Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Neue Krebsmedikamente: Internetseite bietet Überblick

NACHRICHTEN

 
Neue Krebsmedikamente: Internetseite bietet Überblick
 


Die große Zahl neuer Krebsmedikamente und das sich rasch vergrößernde Wissen darüber macht es Ärzten zunehmend schwer, die ideale Therapie für den einzelnen Patienten zu finden. Eine Hilfestellung bietet hier ab sofort die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) auf ihrer Website. Dort sammelt die Fachgesellschaft aktuelle Informationen zu neuen Onkologika und bewertet diese. Die Basis bilden dabei die Beurteilungen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der frühen Nutzenbewertung. Diese stehen jedoch nicht für sich, sondern werden von der DGHO eingeordnet. Die Fachgesellschaft gibt klare, vom Ausmaß des Zusatznutzens unabhängige Empfehlungen für oder gegen den Einsatz des entsprechenden Medikaments bei verschiedenen Patienten-Subgruppen.
 
Professor Dr. Bernhard Wörmann, Medizinischer Leiter der DGHO, demonstrierte das Prinzip bei einer Pressekonferenz in Berlin am Beispiel von Afatinib (Giotrif®). Der Tyrosinkinase-Hemmer, der zur Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs eingesetzt werden darf, kam 2013 auf den Markt und ist einer der sehr wenigen Arzneistoffe, die bislang die G-BA-Bestnote «erheblicher Zusatznutzen» erhalten haben. Diese Einstufung gilt jedoch nur für den Einsatz als Erstlinientherapeutikum bei Patienten in gutem Allgemeinzustand und mit nachgewiesener Deletion 19. Liegt stattdessen die Mutation L858R vor, gilt ein Zusatznutzen als nicht belegt, obwohl der Einsatz auch hier sinnvoll sein kann. «Die Gesamtüberlebenszeit verlängert sich zwar nicht, wohl aber das progressionsfreie Überleben. Zudem steigt die Remissionsrate, krankheitsassoziierte Symptome bilden sich zurück und die Nebenwirkungen sind geringer als unter platinhaltiger Chemotherapie. Bei einer Therapie, die dies zum Ziel hat, sollte Afatinib zum Einsatz kommen», so Wörmann.
 
Die frühe Nutzenbewertung war und ist lediglich ein Instrument zur Preisfindung neuer Arzneistoffe. «Dafür funktioniert sie sehr gut. Die Einstufung darf jedoch nicht zur Rationierung verwendet werden», sagte Professor Dr. Stephan Schmitz, Vorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland. Hintergrund dieser Warnung sind die Pläne verschiedener Krankenkassen, nur noch Medikamente mit einem vom G-BA attestierten Zusatznutzen zu erstatten, von denen kürzlich im «Deutschen Ärzteblatt» zu lesen war.
 
Dass ein Arzneistoff mit nicht belegtem Zusatznutzen aber durchaus einen Nutzen haben kann, zeigt das Beispiel der beiden Kinase-Inhibitoren Vemurafenib (Zelboraf®) und Dabrafenib (Tafinlar®). Beide werden eingesetzt bei Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem, nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom und zeigen laut Schmitz eine vergleichbare Wirksamkeit. Im Rahmen des AMNOG-Verfahrens erreichte Vemurafenib allerdings einen beträchtlichen Zusatznutzen, Dabrafenib dagegen keinen.
 
Der Grund: Das bereits 2012 zugelassene Vemurafenib war mit dem damaligen Therapiestandard Dacarbazin verglichen worden und führte zu einer Verlängerung der progressionsfreien und der Gesamtüberlebenszeit sowie zu einer Steigerung der Remissionsrate. Das anderthalb Jahre später zugelassene Dabrafenib hatte sich dagegen im AMNOG-Verfahren mit Vemurafenib zu messen. In diesem Vergleich erzielte es zwar höhere Remissionsraten und eine Verlängerung der progressionsfreien Überlebenszeit, doch nicht der Gesamtüberlebenszeit.
 
«Beide Wirkstoffe haben ihren festen Platz in der Therapie von Melanom-Patienten», so Schmitz. Dass Dabrafenib sich in dieselbe Preiskategorie einzuordnen habe wie Vemurafenib, sei richtig, nur das zuerst zugelassene Präparat erstatten zu wollen, dagegen widersinnig. «Ärzte und Fachgesellschaften müssen definieren, was der Stand des medizinischen Wissens ist, nicht die Krankenkassen», sagte der Onkologe. (am)
 

 
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Giotrif® (Afatinib / 2013)Zelboraf® (Vemurafenib / 2012) und Tafinlar® (Dabrafenib / 2013) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 
17.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Contrastwerkstatt
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Verhütung: Unter Umständen zwei Pillen danach notwendig

Zur Verhütung einer Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr werden unter anderem Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva...



