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Johanniskraut: Ungeklärter Engpass

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Johanniskraut: Ungeklärter Engpass
 


Johanniskraut ist ins Gerede gekommen. Zumindest das von Steigerwald entwickelte und mittlerweile in den Bayer-Konzern integrierte Präparat Laif, bereitet den Leverkusenern Probleme. Nach Berichten der «Frankfurter Allgemeinen» (FAZ) hat Bayer mit einem Lieferengpass bei Hypericum perforatum zu kämpfen. Gegenüber der FAZ hat das Unternehmen dies bestätigt. Sowohl beim verschreibungsfähigen Laif 900 und dem rezeptfreien Laif Balance, sei «die Lieferfähigkeit eingeschränkt». Die Bayer-Konkurrenten Schwabe und Klosterfrau sind dagegen nicht betroffen.
 
Den Grund für die Lieferprobleme verrät Bayer bislang nicht. Eine mögliche Erklärung könnte eine zu hohe Konzentration von Pyrrolizidinalkaloiden sein. In Pflanzen dienen diese Alkaloide als Fressschutz. Es handelt sich also um Substanzen, die natürlich in der Pflanze vorkommen, nicht um aus der Umwelt aufgenommene Stoffe. Sie stehen in Verdacht, die Leber zu schädigen. Einige Pflanzenfamilien wie etwa die Korbblütengewächse (Asteraceae) enthalten besonders viele der Naturstoffe.
 
Johanniskraut gehört zwar in die Familie der Hypericaceae, deren Vertreter weniger hohe Pyrrolizidinalkaloiden-Werte aufweisen. Allerdings sind die Vertreter beider Pflanzenfamilien häufig miteinander vergesellschaftet und sehen sich außerdem ähnlich. Es kommt deshalb häufig vor, dass bei der Hypericum-Ernte auch Kreuzblütler gesammelt und untergemischt werden. 
 
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will die Verbraucher in Zukunft besser vor Verunreinigungen pflanzlicher Arzneimittel mit Pyrrolizidinalkaloiden schützen. Mit Blick auf das leberschädigende Potenzial der Verbindungen definierte das BfArM jetzt neue Testvorschriften und Grenzwerte für die pharmazeutische Industrie. Ziel der Vorgaben ist es, die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden mit Medikamenten unter 1 µg pro Tag zu senken.
 
Sollte sich die Vermutung bestätigen, dass manche Johanniskrautprodukte zu viele Pyrrolizidinalkaloide enthalten, dann dürfte dies Patienten verunsichern. Hier sind die Apotheker als erster Berater gefragt. Sie sollten ihren Patienten nicht raten, das Medikament abrupt abzusetzen. Angesichts der Indikation sollte der Patient unbedingt aufgefordert werden, seinen Arzt aufzusuchen und mit ihm die Medikation besprechen. (dr)
 
23.03.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Fradoray
 

 

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