenwelle verursachen. Eine besondere Rolle spiele dabei die...

Die Linke: Regierung nimmt Lieferengpässe nicht ernst
Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende...

Zwangsbehandlung psychisch Kranker: Neuregelung nötig
Die gesetzlichen Regeln zur ärztlichen Zwangsbehandlung psychisch Kranker müssen nachgebessert werden, weil sie verfassungswidrige Lücken...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU