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Brustkrebs: Dualblockade statt Chemotherapie

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Brustkrebs: Dualblockade statt Chemotherapie
 


Eine doppelte Anti-HER2-Therapie könnte einigen Brustkrebspatientinnen eine Chemotherapie ersparen. Das ist das Ergebnis der sogenannten EPHOS-B-Studie, welches gestern auf der European Breast Cancer Conference in Amsterdam bekanntgegeben wurde. Bei rund einem Viertel aller Frauen mit HER2-positivem Mammakarzinom, die kurz nach der Krebsdiagnose und vor einer Operation und Chemotherapie für nur elf Tage mit einer Kombination aus den beiden Anti-HER2-Wirkstoffen Trastuzumab (Herceptin®) und Lapatinib (Tyverb®) behandelt wurden, konnten Wissenschaftler ein deutliches Schrumpfen des Tumors oder sogar sein Verschwinden nachweisen.
 
Wie aus einer Pressemitteilung der European Cancer Organisation hervorgeht, war die Studie zweigeteilt. Zunächst hatten 130 Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs direkt nach der Diagnose entweder für elf Tage Trastuzumab, Lapatinib oder Placebo erhalten. Als andere Studien Hinweise dafür lieferten, dass eine duale HER2-Blockade bei diesen Patientinnen vorteilhaft sein könnte, wurden weitere 127 Frauen für elf Tage nach der Diagnose und vor der Operation entweder mit Placebo, Trastuzumab allein oder der Trastuzumab-Lapatinib-Kombination behandelt. Während der Brust-OP entnahmen die Forscher den Frauen dann Gewebeproben und untersuchten diese.
 
Im letztgenannten Studienarm konnten Forscher bei 11 Prozent der Frauen eine komplette pathologische Remission (pathological complete response, pCR) und in 17 Prozent der Fälle eine minimale Resterkrankung (minmal residual disease, MRD) feststellen. Eine Chemotherapie war nicht mehr notwendig. Unter Placebo kamen weder MRD noch pCR vor und auch unter Trastuzumab-Monotherapie fanden die Wissenschaftler bei keiner Frau eine pCR und nur in 3 Prozent aller Fälle MRD.
 
Wenn weitere Untersuchungen dieses Studienergebnis bestätigen, könnte eine einfache Möglichkeit gefunden sein, Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs zu identifizieren, denen man eine Chemotherapie ersparen kann. «Die Studienergebnisse bestätigen frühere Hinweise, dass es sehr wahrscheinlich Patientinnen gibt, die man mit einer dualen Anti-HER2-Therapie behandeln kann und die keine Chemotherapie mehr benötigen», so kommentierte Professor Dr. Fatima Cardoso aus Lissabon die Ergebnisse in Amsterdam. Unabdingbar sei es nun, zu bestätigen, dass diese Ergebnisse auch in einem gleichen oder längeren Langzeitüberleben der Patientinnen münden. (ss)
 
11.03.2016 l PZ
Foto: Fotolia/ArTo
 

 

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