Medikationsplan: Apotheker sehen Schwachstellen

Ab dem 1. Oktober haben gesetzlich Krankenversicherte, die dauerhaft mindestens drei verordnete Arzneimittel einnehmen, Anspruch auf einen...



Sprachstörungen: Ursache immer klären!

Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner...



Volksleiden Nykturie: Oft ist es ein Alarmsignal

Häufiges nächtliches Wasserlassen, die Nykturie, kann ein Warnsignal für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein. «Fälschlicherweise...

 
 

Gesetzentwurf nach KBV-Skandal: Neue Vorschriften in Sicht
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zieht Konsequenzen aus dem Skandal um hohe Pensionszahlungen und rechtswidrige...

Legal Highs: Umfassendes Verbot beschlossen
Der Bundestag hat ein umfassendes Verbot von modernen künstlichen Drogen verabschiedet. Bisher konnten die Hersteller von sogenannten Legal...

Zahngesundheit: An die Dritten denken!
Gesunde Zähne hat bekanntermaßen nur, wer sie regelmäßig und richtig putzt. Oft übersehen wird aber, dass auch bei Teil- und Vollprothesen...

Biosimilars: Politik setzt auf Selbstverwaltung
Um den Versorgungsanteil der Biosmilars am Markt zu erhöhen, halten Gesundheitspolitiker von Regierung und Opposition gesetzliche...

Multifokallinsen: Gleitsichtbrille im Auge
Eine Augenoperation aufgrund des grauen Stars (Katarakt) bedeutet heute nicht mehr automatisch, dass der Patient anschließend eine Brille...

Medikationsplan: 163 Millionen Euro für Ärzte
Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich über die Vergütung niedergelassener Ärzte für das Jahr...

Opioide: Mehr Verordnungen, mehr Beratungsbedarf
Mit der steigenden Abgabe von Opioiden steigt auch der Beratungsbedarf von Patienten in den Apotheken. Im Jahr 2015 seien 18,4 Millionen...

Tularämie: Frau infiziert sich mit Hasenpest
Eine Frau aus Karlsruhe hat sich mit Tularämie, der sogenannten Hasenpest, infiziert. Laut der Nachrichtenagentur dpa bestätigte dies heute...

Zuckerberg: Milliardenspende für Grundlagenforschung
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und seine Ehefrau, die Kinderärztin Priscilla Chan, haben sich ein hohes Ziel gesteckt: Sie wollen noch in...

Zu viel Quecksilber in Sparlampen: BGH bestätigt Verbot
Für Energiesparlampen, die zu viel giftiges Quecksilber enthalten, wird es auf dem deutschen Markt keine Nachsicht geben. Der...

Flüchtlinge stellen Ärzte vor neue Herausforderungen
Der Zuzug von Flüchtlingen stellt auch Ärzte vor neue Herausforderungen. «Es kann sein, dass wir Krankheiten zu Gesicht bekommen, die wir...

Umfrage: «Dr. Google» verwirrt viele Nutzer
Gesundheitsinformationen im Internet können nicht den fachmännischen Rat von Ärzten und Apothekern ersetzen. Laut einer repräsentativen...

USA: Zulassung für Mittel gegen Duchenne-Dystrophie
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Eteplirsen (Exondys™ 51, Sarepta Pharmaceuticals) die bedingte Zulassung zur Behandlung...

Finanzierung geklärt: Cochrane-Zentrum soll Stiftung werden
Die Frage nach der langfristigen Finanzierung des deutschen Cochrane Zentrums für evidenzbasierte Medizin ist offenbar gelöst: Wie der...

EMA: Blutprodukte sind Zika-frei
Arzneimittel, die aus menschlichem Blutplasma gewonnen werden, sind in Europa frei von Kontaminationen mit dem Zika-Virus. Gleiches gilt...

Antibiotika: Vier-Punkte-Plan gegen Resistenzen
Bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos haben zahlreiche Pharmaunternehmen angekündigt, sich verstärkt im Kampf gegen antimikrobielle...

MLP Gesundheitsreport: Steigende Kosten, weniger Zeit
Der Kostendruck im Gesundheitssystem wirkt sich zunehmend auf die Auswahl der Therapieoptionen aus. Immer mehr Patienten haben den...

Hepatitis B: Therapiestopp kann sinnvoll sein
Bei einer chronischen Infektion mit Hepatitis-B-Viren (HBV) kann es vorteilhaft sein, die antivirale Therapie zu unterbrechen. Denn nach...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU