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Rosacea: Die rote Gefahr

TITEL

 
Rosacea

Die rote Gefahr


Von Verena Ruß / Die Rosacea, auch Kupferrose genannt, ­ belastet die Patienten meist schwer. Feine Äderchen im Gesicht sind geweitet, die Haut gerötet, Knötchen und Eiterpickel treten auf. Besonders störend ist eine knotige Verdickung der Nase. Auch die Augen können betroffen sein. Medikamentös lässt sich die Hauterkrankung lindern, aber nicht heilen.

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Für Menschen mit Rosacea, einer entzündlichen, nicht ansteckenden Haut­erkrankung, ist der Winter besonders ungemütlich. Die durch das kalte Wetter ausgelösten Hautreizungen und der stete Temperaturwechsel zwischen kalt und warm führen bei vielen Patienten neben den persistierenden Erythemen im Gesicht zum sogenannten Flush; eine Rötung, die mit einem unangenehmen Kribbeln oder Brennen der meist trockenen Haut einhergehen kann. Der psychosoziale Leidensdruck der Betroffenen steigt an – wobei sie ohnehin schon unter der Dauerentzündung der Haut und der steten Röte leiden.

 




Beim Clown sind Knollennase und gerötete ­Wangen lustig, für Menschen mit Rosacea sind sie eine Plage.

Foto: dpa


Nur wenige größere Studien untersuchen die Epidemiologie der Rosacea – mit erheblichen Diskrepanzen. So stellte man in einer deutschen Studie fest, dass 2,3 Prozent der Bevölkerung daran leiden. In Schweden kam man auf 10 Prozent und in einer estnischen Studie sogar auf 22 Prozent. Allerdings waren die Teilnehmer der letztgenannten Studie 30 Jahre und älter. Damit steigt die Prävalenz der Erkrankung, da diese gewöhnlich erst im Erwachsenen- und höheren Lebensalter auftritt.

 

Frauen erkranken meist ab dem Alter von etwa 35 Jahren, Männer erst ab dem 50. Lebensjahr. Auch sind bei Männern die Symptome oft stärker ausgeprägt. Der hellhäutige Hauttyp ist häufiger betroffen als der dunkelhäutige.


Tabelle: Schweregrade der Rosacea

Schweregrad Symptome 
1: erythematöse-teleangiektatische ­Rosacea Hautrötung, Erröten, Flush, ­Hauttrockenheit, Teleangiektasien 
2: papulopustulöse Rosacea Erythem, Papeln, Pusteln, auch ­Brennen, Stechen 
3: glandulär-hyperplastische Rosacea Hautverdickung, Knoten, Ödeme, ­Phyme 
Sonderformen, zum Beispiel ­Ophthalmo-Rosacea, Steroid-Rosacea, gramnegative ­Rosacea  

Typisch Rosacea

 

Patienten mit Rosacea haben ein ganz charakteristisches klinisches Hautbild. Die Erkrankung manifestiert sich vorrangig im Gesicht, am häufigsten an Stirn, Nase, Kinn und Wangen, wobei die Rötungen typischerweise symmetrisch auftreten. Die Haut um die Augen bleibt ausgespart. Brustregion, Nacken und Kopfhaut sind bisweilen auch betroffen.

 

Leitsymptome sind vorübergehende Hautrötungen (Flush), bleibende Rötungen (Erytheme), die typischerweise mindestens drei Monate persistieren, Papeln und Pusteln, Lymphödeme sowie Teleangiektasien (spinnennetz­artig erweiterte Äderchen). Weitere Krankheitszeichen können Brennen und Stechen der geröteten Stellen, Hauttrockenheit sowie diffuse Hyperplasien des Bindegewebes und der Talgdrüsen, sogenannte Phyme, sein. An den Augen können sich Entzündungen sowie Lidrandrötungen zeigen. Oft bestehen gleichzeitig Magen-Darm-­Erkrankungen, wobei eine Besiedlung des Darms mit Candida-Hefepilzen am häufigsten diagnostiziert wird.

 

Verschiedene endogene und exogene Reize können die Manifestation einer Rosacea begünstigen. Exogene Faktoren können irritierende chemische Stoffe, zum Beispiel Pflegeprodukte wie Seifen sein, aber auch Hitze, Kälte und UV-Strahlung. Endogene Trigger können scharfe Speisen, Alkohol, heiße Getränke oder psychischer Stress sein. Die empfindliche Haut der Betroffenen kann dadurch leicht erröten. Dieses Symptom tritt immer wieder auf und ist bei allen Schweregraden der Rosacea in den Akutphasen zu finden.

 

Das klinische Erscheinungsbild der Rosacea kann in seinen unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregraden anderen Krankheitsbildern sehr ähneln. Eine differenzialdiagnostische Abklärung beim Dermatologen ist daher unabdingbar.

 

Verschiedene Schweregrade

 

Die Rosacea wird aufgrund ihrer Symptome in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Diese stellen Erscheinungsbilder der Krankheit dar und sind nicht – wie bei der früheren Stadieneinteilung – als fortschreitende Stufen der Erkrankung zu verstehen (Tabelle). Daneben sind Sonderformen wie die Rosacea ophthalmica (Augen-Rosacea) möglich. Die Hautrötungen können auch als unerwünschte Arzneimittelwirkung, zum Beispiel bei einer topischen Steroid-Anwendung, oder infolge von Infektionen, zum Beispiel mit gramnegativen Keimen, auftreten.




Viele Faktoren sind an der Pathogenese einer Rosacea beteiligt.

Bei der Rosacea erythematosa-teleangiectatica (Schweregrad 1, Couperose) leiden die Patienten vornehmlich unter einem dauerhaften Erythem, zunächst an Wangen, Nase und Kinn. Im Lauf der Zeit können Rötungen an der Stirn hinzukommen. Weiterhin treten mehr oder minder stark ausgeprägte ­Teleangiektasien auf. Die meisten Pa­tienten beschreiben Brennen, Stechen, Jucken oder auch Trockenheit der Haut. Differenzialdiagnostisch sollte der Arzt einen Lupus erythematodes, ein allergisches Kontaktekzem sowie UV-induzierte kutane Gefäßschäden ausschließen. In diesen Fällen ist eine topische oder gar systemische Rosacea-Therapie kontra- beziehungsweise nicht indiziert.

 

Der Schweregrad 2 beschreibt die Rosacea papulopustulosa. Hier findet man neben der starken Hautrötung einzeln oder gruppiert stehende, in der Regel symmetrisch angeordnete, entzündete und gerötete, meist hartnäckige Papeln und Pusteln. Bisweilen tritt an den entsprechenden Stellen ein Lymphödem auf. Oft sind nicht nur Nase, Wangen und Kinn betroffen, sondern das gesamte Gesicht. Manchmal treten die Effloreszenzen auch an Brust, Hals, Dekolleté und auf der Kopfhaut auf. Diese Form kann der Acne vulgaris ähneln, allerdings ohne Komedonen. Auch kann man das Krankheitsbild leicht mit einem allergischen Kontakt­ekzem oder einer perioralen Dermatitis verwechseln. Letztere bedarf unbedingt einer Nulltherapie, also keinerlei Anwendung von Therapeutika. Dagegen muss ein allergisches Kontakt­ekzem spezifisch behandelt werden, um weitere Reizungen zu vermeiden.

 

Die schwerste Ausprägung ist die glandulär-hyperplastische Rosacea (Schweregrad 3), von der hauptsächlich Männer betroffen sind. Diese Form ist gekennzeichnet durch eine Bindegewebs- und Talgdrüsenhyperplasie, die zu Phymen (Knollen), meistens an Nase (Rhinophym), Kinn (Gnathophym), Stirn (Metophym), Ohr (Otophym) oder Augenlid (Blepharophym) führen kann. Es wird immer wieder diskutiert, ob Rhinophym-Patienten häufiger an Basalzellkarzinomen erkranken. Bislang wurde aber kein Kausalzusammenhang gefunden. Jedoch können sich bösartige Wucherungen leicht in der Hyperplasie verbergen.

 

Sogar Kinder können eine Rosacea entwickeln. Das Erscheinungsbild unterscheidet sich nicht wesentlich von dem bei Erwachsenen, aber es treten keine Phyme auf. Die okuläre kann der kutanen Beteiligung vorausgehen.

 

Immunsystem außer Rand und Band

 

Die Ursachen der Rosacea sind bis heute nicht geklärt. Vermutlich handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem Störungen im angeborenen Immunsystem, lokale Entzündungsreaktionen auf Mikroorganismen der Haut sowie Dysregulationen auf neuroimmunologischer und neurovaskulärer Ebene zusammenkommen (Grafik). So spielen sowohl Cathelicidine als auch Toll-like-Rezeptoren (TLR) nachgewiesenermaßen eine Rolle.




Die Hautmilbe Demodex folliculorum gilt als Co-Faktor der Entzündungsreaktion bei Rosacea.

Foto: Your Photo Today


Cathelicidine sind eine Familie von antimikrobiellen Peptiden, die in der Haut produziert werden. Sie gehören dem angeborenen unspezifischen Immunsystem an. Auf der Hautoberfläche des Menschen findet sich das Cathelicidin-Peptid LL-37, das neben einer anti­mikrobiellen Wirkung auch immun­modulierende und angiogenetische Eigenschaften hat.

 

Bei Patienten mit Rosacea sind Produktion und Aktivierung von Catheli­cidin-Peptiden gestört. Insbesondere ­wurde eine vermehrte Produktion von Cathelicidin-Vorläufermolekülen und Cathelicidin-spaltenden Proteasen gefunden; dadurch entsteht ein Rosacea-typisches Peptidfragmentmuster, das auf normaler Haut nicht gefunden wird. Zwei dieser Fragmente induzieren die Freisetzung des proinflammatorischen Zytokins Interleukin-8 aus Keratinozyten, was lokal zu Entzündungsreaktionen führen kann. Im Tierversuch wurde ­gezeigt, dass die Injektion dieser typischen Cathelicidin-Peptidfragmente in die Haut von Mäusen ein Rosacea-ähnliches Krankheitsbild mit Erythem, Ödem und Infiltration von Entzündungszellen hervorruft.

 

Auch die Toll-like-Rezeptoren, ein anderer struktureller Teil des angeborenen Immunsystems, spielen eine entscheidende Rolle in der Pathogenese der Rosacea (Grafik). TLR sind Sensoren für Gefahrensignale und werden durch bestimmte pathogen- oder krankheitsassoziierte Muster aktiviert. Diese molekularen Muster kommen ausschließlich auf oder in Krankheitserregern vor, nicht beim Menschen.

 

TLR-2 erkennt beispielsweise viele Komponenten von Bakterien, Viren, Mycoplasmen und Pilzen und wird bei Rosacea-Patienten vermehrt exprimiert. Aktivierter TLR-2 induziert die Serinprotease Kallikrein 5. Dies ist eine der Proteasen, die das Cathelicidin-Peptid LL-37 spaltet beziehungsweise in weitere proentzündliche Fragmente zerlegt. Ein möglicher aktivierender Ligand für TLR-2 in der Haut bei Rosacea-Patienten ist Chitin, das unter anderem von Hautmilben wie der Demodex-­Milbe abgegeben wird.

 

Milben als Auslöser?

 

Demodex-Milben werden als mögliche Auslöser der Entzündungsreaktion bei Rosacea diskutiert. Tatsächlich ist die Dichte der Besiedelung der Haut mit der Milbe Demodex folliculorum bei Patienten signifikant höher als auf der Haut gesunder Menschen. Bei Rosacea-Patienten wurden zudem spezifische IgG-Antikörper gegen Demodex nachgewiesen.

