Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Impfstoff-Forschung: Schneller auf neue Erreger reagieren

NACHRICHTEN

 
Impfstoff-Forschung: Schneller auf neue Erreger reagieren
 


SARS, MERS, Ebola und jetzt Zika. Erneut breitet sich eine Viruserkrankung aus, gegen die kein Impfstoff zur Verfügung steht. Allerdings zeichnen sich jetzt technologische Möglichkeiten ab, die die Impfstoffentwicklung beschleunigen könnten. Darauf weist die die Gesellschaft für Virologie (GfV). Mit sogenannten «Impfstoffplattformen» können Forscher schneller auf bekannte und neue Erreger reagieren. Dies dürfe aber nicht, wie bei Ebola, erst während eines Ausbruchs passieren, so die GfV.
 
Von der Entwicklung eines Impfstoffs bis zur Anwendung kann es ein langer Weg sein. Der derzeit vielversprechendste Ansatz, um Impfstoffe künftig schnell zu entwickeln, sind laut GfV-Experten Impfstoffplattformen. Hier werden Impfstoffe nach einem einheitlichen, bereits geprüften Muster hergestellt. Als Basis dienen Viren, die beim Menschen keine Krankheiten verursachen. Dazu gehören das Virus der Vesikulären Stomatitis (VSV) und das mit dem Pockenimpfstoff verwandte Modified-Vaccinia-Ankara-Virus (MVA). Diesen Trägerviren bauen Forscher für die Immunität wichtige Gene des Krankheitserregers ein, gegen den man impfen will. «Bei der Entwicklung des Ebola-Impfstoffs hat diese Strategie ihre Bewährungsprobe bestanden», sagt Professor Dr. Hans-Dieter Klenk, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg. Auf ähnliche Weise würden Impfstoffe gegen SARS und MERS konstruiert. In absehbarer Zeit wird es auch einen ersten Impfstoff gegen das Zika-Virus geben, ist sich Klenk sicher. Am US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases sowie am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben die Vorarbeiten bereits begonnen. Einzelne Firmen haben ebenfalls Bereitschaft signalisiert, das Vorhaben zu unterstützen.
 
«Die Impfstoffentwicklung darf zukünftig nicht erst einsetzen, wenn schwere Ausbrüche Menschenleben fordern», so Klenk. «Bei Ebola war die Epidemie bereits vorbei, als die Vakzine beim Menschen eingesetzt werden konnten.» Viele Leben hätten gerettet werden können, wären Phase-1-Studien frühzeitig durchgeführt worden. Laut Klenk haben weitere Erreger, die derzeit wenig Aufsehen verursachen, das Potenzial für größere Ausbrüche: «Dazu gehören das mit dem Ebola-Virus nahe verwandte Marburg-Virus, das ebenfalls in Afrika verbreitete Lassa-Virus und das Nipah-Virus in Südostasien.» Auch das Krim-Kongo-Fieber-Virus, das je nach Stamm eine Sterblichkeit von bis zu 50 Prozent aufweist, und das Rifttal-Fieber-Virus seien bekannt, aber noch zu wenig erforscht. Hingegen hätten Forscher bereits mit der Impfstoffentwicklung gegen das Chikungunya-Virus begonnen und ein Dengue-Impfstoff sei in Brasilien schon zugelassen. Auch wenn dessen Wirksamkeit noch verbessert werden muss, könnte er als Basis für einen Impfstoff gegen das Zika-Virus dienen, so Klenk. (ch)
 
23.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/lily
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Metformin könnte Frühgeburten verhindern

Das orale Antidiabetikum Metformin kann bei einem erhöhten Frühgeburtsrisiko eine zu frühe Entbindung verhindern – zumindest bei Mäusen. Im...



Versicherungstarife der Kassen: Belohnung oder Bedrohung?

Im Rahmen von Bonuszahlungen belohnen Kassen das gesundheitsbewusste Verhalten ihrer Versicherten. Die Grünen sehen dadurch das...



Körpergröße: Menschen waren vor 100 Jahren erheblich kleiner

Die größten Frauen leben in Lettland, die größten Männer in den Niederlanden. Das hat eine Studie des Imperial College in London ergeben....



ABDA: Entwurf zum Pharmagesetz setzt richtige Impulse

Neben dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat sich nun auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum...

 
 

Pharmagesetz: BPI kritisiert Referentenentwurf
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) reagiert erwartungsgemäß verärgert auf den Referentenentwurf zum sogenannten...

Jugendliche: Alkohol und Tabak sind das Hauptproblem
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hält Alkohol und Tabak unter Jugendlichen für ein größeres Problem als illegale Drogen....

Antioxidanzien: Oft unnötig, manchmal schädlich
Reaktive Sauerstoffspezies und der von ihnen ausgelöste oxidative Stress gelten als schädlich und werden mit verschiedenen Erkrankungen in...

Umfrage: Schönheitseingriffe liegen im Trend
Schönheitschirurgen weltweit haben 2015 deutlich öfter Hand angelegt als ein Jahr zuvor. Es seien über eine Million mehr Behandlungen...

Stada: Investor lehnt Kandidaten für neuen Aufsichtsrat ab
Bei der Neubesetzung des Aufsichtsrats von Stada sperrt sich Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) gegen Vorschläge des...

Oft symptomfrei, meist chronisch: Die Tücken der Hepatitis C
Eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus kann tückisch sein: Sie kann symptomfrei verlaufen, wird in den meisten Fällen chronisch und zählt...

Nach Anschlägen in Bayern: Bessere Krisendienste geplant
Nach der Attacke von Würzburg, dem Amoklauf von München und dem Bombenanschlag von Ansbach will Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml...

Genetik: Geklonte Schafe altern nicht frühzeitig
Geklonte Schafe können normal altern. Sie erleiden nicht zwangsläufig dasselbe Schicksal wie Klonschaf Dolly, das früh Gelenkbeschwerden...

Zika: Baby mit Schädelfehlbildung in Spanien geboren
Erstmals ist in Spanien die Geburt eines Zika-infizierten Babys mit Hirnschädigung bekannt geworden. Es handele sich um den ersten Fall...

Pharmagesetz: 100 Millionen Euro für Apotheken
Jetzt ist es offiziell: Die Apotheken sollen mehr Geld für die Abgabe von Rezepturen und Betäubungsmitteln (BtM) bekommen. Wie heute aus...

Berichte über Depression als Gewaltursache oft «fahrlässig»
Nach den jüngsten Terroranschlägen und Amokläufen werden Depressionen oft voreilig und undifferenziert als Ursache für die Gewalttaten...

Apothekenkooperationen: Führungswechsel bei Avie
Die Apothekenkooperation Avie hat Dominik Klahn zum neuen Geschäftsführer berufen. Wie die hundertprozentige Tochter der Kohl Medical AG...

Jeder zweite Berufstätige liest Dienstmails nach Feierabend
Fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland schaut einer Umfrage zufolge nach Feierabend in seine dienstlichen E-Mails. In einer...

Kassenärzte: Klinikreform löst Strukturprobleme nicht
Die Krankenhausreform der Bundesregierung verfehlt nach Einschätzung der Kassenärzte die beabsichtigte Wirkung. Die Anfang des Jahres in...

Evolution: Urform aller Lebewesen mochte heiße Quellen
Die gemeinsame Urform der heutigen Lebewesen ernährte sich von Gasen und liebte es heiß. Das haben Forscher vom Institut für Molekulare...

Pharmazulieferer Sartorius erwartet sattes Umsatzplus
Nach dem Kauf von drei Start-up-Unternehmen und einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr hat der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius seine...

HIV-Präexpositionsprophylaxe: Bahn frei für Truvada in Europa
Die europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, das Medikament Truvada® von Gilead auch in der EU für die...

Noch mehr Meldungen...