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Krebspatienten: Vorsicht mit Protonenpumpenhemmern

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Krebspatienten: Vorsicht mit Protonenpumpenhemmern
 


Krebspatienten, die mit einem Tyrosinkinaseinhibitor (TKI) behandelt werden, sollten vorsichtig sein mit der Anwendung von Protonenpumpenhemmern (PPI). Darauf wies Professor Dr. Hans-Peter Lipp, Leiter der Krankenhausapotheke im Universitätsklinikum Tübingen, beim Krebskongress in Berlin hin. Der Grund ist, dass einige TKI nur bei einem niedrigen pH-Wert im Magen in Lösung gehen. Welcher Wirkstoff wie reagiere, lasse sich jedoch nicht vorhersagen. «Das ist kein Substanzklasseneffekt, sondern kann bei jedem TKI unterschiedlich sein», sagte der Apotheker.
 
Lipp präsentierte Daten, wonach die Wirkspiegel von Erlotinib (Tarceva®), Pazopanib (Votrient®) und Dasatinib (Sprycel®) bei gleichzeitiger Anwendung von PPI deutlich gesenkt werden. Die Interaktion lasse sich auch durch die zeitlich versetzte Einnahme der Präparate nicht umgehen, denn «PPI haben aufgrund der irreversiblen Hemmung der Protonenpumpe eine relativ lange pharmakodynamische Wirkung». Als Alternativen für Patienten, die unter Dyspepsie leiden, kämen stattdessen unter Umständen die kürzer wirksamen H2-Antihistaminika infrage. Auch hier müsse jedoch der Einzelfall geprüft werden, um einen Wirkverlust durch einen zu hohen pH-Wert im Magen zu verhindern.
 
Da PPI in niedrigen Dosierungen zu den frei verkäuflichen Medikamenten gehören, sind auch Apotheker gefragt, um diese Wechselwirkung zu verhindern. Sie kann für die Patienten fatal sein: Laut einer 2013 im Fachjournal «Clinical Lung Cancer» erschienenen Arbeit droht für Erlotinib durch diese Interaktion ein Wirkverlust und damit eine Verkürzung der Überlebenszeit des Betroffenen. (am)
 
DOI: 10.1016/j.cllc.2014.07.005
 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofile Dasatinib (Sprycel / 2006)Erlotinib (Tarceva® / 2005) und Pazopanib (Votrient® / 2010) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
 
25.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Alex White
 

 

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