Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

Glyphosat: BfR kritisiert «verantwortungslose Panikmache»

NACHRICHTEN

 
Glyphosat: BfR kritisiert «verantwortungslose Panikmache»
 


Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat Umweltverbänden und Grünen-Politikern die Verbreitung beängstigender Falschinformationen über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat vorgeworfen. «Das Gerede von der angeblich mit Glyphosat verseuchten Muttermilch ist Panikmache», sagte BfR-Präsident Andreas Hensel dem «Spiegel». «Ich finde das verantwortungslos.» Obwohl Glyphosat seit mehr als 40 Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt werde, gebe es keinen ernstzunehmenden Hinweis auf schädliche Nebenwirkungen.
 
Hensel wies darauf hin, dass die tödliche Dosis von Glyphosat ähnlich sei wie die von Kochsalz. Kein Grund zur Besorgnis ist aus seiner Sicht, dass Umweltverbände bei Urintests Pestizidrückstände gefunden hatten. Es sei «doch gut, wenn der Urintest zeigt, dass das Glyphosat unverändert durch den Körper geht, anstatt zu akkumulieren». Vor etwa einer Woche hatte die Bürgerinitiative Landwende in der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung eine Studie präsentiert, nach der fast jeder Deutsche Glyphosat-Rückstände im Urin hat. Die Substanz ließ sich demnach in den Urin-Proben von 99,6 Prozent der rund 2000 getesteten Probanden feststellen. Menschen kommen mit dem Stoff etwa über Lebensmittel und die Arbeit in der Landwirtschaft in Kontakt.
 
Glyphosat war zuvor auch im Bier nachgewiesen worden. Das Münchner Umweltinstitut, das sich unter anderem für ökologischen Landbau einsetzt, hatte 14 Biermarken testen lassen und dabei Spuren des Unkrautvernichters gefunden. «Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken», hatte das BfR damals kommentiert.
 
Ob Glyphosat eine Gefahr für Menschen darstellt, ist umstritten. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO (IARC) stufte das Mittel als wahrscheinlich krebserregend ein. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) kam hingegen zum Schluss, der Wirkstoff berge vermutlich keine Krebsgefahr für den Menschen. Das entspricht auch der Einschätzung des BfR. Umweltschützer betonen, dass viele Fragen rund um Glyphosat, etwa nach Wechselwirkungen mit anderen Stoffen, noch offen seien.
 
Außerdem nehmen Menschen den Angaben zufolge Glyphosat höchstwahrscheinlich mit unterschiedlichen Lebensmitteln auf. Die Glyphosat-Zulassung in der EU läuft bis Ende Juni. Die EU-Staaten konnten sich noch nicht darauf einigen, ob der Unkrautvernichter neu zugelassen wird. Bei der Diskussion geht es nur um die Substanz Glyphosat. Die Entscheidung darüber, ob Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, sicher sind und auf ihrem Gebiet in den Verkehr gebracht werden dürfen, liegt bei den einzelnen Mitgliedstaaten.
 
14.03.2016 l dpa
Foto: Fotolia/Kara
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Prämie: 1 Milliarde Euro für neues Antibiotikum

Pharmahersteller sollen für den Markteintritt eines neuen, innovativen Antibiotikums eine einmalige Prämie von 1 Milliarde Euro erhalten....



Fettes Essen schadet dem Körper sofort

Schon eine einzige fettreiche Mahlzeit kann sich schädlich auf den Zuckerstoffwechsel und die Leber auswirken. Zu diesem Ergebnis kamen...



Links- oder Rechtshänder: Das Rückenmark entscheidet

Bisher ging man davon aus, dass die Ursache dafür, ob Menschen Rechts- oder Linkshänder sind, im Gehirn liegt. Eine neue Studie deutet nun...



4,5 Prozent mehr: Ausgaben für Gesundheit steigen weiter

Die Ausgaben für Gesundheit steigen in Deutschland immer stärker. 2015 flossen insgesamt 344,2 Milliarden Euro in den Sektor. Das waren 4,5...

 
 

Vernachlässigt: Medikamentöse Ruhigstellung in Heimen
Zu den zehn wichtigsten vernachlässigten Themen in den Medien zählt auch die medikamentöse Ruhigstellung in Altenheimen. Die Initiative...

Bayer will Dividende anheben
Der Pharma- und Agrarchemie-Konzern Bayer will nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2016 die Dividende um 0,20 Euro auf 2,70 Euro...

Spuren von radioaktivem Iod in der Luft gemessen
In mehreren Teilen Europas, darunter in Tschechien und Deutschland, sind im Januar Spuren von radioaktivem Iod gemessen worden. Die in der...

«Zeckenzement»: Klebstoff für menschliches Gewebe
Aus der zementartigen Substanz, die es Zecken ermöglicht, sich für mehrere Tage fest in der Haut des Wirtes zu verankern, wollen Forscher...

Immer mehr junge Menschen leiden an Kopfschmerzen
Fast 10 Prozent der Deutschen haben nach Angaben der Krankenkasse Barmer im Jahr 2015 mindestens einmal an Kopfschmerzen gelitten. Die...

Simvastatin plus Amiodaron: AkdÄ warnt vor Interaktion
Bei gleichzeitiger Anwendung von Simvastatin und Amiodaron kann es zu einem Zerfall quergestreifter Muskelfasern, einer Rhabdomyolyse,...

Versandverbot: Adexa wirbt bei SPD und Grünen
Die Apothekengewerkschaft Adexa hat die Parteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen angeschrieben und für das geplante Versandverbot für...

Diagnostika-Industrie: Gute Laune trotz Flaute
Der Gesamtmarkt der Diagnostika-Industrie in Deutschland geht von einem leichten Plus von 0,1 bis 0,2 Prozent für das Jahr 2016 aus. Das...

Tiere: Erstmals Antikörper zur Zulassung empfohlen
Auch Hunde können unter Neurodermitis leiden. Für die betroffenen Tiere kommt wahrscheinlich bald ein monoklonaler Antikörper in der EU auf...

Doc Morris: Kunden sollen Postkarte an CDU schicken
Die Protestaktionen der Apotheken und ihrer Kunden gegen Boni auf Rezept scheinen offenbar so erfolgreich zu sein, dass auch die...

Ressortabstimmung: Nächster Schritt für Rx-Versandverbot
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am 17. Feburar für das geplante Gesetz zum

Entwicklungshilfe: Deutschland fördert Klinikpartnerschaften
Für deutsche Hochschulen sind Partnerschaften mit Universitäten im Ausland Normalität – jetzt gibt es einen ähnlichen Ansatz auch für...

Fluglärm erhöht Stresspegel und schädigt Gefäße
Fluglärm führt einer neuen Mainzer Studie zufolge zu Gefäßschäden und langfristig zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesem Schluss...

E-Health: Nägel mit Köpfen
Eine der zentralen Baustellen in der Gesundheitspolitik ist das Thema digitale Gesundheit. Vielen geht die Entwicklung zu schleppend. Um...

KBV für Zusammenführung der Notfallsdienste
Der Bereitschaftsdienst von niedergelassenen Ärzten und die Notfallambulanz von Krankenhäusern müssen nach Ansicht der Kassenärztlichen...

RKI: 2017 könnte wieder ein Masernjahr werden
In einigen Bundesländern bereiten Masernviren derzeit wieder Probleme. Mehrere Fälle der hoch ansteckenden Krankheit wurden unter anderem...

Merkel: Mit Gesundheitsversorgung gegen Fluchtursachen
Eine gute Gesundheitsversorgung für jedermann kann nach Einschätzung der Bundeskanzlerin zur Reduzierung von Fluchtbewegungen beitragen....

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU