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Zytostatika-Versorgung: Unter Korruptionsverdacht

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Zytostatika-Versorgung: Unter Korruptionsverdacht
 


Verdeckte Recherchen eines Reporterteams der Zeitschrift „Stern“ und des ARD-Nachrichtenmagazins „Panorama“ prangern mögliche Korruptionspraktiken in der Zytostatika-Versorgung an. Der Verband der Zytostatika herstellenden Apotheker (VZA) verwehrt sich gegen einen Generalverdacht und setzt auf das kommende Anti-Korruptionsgesetz.

Verschleierte Provisionen, getarnte Darlehen, Geld gegen Rezepte: Ein Reporterteam hat mit versteckter Kamera zwei Zytostatika herstellende Apotheker und einen Pharmahändler dabei beobachtet, wie sie versuchen, einen Onkologen zu bestechen. Unter dem Titel „Die Krebsmafia“ legen die Journalisten die Finger dabei in eine eh schon offene Wunde.

„Schwarze Schafe gab es schon immer“, betonte der VZA-Präsident, Klaus Peterseim, auf Anfrage der PZ. Dass es in Einzelfällen Apotheker gebe, die Rezepte in die eigene Apotheke lenkten, sei nichts Neues und habe nichts mit Zytostatika zu tun. Das Problem sei, dass bisher die rechtliche Handhabe fehle, solche Verstöße zu beweisen und zu ahnden. Für Peterseim bietet das geplante Anti-Korruptionsgesetz, das bald in zweiter und dritter Lesung im Bundestag beraten werden soll, das notwendige Rüstzeug, um solche illegalen Praktiken künftig besser aufzudecken. Das Gesetz sei ein großer Fortschritt, betonte er, da künftig strafrechtlich ermittelt werden kann, wo bisher lediglich das Standesrecht des Arztes oder Apothekers galt. „Ein Staatsanwalt kann nun mal anders nach Beweisen suchen, beispielsweise per Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung von Unterlagen und Ähnlichem. Dies ist standesrechtlich nicht möglich“, so Peterseim.

Die aktuelle Gesetzesinitiative geht auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs im Jahr 2012 zurück. Damals hatten die Richter eine Rechtslücke aufgedeckt, wodurch Kassenärzte, die Geschenke von Pharmaherstellern annehmen, rechtlich bislang nicht belangt werden können. Das neue Gesetz soll nun die Strafgesetzgebung erweitern und künftig auch für Angehörige von Heilberufen die Vorteilsnahme unter Strafe stellen. Vergehen sollen mit Strafen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden können.

Dass beim Thema Bestechung und Vorteilsnahme im Gesundheitswesen insbesondere immer wieder die Zytostatika-Versorgung in den medialen Fokus gerät, sieht Peterseim dem spektakulären Szenario geschuldet, den dieser Bereich bietet. Auf der einen Seite die todkranken Krebspatienten und deren Angehörige und auf der anderen Seite die sehr hohen Umsätze, die mit Zytostatika erwirtschaftet werden. Solche Szenarien seien für Medien wie gemacht. „Das Thema ist spektakulär, das ist unser Problem“, so der VZA-Präsident. Einen Generalverdacht gegen die Zytostatika-Branche lässt Peterseim nicht gelten. Hier gebe es genauso viele redliche und unredliche Akteure, wie in anderen Bereichen auch. (et)

19.02.2016 l PZ

Foto: Fotolia/unpict

 

 

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