 

Topische Therapien, die die Demodex-Dichte in der Haut vermindern, ­zeigen eine entzündungshemmende Wirkung. Dies lässt vermuten, dass die Milbe ein Co-Faktor für die Entzündungsreaktion ist. Eine Prophylaxe der Demodex-Besiedlung oder gar eine komplette Eradikation sind nicht möglich, da diese Milben zur normalen Hautflora gehören.

 

Provokationsfaktoren ­meiden

 

Die Therapie der Rosacea beruht auf mehreren Säulen. Die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft beschreibt die medikamentöse Behandlung, die sowohl topisch als auch systemisch erfolgen kann, und eine nicht-medikamentöse Therapie mit eher präventiv-protektiven Maßnahmen (Stand 3/2013¸ www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-065.html).


Das Apothekenteam sollte den Patienten auf jeden Fall raten, bekannte Provokationsfaktoren zu meiden. Häufig gehört dazu der Verzicht auf Kaffee, Alkohol und scharfe Speisen. Auch die Vermeidung von Stress und Anspannung kann wohltuend für die gerötete Haut sein. Patienten mit Bluthochdruck sollten auf eine gute Medikation achten, damit der Hypertonus die feinen Äderchen nicht platzen lässt.

 

Essenziell ist auch eine angepasste Hautpflege (Kasten). Aggressive Seifen sind zu meiden, weil sie den pH-Wert der Haut alkalisieren und Irritationen hervorrufen können. Zur Reinigung eignen sich pH-neutrale Agenzien und lauwarmes Wasser. Auf Gesichtswasser oder andere Präparate, die Menthol, Kampfer oder Adstringenzien enthalten, sollten die Patienten komplett verzichten. Hautcremes sollten hydrophil, wenig fetthaltig und gut verträglich sein. Auf Emulgatoren ist zu achten: Vor allem Natriumlaurylsulfat sollte gemieden werden.

 

Für viele Patienten ist es wichtig, die Rötungen gut abdecken zu können, da sie sich oft unangenehmen Blicken ­ausgesetzt fühlen. Make-up kann dies sehr gut. Studien haben gezeigt, dass sich hierdurch die Rosacea nicht verschlechtert. Wichtig ist – egal ob Sommer oder Winter – ein guter Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung. Viele Dermatologen empfehlen eher physikalische Blocker (Titandioxid, Zinkoxid) denn chemische Filter, da diese bei vielen ­Patienten weniger gut verträglich sind.

 

Symptomatische Therapie

 

Trotz einiger Neuzulassungen der vergangenen Jahre muss man festhalten, dass eine Rosacea bisher nicht dauerhaft heilbar ist. Die medikamentöse Therapie ist rein symptomatisch.



Gut behandelbar ist in vielen Fällen die papulopustulöse Form (Schweregrad 2). Hier reicht häufig schon eine topische Therapie mit wirkstoffhaltigen Cremes oder Gelen. Ebenso lassen sich die Hautrötungen des Schweregrades 1 mit entsprechenden Topika therapieren. Starke Entzündungen der Haut können durch systemische Gabe von Antibiotika (Tetracycline) zurückgedrängt und dann in Kombination mit Cremes und Gelen ausgeheilt werden. Persistierende geweitete Äderchen (Teleangiektasien) werden bisweilen im Anschluss vom Hautarzt mit dem Laser entfernt. Beim Schweregrad 3 ist die kombiniert topisch-systemische Therapie unabdingbar, um Erfolge zu erzielen.




