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Zwei Millionen Nierenkranke in Deutschland

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Zwei Millionen Nierenkranke in Deutschland
 


Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland weisen eine Nierenkrankheit mit einer bereits deutlich eingeschränkten Nierenfunktion (von unter 60 ml/min/1,73 m2) auf. Das zeigt eine Analyse von Daten aus der bundesweiten «Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DEGS1)» des Robert-Koch-Instituts, die nun im Deutschen Ärzteblatt publiziert wurde. Die Forscher um Professor Dr. Matthias Girndt vom Universitätsklinikum Halle hatten die Daten zur Nierenfunktion von Menschen zwischen 18 und 79 Jahren ausgewertet, die an der DEGS1 teilgenommen hatten.
 
Ihr Ergebnis: Etwa 2,3 Prozent der Menschen wiesen eine glomeruläre Filtrationsrate von unter 60 ml/min/1,73 m2 auf. Mit zunehmendem Alter stieg die Prävalenz der Nierenfunktionsstörung. «Bezieht man auch die Menschen im Alter von 80 Jahren und darüber mit ein, kommen wir auch bei einer konservativen Hochrechnung auf über zwei Millionen Betroffene», kommentiert Girndt in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). «Das ist viel, denn man darf nicht vergessen, dass bei diesen Menschen die Nierenkrankheit bereits manifest ist. Ihre Nierenfunktion hat sich gegenüber Gesunden beinahe schon halbiert und die Erkrankung schreitet in der Regel weiter voran. Viele dieser Menschen werden über kurz oder lang dialysepflichtig», so der Experte. Wie die Analyse ergab, waren insbesondere Menschen mit Bluthochdruck und Diabetiker von einer Nierenerkrankung betroffen. Diabetes mellitus erhöhte das Risiko um das 2,25-Fache, Bluthochdruck sogar um das 3,46-Fache.
 
Besonders alarmierend sei die Tatsache, dass nur ein Drittel der Betroffenen von der eigenen Nierenerkrankung wusste, die Mehrheit demzufolge auch nichts unternimmt, um dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. «Das ist bedauerlich, denn durch verschiedene Maßnahmen, auch durch den Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten mit nierenschützendem Potenzial, lässt sich der Progress einer chronischen Nierenkrankheit verlangsamen», erklärt Professor Dr. Jan Galle, Pressesprecher der DGfN.
 
In der Untersuchung sei erstmals die Prävalenz von chronischen Nierenerkrankungen in Deutschland ermittelt worden. Diese war bislang unbekannt und wurde durch Übertragung von US-amerikanischen Daten abgeschätzt. Die neuen Daten würden demonstrieren, wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind, denn bisher wurde die Bedeutung der Nierenerkrankung in Deutschland unterschätzt. «Wir hoffen, dass die neuen Daten auch den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik die Augen öffnen und die Prävention von Nierenerkrankungen nun stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt wird», so Girndt. (ch)
 
DOI:  10.3238/arztebl.2016.0085
 
18.03.2016 l PZ
Foto: Fotolia/psdesign1
 

 

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