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Chancen in der Krebstherapie: Der Traum von Big Data

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Chancen in der Krebstherapie: Der Traum von Big Data
 


Klinische Daten, Verordnungszahlen, ganze Genomsequenzen: Jeden Tag generiert das Gesundheitswesen riesige Datenmengen. Forscher suchen nach Wegen, diese Informationen medizinisch zu nutzen. Beim Deutschen Krebskongress informierten Experten über den aktuellen Stellenwert von Big Data in der Krebstherapie und welche Chancen sie darin sehen.
 
Die Zeiten, in denen Ärzte handschriftlich Diagnosen in Patientenakten kritzelten, sind weitgehend vorbei. In den meisten Praxen und Krankenhäusern dokumentiert das medizinische Personal heute alle relevanten Daten in digitalisierter Form. Das schürt Hoffnungen: Gelänge es, diese Fülle an Informationen zusammenzuführen, könnten Wissenschaftler daraus völlig neue Erkenntnisse gewinnen, die die Krebstherapie revolutionieren würden.
 
Thomas Zander, Onkologe an der Uniklinik Köln, sieht diese Vision jedoch noch in weiter Ferne. «Uns fehlen bislang einheitliche Dokumentationsstandards, mithilfe derer wir vergleichbare Daten strukturiert erfassen können», sagte er in Berlin. Darüber hinaus seien die Akteure im Gesundheitswesen nicht ausreichend vernetzt, um die Datenpools miteinander zu verbinden. «Der Informationsaustausch etwa innerhalb einer Klinik ist kein Problem, aber sobald zwei Häuser unterschiedliche IT-Systeme verwenden, wird es kompliziert.»
 
Ähnlich kritisch äußerte sich auch Professor Christof von Kalle, Leiter des nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Er setzte den Hebel jedoch noch etwas früher an als sein Vorredner: «Bislang werden in Deutschland erst dann Daten erhoben, wenn eine Person bereits erkrankt ist. Wir wollen aber wissen, was vorher war.» Dafür sei ein System nötig, das auch ältere, gesundheitsbezogene Daten wiederfinden und sie einem bestimmten Patienten zuordnen könne, erklärte von Kalle. «Aber an dieser Stelle stehen uns die nationalen Datenschutzvorgaben im Weg.» Er forderte, den Patienten die Hoheit über ihre Daten einzuräumen, sodass jeder die Möglichkeit hätte, seine persönlichen Informationen selektiv für Forschungsprojekte freizugeben.
 
Professor Hans Lehrach, Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin, geht sogar noch einen Schritt weiter: Aus seiner Sicht scheitert der Versuch, Big Data in der Onkologie zu nutzen, schon daran, wie etwa Messwerte generiert werden. «Jedes Messgerät in jedem Krankenhaus ist anders. Wir müssen also von vornherein planen, welche Informationen wir erheben möchten, damit wir sie standardisiert erfassen können.» Nur so sei es möglich, am Ende valide Datensätze zu erhalten, die Wissenschaftler für ihre Auswertungen heranziehen können.
 
Von Kalle hält Big Data im Gesundheitswesen dennoch grundsätzlich für eine große Chance. «Wenn wir tatsächlich in der Lage wären, diese Massen von Patienteninformationen zu verknüpfen und auszuwerten, könnten wir möglicherweise das Ansprechen auf die zur Verfügung stehenden Medikamente viel präziser vorhersagen.» Auch die Zulassung neuer Arzneimittel ließe sich so vereinfachen und beschleunigen. «Wenn wir bereits die Probandenauswahl optimieren könnten, würde das die klinische Phase der Arzneimittelentwicklung sicher deutlich verkürzen.» Das führe letztlich dazu, dass die Pharmahersteller neue Wirkstoffe zügiger in den Markt einführen könnten und sie somit anderen Erkrankten schneller zur Verfügung stehen würden. (cm)
 
26.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/vege
 

 

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