Zwei Ausprägungen der Rosacea:
- typische Hautsymptome (Bild oben)
- Rhinophym (Bild unten)

Fotos: Gerd Plewig (oben)
Your Photo Today (unten)


Zur topischen Behandlung der Rosacea stehen Arzneimittel mit den Wirkstoffen Metronidazol, Azelainsäure, Brimonidin und neu seit Juni 2015 auch Ivermectin zur Verfügung. Weitere Topika (Permethrin- oder Retinaldehyd-haltige Cremes sowie Clindamycin-Zubereitungen) werden häufig off label eingesetzt.

 

Für die Verträglichkeit und Wirksamkeit spielen die Grundlagen und Arzneiformen eine bedeutende Rolle. Gele sind bei Patienten indiziert, die zu einer Flush-Symptomatik neigen, denn der Kühleffekt verengt die oberflächlichen Gefäße und erfrischt die erhitzte Haut. Emulsionen und Cremes eignen sich vor allem für Patienten, die zu trockener Haut neigen. Hierdurch kann eine ausreichende Hydratisierung der Haut erreicht werden, um den Hydro­lipidfilm wieder auszugleichen und den Hautturgor zu erhöhen.

 

Allrounder Metronidazol

 

Metronidazol ist laut Leitlinie der am häufigsten angewendete topische Wirkstoff bei Rosacea. Die Wirksamkeit wurde in mehreren placebokontrollierten Studien nachgewiesen. Wahrscheinlich ist ein antioxidativer, antiinflamma­torischer oder immunsupprimierender Effekt für den therapeutischen Erfolg verantwortlich. Der Patient sollte die 0,75- oder 1-prozentige Zubereitung morgens und abends anwenden, um Rötungen und Eiterpickel zu beseitigen (Beispiele: Metrogel®, Roseced®). Im direkten Vergleich war Metronidazol ebenso wirksam wie topisch angewendete Azelainsäure.

 

Auch bei Azelainsäure wird die Wirksamkeit auf einen entzündungshemmenden Effekt zurückgeführt. Zudem wird eine Normalisierung der ­Keratinisierung beschrieben, die bei der papulopustulösen Form das Hautbild insgesamt bessert. In Deutschland ist Azelainsäure als 15-prozentiges Gel zur Behandlung der Rosacea zugelassen. Es sollte zweimal täglich aufgetragen werden (Beispiel Skinoren® Gel).

 

Der Wirkmechanismus von Ivermectin bei der Behandlung entzündlicher Läsionen der papulopustulösen Rosacea (Schweregrad 2) ist noch nicht vollständig geklärt. Jedoch wirkt der Arzneistoff zweifach: antiinflammatorisch und antiparasitär. Ivermectin tötet Demodex-Milben ab und stellt eine Alternative zu Metronidazol dar. Die 10-prozentige Ivermectin-Creme soll einmal täglich angewendet werden (Beispiel: Soolantra® 10 mg/g Creme). Bleibt auch nach drei bis vier Monaten Therapie der Erfolg aus, sollte eine andere Behandlungsform, meist eine systemische Therapie angestrebt werden.

 

Zur symptomatischen Behandlung des persistierenden Erythems, zum Beispiel bei Rosacea erythematosa-tele­angiectatica, steht mit Brimonidin ein hochselektiver Alpha-2-Adrenorezeptor-Agonist zur Verfügung (Beispiel: Mirvaso® 3 mg/g Gel). Das Gel bewirkt nach nur einmal täglicher Anwendung eine effektive, lang anhaltende Vasokonstriktion. Hierdurch wird die Haut lokal schlechter durchblutet und die Rötungen im Gesicht lassen nach. Es wurden weder Tachyphylaxie (Toleranz­entwicklung) noch ein Rebound der Erytheme beobachtet. Bei vielen Patienten kann das Gel somit den Leidensdruck durch die anfallsartige flüchtige Flush-Symptomatik deutlich mindern.


Sonderform: Rosacea am Auge

Circa 30 bis 50 Prozent der Patienten entwickeln neben der Erkrankung der Haut auch eine Rosacea am Auge (Ophthalmo-Rosacea). Haut- und Augensymptome korrelieren in ihrem Ausprägungsgrad nicht unbedingt und treten bei vielen Patienten über Jahre hinweg getrennt voneinander auf. Daher wird eine Augenbeteiligung oft übersehen. Eine Ophthalmo-Rosacea manifestiert sich gelegentlich schon im Kindesalter (mit und ohne Hautveränderungen).

 

Die häufigsten Symptome ergeben sich aus einer Entzündung des Augenlids und dem daraus resultierenden trockenen Auge und sind relativ unspezifisch: Fremdkörpergefühl, trockene, brennende oder tränende Augen sowie geröteter Lidrand. Bei deutlicher Störung des Tränenfilms können Probleme wie Verschwommensehen oder erhöhte Lichtempfindlichkeit auftreten. Blepharitis, aber auch Konjunktivitis sind die häufigsten Manifestationen der okulären Rosacea. ­Gelegentlich kann ein Lid- oder peri­orbitales Ödem auftreten. Als Folge entstehen nicht selten Ulzerationen der Augenhornhaut.

 

Das optimale Therapieschema für eine Rosacea am Auge gibt es nicht. Sehr wichtig ist die Lidrandhygiene, um Entzündungen zu vermeiden. Außerdem sollte das Auge immer feucht gehalten werden. Hierzu empfehlen sich besonders lipidhaltige Tränenersatzmittel auf Gelbasis, die der Patient bis zu stündlich applizieren kann. Ist das Auge stark entzündet und liegt eine Blepharitis vor, zeigten Cyclosporin-Cremes gute Wirksamkeit (zur Behandlung bei schwerer Keratitis ­zu­gelassen: Ikervis® 1 mg/ml Augentropfen-Emulsion). Bei persistierenden Beschwerden wird auch bei der Ophthalmo-Rosacea niedrig dosiertes orales Doxycyclin empfohlen, hier jedoch im Off-Label-Einsatz.

 


Doxycyclin gegen die ­Entzündung

 

Eine systemische Therapie sollte insbesondere bei schweren sowie bei therapieresistenten leichteren Formen der Rosacea eingesetzt werden, empfehlen die Autoren der Leitlinie. Am häufigsten werden Tetracycline, speziell Do­xycyclin und Minocyclin verwendet. Doxycyclin hat ein günstigeres Nutzen-Risiko-Profil und ist daher dem Minocyclin vorzuziehen. Neben der antibiotischen Wirkung kann Doxycyclin die Aktivierung von Kallikrein-verwandten Peptidasen hemmen und damit die Bildung von proentzündlichen athelicidin-Fragmenten vermindern. Dadurch wirkt es auch antiinflammatorisch.

 

Die früher üblichen Tagesdosen von 100 und 200 mg Doxycyclin sollten nicht mehr eingesetzt werden, da ein niedrig dosiertes Mittel auf dem Markt ist, das aufgrund seiner besonderen Galenik gleiche Effekte wie die Hochdosis erzielt. Die Hartkapseln enthalten 30 mg sofort verfügbares Doxycyclin plus 10 mg Doxycyclin, das retardiert freigesetzt wird (Beispiel: Orayzea® 40 mg). Das Arzneimittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht antimikrobiell wirksam, sodass weder mit starken unerwünschten Wirkungen, insbesondere gastrointestinalen Störungen, Candidosen, Lichtempfindlichkeit und Hyperpigmentierung, noch mit einer Zunahme der Bakterienresistenz zu rechnen ist.

 

In mehreren Studien konnte das ­Vitamin-A-Säure-Derivat Isotretinoin, systemisch appliziert, eine Rosacea bessern. Die Wirkung kann verzögert eintreten. Isotretinoin führte zu einer merklichen Reduktion von Papeln, Pusteln, Erythemen und Teleangiektasien. Sogar die Reduktion von Rhinophymen konnte erreicht werden. Im Gegensatz zur üblichen Dosierung bei Akne reicht eine niedrigere Dosis von 10 bis 20 mg täglich aus. Wenngleich Isotretinoin als wirksames Arzneimittel zur Behandlung schwerer Rosacea-Formen lange bekannt ist, hat es dafür keine Zulassung und wird off label eingesetzt.

 

Vorsicht: Isotretinoin wirkt teratogen! Daher ist es bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert oder darf nur unter strikten Auflagen verordnet werden.

 

Insbesondere bei stärkerer Ausprägung der Rosacea kommt die kombinierte Anwendung topischer und systemischer Therapeutika in Betracht. Empfohlen wird die Kombination von teilretardiertem Doxycyclin peroral mit der topischen Anwendung von Metronidazol oder Azelainsäure. Da Rosacea als chronische Erkrankung nach Absetzen der systemischen Behandlung zu Rezidiven neigt, kann man mit Metronidazol-Topika versuchen, den verbesserten Hautzustand über längere Zeit zu erhalten.

 

Mit Laser und Licht

 

Eine Lasertherapie kann Teleangiektasien und das Erythem verbessern sowie auch ablativ bei Phymen eingesetzt werden. Bei Teleangiektasien ist der Erfolg sehr gut, beim flächigen Erythem teilweise geringer. Die Nebenwirkungsraten sind bei allen Verfahren niedrig. Es wurde nur selten von Hypo­pigmentierung, Narben, Blasenbildung und Schmerzen berichtet.

 

Eine weitere Möglichkeit bietet die Therapie mit einer inten­siven gepulsten Lichtquelle (IPL), bei der ein größeres Spektrum von Wellenlängen verwendet wird. Hiermit kann eine größere Fläche behandelt werden. Die Erfolgsrate entspricht der der Lasertherapie.

 

Optionen beim Rhinophym

 

Viele Patienten leiden daran, dass sie sich häufig jahrelang für ihre rot geschwollene Nase rechtfertigen müssen. Mit­unter werden sie fälschlicherweise als alkoholabhängig ­bezeichnet.

 

Die Wucherungen der Nase erfordern vor allem operative Verfahren. Früher gingen die Ärzte dabei sehr radikal vor: Ganze Teile der Nase wurden beschnitten. Das hat sich heute geändert. Das sogenannte Dermashaving und die Derm­abrasion sind zwar etwas ältere Methoden, lassen sich aber – im Vergleich zu anderen Verfahren – gut steuern. Mit dem Skalpell (Dermashaving) und der Fräse (Dermabrasion) werden die Hautverdickungen schichtweise abgetragen. Dabei achtet der Dermatologe darauf, die »ursprüngliche« Nase zu modellieren.

 

Verfahren mit ablativen Lasern kommen zusätzlich zum Einsatz, vor allem zur Feinmodulation der Nase. Komplikationen sind selten. Trotz einer langwierigen Heilungsphase ist der Therapieerfolg – vor allem bezüglich der psychosozialen Komponente – nicht wegzudiskutieren. /

 

Literatur bei der Verfasserin


Die Autorin

Verena Ruß studierte von 2000 bis 2004 Pharmazie an der Julius-Maximi­lians-Universität Würzburg. Nach dem Praktischen Jahr in der pharmazeutischen Industrie und Offizin begann sie ihre Promotion 2005 an der LMU in München im Bereich Pharmazeutische Biolo­gie/Biotechnologie zum Thema nichtviraler Gentransfer zur Tumor­therapie. In ihrer Postdoktorandenzeit am City of Hope in Duarte, Kalifornien/USA, erweiterte sie die Therapieziele auf die HIV-Therapie und kehrte 2009 nach Deutschland zurück. Seit 2010 ist sie Inhaberin einer Apotheke und nebenbei als freiberuf­liche Fachjournalistin tätig.

 

Dr. Verena Ruß

Franz-Fihl-Straße 3

80992 München

E-Mail: verenaruss@gmail.com 




Beitrag erschienen in Ausgabe 07/2016

 

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