Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

AMNOG-Report: Mythos Mondpreise

NACHRICHTEN

 
AMNOG-Report: Mythos Mondpreise
 


Die Krankenkassen klagen seit Jahren über die hohen Preise, die Pharmakonzerne bei Markteinführung neuer Medikamente verlangen. Viele fordern, die im Zuge der frühen Nutzenbewertung ausgehandelten Erstattungsbeträge rückwirkend auch für das erste Jahr geltend zu machen. Ein Experte deckt nun auf: Die Einsparpotenziale für die Kostenträger sind gering.
 
Die aus Sicht der Kassen sogenannten Mondpreise, die pharmazeutische Unternehmen in den ersten zwölf Monaten nach Markteinführung und vor Abschluss der frühen Nutzenbewertung für neue Arzneimittel verlangen, belasten die Versicherer kaum. Zu diesem Schluss kam der Gesundheitsökonom Professor Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld heute beim AMNOG-Report (Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz) der DAK-Gesundheit in Berlin.
 
Um die möglichen Einsparungen zu berechnen, überprüfte Greiner, wieviel Geld die DAK zurückbekommen hätte, wenn die vereinbarten Erstattungsbeträge für neue Medikamente rückwirkend ab Markteintritt wirksam gewesen wären. Das Ergebnis: Selbst im Jahr 2014, als das Einsparpotenzial mit rund 20 Millionen Euro so hoch war wie noch nie, wäre die Summe mit lediglich 0,5 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkasse kaum ins Gewicht gefallen. In den Jahren 2013 und 2011 wären so für die DAK jeweils rund 8,5 Millionen Euro Ersparnis drin gewesen, 2012 waren es nicht einmal 4 Millionen. «Ich sehe hier keinen großen Handlungsbedarf», sagte Greiner.
 
An einer anderen Stelle der frühen Nutzenbewertung hakt es jedoch in seinen Augen gewaltig: Die Verfahrensdokumente des Gemeinsamen Bundesausschusses und des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hält er für viel zu sperrig. «Es ist für die Ärzte nicht zumutbar, diese in der Sprechstunde zu nutzen», urteilte Greiner. In der Folge würden sich die Bewertungen der Institutionen nicht in der Versorgungsrealität niederschlagen.
 
DAK-Chef Professor Herbert Rebscher fasste zusammen: «Es ist eine völlige Illusion, zu glauben, die Ärzte würden im Alltag in die Originaldokumente schauen. Dafür hat wirklich niemand Zeit.» In einer Umfrage gab nur etwa jeder achte Arzt an, diese Quellen zu nutzen. Greiner und Rebscher waren sich einig: Damit die Erkenntnisse aus der frühen Nutzenbewertung auch tatsächlich beim Patienten ankämen, müssten die Informationen deutlich praxisfreundlicher aufbereitet werden. (cm)
   
16.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/Jacek Chabraszewski
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Pseudomonas: Enzym zerstört Biofilme

Ein aus dem Bodenbakterium Mycobacterium fortuitum isoliertes Enzym kann die Bildung von Biofilmen des Problemkeims Pseudomonas aeruginosa...



ABDA-Aktion: GKV rät zum «Blick in die Zukunft»

Zur bundesweiten Unterschriftenaktion der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, mit der auf die Konsequenzen des Urteils...



Bakterien im Urin: Keine Beschwerden, kein Antibiotikum!

Der bloße Nachweis von Bakterien im Urin rechtfertigt in der Regel keine antibiotische Therapie, wenn der Patient keine Beschwerden hat....



Auch in Tschechien: Rauchverbot in Sicht

Eine der letzten Raucherbastionen Europas steht kurz vor dem Fall: Das Abgeordnetenhaus in Tschechien stimmte mit breiter Mehrheit für ein...

 
 

Gebärmutter: Bakterien beeinflussen die Fruchtbarkeit
Der Uterus ist von Bakterien besiedelt und die Zusammensetzung dieser Mikrobiota wirkt sich auf den Erfolg von künstlichen Befruchtungen...

Sucht im Alter: NRW startet Aufklärungskampagne
Suchtprobleme werden bei Senioren häufig verharmlost. Nebenwirkungen von Alkohol- und Medikamentensucht, etwa Stürze oder Verwirrtheit,...

USA: Lebenserwartung gesunken
Erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Lebenserwartung in den USA gesunken: Hatte ein Neugeborenes 2014 im Durchschnitt 78,9...

Der Weihnachtsmann: Zwischen Lüge und Verzauberung
Für Kinder ist der Advent eine Zeit des Zaubers, mit Nikolaus, Christkind oder Weihnachtsmann. Das Lügen zum Thema sehen Psychologen aber...

2016: Kassen erzielen Überschuss in Milliardenhöhe
Das Jahr 2016 verlief für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bislang deutlich besser als erwartet: Im ersten bis dritten Quartal...

EU-Rechnungshof: Auf Epidemien nicht genug vorbereitet
Die EU schützt ihre Bürger aus Sicht des europäischen Rechnungshofs nicht optimal vor globalen Gesundheitsgefahren wie Vogelgrippe, Ebola...

Securpharm: Klinikprojekt soll Schutz verbessern
Das erste Krankenaus ist nun an das System zur Echtheitsprüfung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln angeschlossen. Das teilte die...

Mumie mit Pocken: Seuche vermutlich jünger als gedacht
Bisher galten Pocken als eine der ältesten Seuchen der Menschheit. Jetzt wurden in einer Kindermumie aus dem 17. Jahrhundert unter einer...

Ausblick 2017: Chemiebranche zeigt sich wenig optimistisch
Die deutsche Chemiebranche erwartet im kommenden Jahr noch kein Ende der Flaute. 2017 werde der Umsatz in der chemisch-pharmazeutischen...

Forscher entwickeln Handroboter mit Augensteuerung
Tübinger Wissenschaftler haben eine hirngesteuerte Roboterhand für querschnittsgelähmte Menschen entwickelt. Das sogenannte Hand-Exoskelett...

EU: Ab 2018 kein Amalgam mehr für Kinder und Schwangere
Wegen des giftigen Quecksilbers in Amalgam will die Europäische Union die millionenfach verwendete Zahnfüllung deutlich zurückdrängen. Ab...

Kasse veröffentlicht Zahlen zur Kundenzufriedenheit
Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) will für mehr Transparenz bei Kundenklagen über Leistungen sorgen. Deshalb will sie als erste...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU