Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Adipositas: Schon kleine Gewichtsabnahmen bringen viel

NACHRICHTEN

 
Adipositas: Schon kleine Gewichtsabnahmen bringen viel
 


Bei Menschen mit hohem Übergewicht können schon einige Kilos weniger viel Gutes bringen: Wer es schaffe, 5 Prozent abzuspecken, erweise seiner Gesundheit einen großen Dienst, berichten Forscher im Fachjournal «Cell Metabolism». Das Risiko für viele gewichtsbedingte Erkrankungen reduziere sich dann deutlich. Der Körperfettanteil schrumpfe um 8 Prozent – auch beim besonders ungesunden Bauchfett (7 Prozent). «Das ist ein großer Ertrag für einen kleinen Einsatz», sagt Seniorautor Samuel Klein von der Washington University in St. Louis.
 
Bisherige Erkenntnisse würden damit bestätigt, sagen deutsche Experten. Crash-Diäten seien allerdings nicht zu empfehlen, betont Christina Holzapfel vom Kompetenznetz Adipositas (TU München). «Ein gesundes Körpergewicht ist eine Lebensaufgabe.» Gängige Empfehlung in den USA für Übergewichtige sei derzeit eine Gewichtsreduktion um 5 bis 10 Prozent, heißt es in der Studie.
 
Schon bei einer vergleichsweise kleinen Gewichtsreduktion aber würden verschiedene Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen deutlich vermindert, schreibt das Team um Faidon Magkos. Der Stoffwechsel verbessere sich, ebenso die Insulin-Sensitivität der Organe, auch der Blutzuckerwert nehme ab. Schaffe man es, mehr als 10 Prozent Gewicht abzuspecken, profitierten verstärkt auch die Muskeln. Allgemein vergrößern sich die positiven Gesundheitseffekte etwa beim Fettstoffwechsel und den Entzündungswerten, schreiben die Autoren. «Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Menschen mit starkem Übergewicht Mut machen, überschaubare Schritte zu unternehmen», sagt Klein.
 
An der Studie nahmen 40 Erwachsene ohne weitere Erkrankungen teil, deren Body-Mass-Index im Durchschnitt bei knapp 38 lag – ab 30 spricht man von Fettleibigkeit. Ein Teil der Testgruppe wahrte ihr Gewicht, die übrigen Männer und Frauen nahmen im Zuge einer sechsmonatigen Diät rund 5, 10 oder 15 Prozent ab. Währenddessen wurden ihre Blutwerte und andere gesundheitlich relevante Daten wie Blutdruck und Herzfrequenz überwacht. 19 der Probanden erreichten eine 5-prozentige Gewichtsreduktion.
 
Die Ergebnisse der Studie seien erfreulich, so Holzapfel. Schon zuvor hätten Analysen gezeigt, dass eine moderate Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent die Stoffwechsellage verbessere. «Sie wirkt sich stets auf die Lebensqualität aus, auch auf die Gelenke.» Wichtig sei es, sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Der gesamte Lebensstil – Bewegung und Ernährung – müsse sich ändern.
 
Die detaillierteren Gründe, die die Studie dafür liefert, dass der Stoffwechsel bereits bei geringer Gewichtsreduktion positiv beeinflusst wird, könnten künftig helfen, Patienten die Zusammenhänge besser zu erklären, sagt Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). «Das Ziel, 5 Prozent Gewicht zu verlieren, motiviert ungemein.»
 
Pfunde zu verlieren, ist für fettleibige Menschen weit schwieriger als allgemein oft angenommen. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Umso wichtiger kann es als Motivationsfaktor sein, dass dabei schon sehr kleine Schritte sehr gut für die Gesundheit sind, sagen Experten. Sich kleine Ziele zu setzen, könne vielen Betroffenen das Gefühl des Scheiterns ersparen, betonen auch die Autoren der aktuellen Studie. 5 Prozent weniger Gewicht seien weit eher zu erreichen als 10 Prozent.
 
23.02.2016 l dpa
Foto: Fotolia/Pejo
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Die Linke: Regierung nimmt Lieferengpässe nicht ernst

Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende...



Zwangsbehandlung psychisch Kranker: Neuregelung nötig

Die gesetzlichen Regeln zur ärztlichen Zwangsbehandlung psychisch Kranker müssen nachgebessert werden, weil sie verfassungswidrige Lücken...



Kiefer: BAK-Präsidium tritt noch einmal an

Andreas Kiefer (Foto), Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), will noch einmal für das Amt des BAK-Präsidenten kandidieren. «Ich möchte...



ABDA-Wahl: Schmidt und Arnold kandidieren

Am 7. Dezember wählt die Mitgliederversammlung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände turnusmäßig ihre neue Spitze. Mit...

 
 

Biosimilars: Rheumatologe mahnt zur Vorsicht
Chargendokumentation, Substitutionsverbot und ein zentrales Register: Professor Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie am...

Sirolimus lässt Mäuse lange leben
Eine vorübergehende Behandlung mit dem Immunsuppressivum Sirolimus bescherte Mäusen im mittleren Alter eine deutlich längere...

Maria Michalk tritt nicht mehr an
Die Bundestagsabgeordnete Maria Michalk (CDU, Foto) will zur nächsten Wahl im Jahr 2017 nicht mehr kandidieren, wie sie gestern ankündigte....

Antibiotika-Verordnung: Laborärzte gegen Schnelltests
Mithilfe von Schnelltests auf bestimmte Laborparameter will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den unnötigen Einsatz von...

Urlaub: Die meisten Deutschen erholen sich gut
Die meisten deutschen Urlauber können sich während ihrer Ferien erholen. Nur jedem neunten gelingt dies weniger gut oder überhaupt nicht....

Arzneistudien mit Kindern: Eltern häufig misstrauisch
Für geschätzte 90 Prozent aller Medikamente liegen keine speziellen Zulassungen für die Kinderheilkunde vor. Nur für wenige Medikamente...

Foodwatch: Erfrischungsgetränke enthalten zu viel Zucker
Mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk in Deutschland enthält nach Angaben der Verbraucherorganisation Foodwatch zu viel Zucker. Bei...

Linken-Politikerin: Zuzahlungen für Zahnersatz abschaffen
Die zunehmende Armut in Deutschland kann man nach den Worten der stellvertretenden Vorsitzenden der Linken-Fraktion, Sabine Zimmermann,...

Gehirn räumt im Schlaf auf
Im Schlaf sinkt die allgemeine Aktivität der Synapsen, die meisten Verbindungen werden geschwächt, manche sogar ganz abgebaut. Das konnten...

Gastrologen veröffentlichen «Klug entscheiden»-Empfehlungen
Krankheitsschübe bei Morbus Crohn lassen sich durch die dauerhafte Gabe von Cortison nicht wirksam verhindern, die normale Bevölkerung...

Myrcludex B vielversprechend gegen Hepatitis D
Myrcludex B, der erster Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse gegen Hepatitis B und D, hat sich in einer klinischen Phase-I-Studie als gut...

Vorsicht im Sommer: Babys wird’s schnell zu heiß
Wenn es draußen heiß ist, sollten Babys und Kinder möglichst zwischen 10 und 16 Uhr zuhause bleiben und ausreichend trinken. Niemals dürfe...

Rabattverträge: ABDA gegen Exklusivvergabe
Schließen die Krankenkassen mit lediglich einem Arzneimittelhersteller einen Rabattvertrag ab, erhöht dies das Risiko für Lieferengpässe....

Noch mehr Meldungen...












DIREKT ZU