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Serie Apothekerberufe: »Das Gespür kann man nicht lernen«

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Serie Apothekerberufe

»Das Gespür kann man nicht lernen«


Von Christina Müller, Berlin / Wer mit jungen Menschen arbeiten möchte, dem darf vor allem eines nicht fehlen: Leidenschaft. Sabine Ellsässer unterrichtet seit mehr als 20 Jahren angehende pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) am Lette-Verein in Berlin. Im Gespräch mit der PZ erklärt sie, wie Apotheker einen Einstieg in den Berufszweig finden und warum sie sich immer wieder dafür entscheiden würde.

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Sie hatte aufgegeben. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Dieses Gefühl überkam Sabine Ellsässer, als sie vor 23 Jahren ihre Promotion in der pharmazeutischen Chemie hinschmiss. »Ich war wahnsinnig frustriert, dass so viele meiner Versuche erfolglos blieben«, sagt sie rückblickend. Die Arbeit im Labor verlor für sie zunehmend ihren Reiz. »Aber ich hatte ja noch eine zweite Aufgabe – das erste Semester zu betreuen.« Dabei fand die zierliche Frau mit den lebhaften, grünen Augen ihre wahre Berufung: die Lehre.




Für die Arbeit an einer PTA-Schule benötigen Apotheker viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Schülern. Dann kann der Job zum Traumberuf werden.

Fotos: Lette-Verein Berlin


Begehrte Stellen

 

Die Freude daran, ihren Schülern pharmazeutische Fähigkeiten zu vermitteln, teilt Ellsässer mit vielen Kollegen. Rund 460 Apotheker arbeiteten nach Angaben der ABDA im Jahr 2014 an Lehranstalten und Berufsschulen. Das sind knapp 30 Stellen weniger als noch zwei Jahre zuvor – und die verbleibenden sind heiß umkämpft, so Ellsässer. »Viele glauben, als Lehrer an einer PTA-Schule hätte man in den Schul­ferien komplett frei, und interessieren sich deshalb für den Job. Aber wen nur die Ferientage interessieren, der ist hier falsch.«

 

Eine volle Stelle an einer PTA-Schule liegt bei 26 Stunden pro Woche. »Das klingt nach einer Menge Freizeit. Aber pro Unterrichtsstunde sollte man vor allem als Anfänger etwa vier bis fünf Stunden Vorbereitungszeit einplanen«, so Ellsässer. Dazu kommt der Zeitaufwand für Korrekturen sowie zusätzliche Arbeit in den Prüfungsphasen.

 

Auch aktuelle Gesetzesänderungen können zu einem Mehraufwand führen. »Als 2012 die neue Apotheken­betriebsordnung in Kraft getreten ist, hatte ich alle Hände voll zu tun«, erinnert sich Ellsässer. Sie unterrichtet unter anderem Galenik. Daher war ihr Fachgebiet besonders betroffen. Um etwa den Einwaagekorrekturfaktor in das Lehrkonzept einzuflechten, habe sie mehr als 100 Stunden gebraucht. »Und das für nur vier Stunden Unterricht«, sagt Ellsässer.

 

Einsteigern empfiehlt sie, sich zunächst mit einer Teilstelle an die Anforderungen im Beruf heranzutasten. »So habe ich damals auch angefangen und das war sicherlich die beste Variante.« Mit wachsender Routine habe sie dann die Stundenzahl aufgestockt. Heute weiß Ellsässer, dass sich all der Aufwand gelohnt hat: »Ich würde mich jederzeit wieder für die Arbeit an einer PTA-Schule entscheiden.« Ihr sei schon im praktischen Jahr klar geworden, dass sie nicht in die Offizin gehen würde. Mit Kunden habe sie einfach keine Geduld. »Trotzdem liebe ich es, mit Menschen zu arbeiten.«



Begeisterung unerlässlich

 

Um in der Lehre glücklich zu werden, braucht es ein gewisses Maß an Begabung, so Ellsässer. »Das richtige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Schülern und die Begeisterung für den Job kann man nicht lernen.« Wer als Typ nicht geeignet sei, dem nütze auch eine Weiterbildung zum Fachapotheker für theoretische und praktische Ausbildung nichts. »Sie können sich in den Weiterbildungsseminaren Ideen holen und das passende Werkzeug aneignen. Aber nicht jede der erlernten Techniken passt zu jedem Thema – auch dafür muss man ein Gespür haben.«

 

In manchen Bundesländern benötigen Apotheker eine pädagogische Zusatzausbildung, um an einer PTA-Schule arbeiten zu dürfen. Eine Möglichkeit, sich diese Kenntnisse anzueignen, ist die Weiterbildung zum Fachapotheker für theoretische und praktische Ausbildung. Daran können alle Apotheker teilnehmen, die haupt- oder neben­beruflich an einer zugelassenen Weiterbildungsstätte unterrichten. Wer hauptberuflich an einer Lehranstalt arbeitet, kann die Weiterbildungsziele innerhalb von drei Jahren erreichen.

 

Zusätzlich müssen insgesamt 600 Stunden in einer Offizin oder in ­einer Kranken­hausapotheke geleistet werden. Der Besuch von 120 Seminarstunden, in denen vor allem pädagogische Kenntnisse vermittelt werden, ist ebenfalls verpflichtend. Die Inhalte der Seminare haben die Apothekerkammern bundeseinheitlich festgelegt.

 

Wer als Lehrer arbeiten möchte, der sollte zunächst testen, ob er tatsächlich geeignet ist, rät Ellsässer. Sie selbst habe etwa Nachhilfe in Mathematik und Chemie gegeben. »Die Kunst ist es, komplexe Zusammenhänge so zu verpacken, dass sie auch jemand versteht, dem das Fach nicht so sehr liegt.« Auch an einer Lehranstalt zu hospitieren sei möglich. Ellsässer sieht darin einen weiteren Vorteil: »So kommen Einsteiger gleich mit erfahrenen Kollegen in Kontakt und können alle Fragen stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen.«

 

Tipp: persönlicher Kontakt

 

Wer sich auf eine der Stellen an den PTA-Schulen bewerben möchte, für den hat Ellsässer einen Tipp: »Es ist wichtig, den persönlichen Kontakt herzustellen. Ein nettes Telefonat bleibt einem Personalentscheider eher im Kopf als eine distanziert wirkende E-Mail.« /


150 Jahre Lette-Verein

Der Lette-Verein feiert Geburtstag: Zu ihrem 150. Jubiläum lädt die ­Stiftung am 4. März zwischen 12 und 18 Uhr alle Interessierten ein, sich über das Ausbildungsangebot zu ­informieren. Auch der Fachbereich Pharmazie wird mit mehreren Ständen vertreten sein. Dort lernen die Besucher etwa, wie die Blutdruckmessung funktioniert, wie PTA die Qualität von Arzneistoffen prüfen und wie Arzneimittel in der Apotheke hergestellt werden.

 

Veranstaltungsort:

 

Lette-Verein

Viktoria-Luise-Platz 6

10777 Berlin




Beitrag erschienen in Ausgabe 08/2016

 

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