Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

HIV bei Frauen: Tests kommen für viele zu spät

NACHRICHTEN

 
HIV bei Frauen: Tests kommen für viele zu spät
 


HIV-Infektionen bei Frauen werden viel zu häufig übersehen, was zu irreparablen Gesundheitsschäden führen kann. Darauf macht der Berufsverband der Frauenärzte jetzt aufmerksam. Oft schöpften Ärzte und die Frauen selbst über lange Zeit sogar dann keinen Verdacht, wenn bereits hartnäckig wiederkehrende schwere Infektionen oder schnell fortschreitende Krebs­er­kran­kungen aufgetreten sind. Da HIV oft mit Drogenkonsum und häufig wechselnden Geschlechtspartnern assoziiert wird, bestünden bei Ärzten wie bei Patientinnen Hemmungen, das Thema anzusprechen – mit womöglich fatalen Folgen.
 
So hätte sich mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Frauen, bei denen im Jahr 2013 eine HIV-Infektion neu festgestellt wurde, bereits im Spätstadium der Erkrankung befunden, heißt es in einer Mitteilung des Berufsverbands. Bei Männern lag diese Quote demnach nur bei einem knappen Drittel (30 Prozent). Insgesamt sei die Infektion in dem Jahr bei 2838 Männern und 463 Frauen diagnostiziert worden.
 
Die Deutsche Aidshilfe rät Frauen deshalb dazu, aktiv zu werden. «Frauen, die irgendwann im Leben einmal ein HIV-Risiko hatten, sollten keine Scheu haben, einen HIV-Test durchführen zu lassen», sagt etwa Steffen Taubert von der Aidshilfe laut Mitteilung. Beim Gesundheitsamt oder in der Frauenarztpraxis könnten solche Tests anonym durchgeführt werden. Die Krankenkassen übernähmen die Kosten, wenn Symptome einen Test nahelegten oder ein erhöhtes Übertragungsrisiko bestehe.
 
Frauen mit häufig wechselnden Sexpartnern sollten sich zudem regelmäßig auf Syphilis, Chlamydien und andere sexuell übertragbare Infektionen testen lassen, rät Taubert. Kondome schützten zwar zuverlässig vor HIV und reduzierten auch das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Doch seien die meisten Geschlechtskrankheiten viel leichter übertragbar als HIV. «Das Kondom kann sie nicht immer verhindern», so Taubert.
 
Auch im Rahmen der Schwangerenvorsorge sei ein HIV-Test sinnvoll, heißt es in der Mitteilung weiter. Falls gewünscht, würde in den Mutterschaftspass lediglich eingetragen, dass eine Beratung zu HIV stattgefunden hat; dass ein Test durchgeführt wurde und welches Ergebnis er hat, würde in diesem Fall nicht erwähnt. Wichtig für Mutter und Baby sei es, dass eine HIV-Infektion möglichst früh behandelt werde, «spätestens bei Beginn der Schwangerschaft». Im Verlauf der Schwangerschaft könne die Belastung des Körpers mit Viren inzwischen so weit gesenkt werden, dass eine Übertragung der Erreger bei der Geburt «faktisch ausgeschlossen ist». (cd)
 
Mehr zum Thema HIV und Aids 
 
03.03.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Andrey Popov
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


2016: Kassen erzielen Überschuss in Milliardenhöhe

Das Jahr 2016 verlief für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bislang deutlich besser als erwartet: Im ersten bis dritten Quartal...



EU-Rechnungshof: Auf Epidemien nicht genug vorbereitet

Die EU schützt ihre Bürger aus Sicht des europäischen Rechnungshofs nicht optimal vor globalen Gesundheitsgefahren wie Vogelgrippe, Ebola...



Securpharm: Klinikprojekt soll Schutz verbessern

Das erste Krankenaus ist nun an das System zur Echtheitsprüfung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln angeschlossen. Das teilte die...



Mumie mit Pocken: Seuche vermutlich jünger als gedacht

Bisher galten Pocken als eine der ältesten Seuchen der Menschheit. Jetzt wurden in einer Kindermumie aus dem 17. Jahrhundert unter einer...

 
 

Ausblick 2017: Chemiebranche zeigt sich wenig optimistisch
Die deutsche Chemiebranche erwartet im kommenden Jahr noch kein Ende der Flaute. 2017 werde der Umsatz in der chemisch-pharmazeutischen...

EuGH-Urteil: Apotheker starten Unterschriftenkampagne
Mit einer bundesweiten Unterschriftenaktion will die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ab sofort gegen die Konsequenzen...

Forscher entwickeln Handroboter mit Augensteuerung
Tübinger Wissenschaftler haben eine hirngesteuerte Roboterhand für querschnittsgelähmte Menschen entwickelt. Das sogenannte Hand-Exoskelett...

EU: Ab 2018 kein Amalgam mehr für Kinder und Schwangere
Wegen des giftigen Quecksilbers in Amalgam will die Europäische Union die millionenfach verwendete Zahnfüllung deutlich zurückdrängen. Ab...

Kasse veröffentlicht Zahlen zur Kundenzufriedenheit
Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) will für mehr Transparenz bei Kundenklagen über Leistungen sorgen. Deshalb will sie als erste...

Schmidt bleibt ABDA-Präsident
Friedemann Schmidt (Foto) steht für weitere vier Jahre an der Spitze der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die...

ABDA: Vizepräsident Arnold wiedergewählt
Der Vizepräsident der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Mathias Arnold (Foto), geht in die Verlängerung: Die...

ABDA-Vorstand: Milz vertritt die Apothekenmitarbeiter
Bei der Mitgliederversammlung der ABDA ‒ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat heute nicht nur die Wahl des Präsidenten...

Europa: Fast jeder Vierte raucht
23,9 Prozent der in der Europäischen Union lebenden Personen ab 15 Jahren rauchen: 19,2 Prozent tun dies täglich, weitere 4,7 Prozent...

Regeln für Frühchen-Stationen: Verfassungsklage gescheitert
Mehrere Krankenhaus-Betreiber sind mit einer Verfassungsklage gegen Vorgaben für Früh- und Neugeborenen-Stationen gescheitert. Das...

Großbritannien: Millionenstrafe für Pfizer
Wegen «überhöhter und ungerechter» Preise für ein Epilepsie-Medikament soll der US-Pharmakonzern Pfizer in Großbritannien eine hohe Strafe...

Datenschutz: ABDA will klare Formulierungen
Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wünscht sich beim Thema Datenschutz klare Regeln. Hintergrund sind Pläne des...

Neuer Wirkstoff: Hoffnung für Babys mit Muskelatrophie
In einer Phase-II-Studie hat der experimentelle Arzneistoff Nusinersen die Muskelfunktion und Nervenaktivität von 20 Babys mit spinaler...

Fieber bei Kindern: Medikamente nicht immer nötig
Fieber bei Kindern ist eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht immer medikamentös behandelt werden. Darauf weist der...

Bundesweit einmalig: Düsseldorf plant Cannabis-Abgabestellen
Düsseldorf will als bundesweit erste Stadt lizensierte Abgabestellen für Cannabis ermöglichen. Der Stadtrat habe den Gesundheitsausschuss...

Medikationsplan: Glaeske will Apotheker stärker einbinden
Der im vergangenen Oktober bundeseinheitlich eingeführte Medikationsplan ist ein wichtiger Baustein zur Verbesserung der...

Organspende: Kommissionen legen Bericht vor
Kontrolleure haben an drei Universitätskliniken Manipulationen bei der Transplantation begehrter Spenderorgane festgestellt. Systematische...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU