Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

HIV-Therapie: Virales Erbgut einfach herausschneiden

NACHRICHTEN

 
HIV-Therapie: Virales Erbgut einfach herausschneiden
 


Menschen mit HIV-Infektion, bei denen das Erbgut des Erregers aus den Wirtszellen herausgeschnitten wird, könnten so von ihrer Infektion dauerhaft geheilt werden. Diesen Ansatz verfolgt eine Gruppe von Forschern der Universität Dresden und des Heinrich-Pette-Instituts (HPI) in Hamburg – und zwar bislang mit Erfolg. Im Fachjournal «Nature Biotechnology» stellen die Wissenschaftler die von ihnen entwickelte Rekombinase Brec1 vor, mit der sie sowohl aus isolierten HIV-infizierten CD4+-Zellen als auch aus HIV-infizierten humanisierten Mäusen das Virus entfernen konnten. Auf dieser Grundlage könnten «in absehbarer Zeit» klinische Studien zur Wirksamkeit der Methode beim Menschen beginnen, so Studienleiter Professor Dr. Joachim Hauber vom HPI.
 
Das ins Genom der Wirtszelle integrierte Erbgut von Viren bezeichnet man als Provirus. An seinen beiden Enden befinden sich sogenannte Long Terminal Repeats (LTR), DNA-Sequenzen aus sich wiederholenden Basenpaaren, die mehrere Hundert Nukleotide lang sind. Brec1 erkennt spezifisch eine 34 Basenpaare lange Sequenz, die in den LTR der meisten HIV-1-Stämme vorkommt. Die Rekombinase Brec1 entfernt das HIV-Provirus «effizient, präzise und sicher», wie die Autoren anhand von DNA-Analysen der behandelten Zellen nachweisen konnten. Der Angriffspunkt, die sogenannte loxBTR-Sequenz, ist ihren Angaben zufolge bei 82 Prozent der weltweiten HIV-1-Subtypen vorhanden. Somit kämen weltweit etwa 28 Millionen Patienten für die Therapie infrage.
 
Die Verwendung einer Rekombinase habe gegenüber anderen Ansätzen des Gene Editings, wozu etwa das CRISPR-Cas9-Verfahren gehört, den Vorteil, dass es nicht zu Doppelstrangbrüchen kommt. Diese hätten die Aktivierung von Reparaturmechanismen der Zelle zur Folge, die wiederum zu nicht vorhersagbaren Neuordnungen der DNA-Sequenz führen. Rekombinasen wie Brec1 aktivieren diese Mechanismen dagegen nicht, sondern führen die Reparatur nach dem Zerschneiden der DNA selbst durch, so die Forscher.
 
Obwohl die Autoren prinzipiell von ihrer Methode überzeugt sind, geben sie zu bedenken, dass eine Reihe von Fragen insbesondere zur Sicherheit erst noch geklärt werden muss, bevor sie eventuell in großem Stil beim Menschen eingesetzt werden kann. Grundsätzlich sei ohnehin nicht davon auszugehen, dass ein einzelner Therapieansatz die Lösung des HIV-Problems darstellen könne. Stattdessen würden künftige Strategien zur Heilung von HIV-Infizierten wahrscheinlich mehrere Ansätze kombinieren, darunter Wirkstoffe, die latente Viren aktivieren, Immunmodulatoren und eben Gentherapien. (am)
 
DOI: 10.1038/nbt.3467
 
Mehr zum Thema HIV und Aids
 
23.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Matte
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Bionorica: Erfolg beim EuGH

Das Neumarkter Pharmaunternehmen Bionorica hat vor dem Europäischen  Gerichtshof (EuGH) einen Erfolg erzielt. Im Rechtsstreit um...



CDU-Politiker: Wer impfen lässt, soll Geld bekommen

Wer dafür sorgt, dass das eigene Kind alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen bekommt, sollte dafür finanziell...



Lieferengpässe: BPI wettert gegen Kassen

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) hat die Krankenkassen aufgefordert, zur Liefersicherheit und Vermeidung von...



Adipositas und Diabetes: Für Frauen ein größeres Risiko

Frauen sind zwar etwas seltener von Störungen des Zuckerstoffwechsels betroffen als Männer – die Folgen sind für die Patientinnen jedoch...

 
 

Antibiotika: Heimische Produktion, weniger Lieferengpässe
Um Lieferengpässe bei Antibiotika künftig zu vermeiden, bedarf es einer Stärkung der inländischen Produktionsstätten. Darin waren sich die...

Rolapitant: Langwirksames Antiemetikum in der EU zugelassen
Für Chemotherapie-Patienten, die unter Erbrechen leiden, steht demnächst eine neue langwirksame Therapieoption zur Verfügung: Die...

Zu viel Alkohol: Nicht nur bei jungen Menschen ein Problem
Ein zu hoher Alkoholkonsum kommt nicht nur bei jungen Menschen vor, auch Ältere sind gefährdet. Darauf macht die Bundeszentrale für...

Bayer-Hauptversammlung: Proteste gegen Monsanto-Deal
Rund 200 Demonstranten haben heute in Bonn gegen die geplante Übernahme des US-amerikanischen Saatgutriesen Monsanto durch Bayer...

Depressionen: Elektrische Hirnstimulation zeigt Wirkung
Bei manchen Menschen mit Depressionen schlagen Medikamente nur unzureichend an – ihnen könnte eine zusätzliche elektrische Hirnstimulation...

Lieferengpässe: Gröhe sieht kein Risiko für Patienten
Patienten sind nach Worten von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) durch die aktuellen Lieferengpässe bei Arzneimitteln nicht...

Fernbehandlung: Landesprojekt soll Digitalisierung ankurbeln
Ein Modellversuch zur Therapie von zuvor nicht behandelten Patienten über Telefon oder Internet stößt in der Ärzteschaft auf große...

Brexit: EMA-Umzug könnte teuer werden
Der Umzug der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) aus London könnte teuer werden. Der Mietvertrag der EU-Behörde, die in der Folge des...

Forscher distanziert sich von geplanter Cannabis-Studie
Aus der in Berlin geplanten Studie über Cannabis-Konsum mit 25.000 Probanden wird vorerst nichts. Der Hamburger Forschungsleiter, der...

Deutscher Apotheken-Award 2017 verliehen

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) hat heute den Deutschen Apotheken-Award 2017 verliehen. In der Rubrik "Gesunde Lebensführung"...

Vzbv-Chef: Versandapotheken sind unverzichtbar
Die Zukunft der Arzneimittelversorgung ist aus Sicht des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) nicht ohne Versandapotheken...

Generation Y: Anspruchsvolle Mitarbeiter und Kunden
Junge Apothekenangestellte wollen flache Hierarchien, häufige Rückmeldungen durch den Chef und flexible Arbeitszeiten. Das sagte Professor...

Rote-Hand-Brief: Chargenrückruf Albiomin-Infusionslösung
Die Firma Biotest ruft bestimmte Chargen ihres Produkts Human Albumin (Albiomin®) 5 Prozent und 20 Prozent zurück. Der Grund für...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU