Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Lieferengpässe: Rabattverträge erneut in der Kritik

NACHRICHTEN

 
Lieferengpässe: Rabattverträge erneut in der Kritik
 


Der Hessische Apothekerverband (HAV) will gegen Lieferengpässe von Arzneimitteln vorgehen und Pharmaunternehmen notfalls per Gesetz dazu zwingen, ihre Lieferfähigkeit nachzuweisen. «Sind Arzneimittel nicht lieferbar, erleben wir häufig, dass Hersteller sich als lieferfähig bezeichnen, tatsächlich aber nur Minimengen in den Markt geben», sagte der HAV-Vorstandsvorsitzende Detlef Weidemann der PZ. Wer in solchen Fällen die Verantwortung für die Lieferprobleme trage, lasse sich kaum nachvollziehen. «Es wäre hilfreich, wenn das jeweilige Unternehmen gegenüber seinen Vertragspartnern nachweisen müsste, dass es den Lieferverzug tatsächlich nicht zu verantworten hat.»
 
Exklusive Rabattverträge erschwerten ohnehin die zügige Arzneimittelversorgung der Patienten, kritisierte Weidemann. Im Zuge eines Rabattvertrags verpflichte sich ein Hersteller aber zur Lieferung. Unter Umständen seien deshalb «konsequente Sanktionen» hilfreich. Hier seien vor allem die Krankenkassen gefordert.
 
Auch die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände plädiert dafür, Ausschreibungen für Rabattverträge an mehrere Hersteller zu vergeben. Manchen Kassen seien «ein paar Cent zusätzliche Ersparnis scheinbar wichtiger als die jederzeitige Verfügbarkeit von wichtigen Medikamenten», betonte der DAV-Vorsitzende Fritz Becker heute in einer Mitteilung. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass es bei einzelnen Herstellern immer wieder zu Lieferengpässen kommt. «Deshalb sollten sich Krankenkassen bei ihren Ausschreibungen für Rabattverträge nicht nur an einen einzigen Hersteller binden, sondern zwei oder drei Anbieter auswählen.»
 
Auch der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) sieht für eine Lösung der Liefer-Problematik vor allem die Krankenkassen am Zug. «Die Krankenkassen sollten dazu verpflichtet werden, bei allen ausgeschriebenen Wirkstoffen mindestens drei Zuschläge pro Los zu erteilen und zwischen Losvergabe und Wirksamwerden des Rabattvertrages eine Vorlaufzeit von sechs Monaten einzuräumen», teilte der Verband heute auf Anfrage der PZ mit. Darüber hinaus sollten bestimmte Wirkstoffe, die als versorgungskritisch zu betrachten sind, von Ausschreibungen ausgenommen werden, heißt es weiter. Der Ruf nach einer gesetzlich festgelegten Lieferpflicht für Hersteller, wie sie zuvor der HAV verlangt hatte, werde den Problemen aber nicht gerecht. «Lieferengpässe sind differenziert zu betrachten, weil die Ursachen auch verschieden sind», so der BAH. (cd)
 
12.02.2016 l PZ
Foto: Fotolia/smoxx
 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Rekombinantes Parathormon vor Zulassung

Natpar könnte in Europa das erste verfügbare Medikament zur Behandlung eines Hypoparathyreoidismus werden. Bei der seltenen Erkrankung ist...



Krebstherapie: Erstes Biosimilar im EU-Markt

Für die Onkologie in Europa ist es ein wesentlicher Schritt: Mit Truxima™ des südkoreanischen Unternehmens Celltrion hat das erste...



Brexit: Viele Ärzte überlegen, die Insel zu verlassen

Einer Umfrage der British Medical Association (BMA) zufolge zieht es mehr als jeder vierte ausländische Arzt (42 Prozent) in Betracht, nach...



Tag der seltenen Erkrankungen: Forschung im Fokus

Am 28. Februar findet bereits zum zehnten Mal der internationale Tag der seltenen Erkrankungen statt. Er soll weltweit auf die Nöte und...

 
 

KBV: Politik soll gegen Klinik-Wildwuchs vorgehen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat mehr Engagement der Politik zur Umsetzung der Krankenhausstrukturreform gefordert. Für eine...

Fiebersyndrome: neue Indikationen für Canakinumab
Für Patienten mit bestimmten Formen sogenannter hereditärer periodischer Fiebersyndrome (HPF) könnte in Kürze eine neue Therapieoption zur...

Rx-Boni: Gerichtsverfahren hat sich erledigt
Die Wettbewerbszentrale wird das Verfahren zu Rx-Boni vor dem Oberlandesgericht...

Mehr Diabetiker als vermutet: Jeder Zehnte leidet daran
In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte Bundesbürger mit einer...

GKV: Finanzplus lässt auf stabilen Zusatzbeitrag hoffen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der...

Rx-Versandverbot: Ressorts sind sich nicht einig
Das von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ist nach wie vor...

Stada: Erstes verbindliches Übernahmeangebot eingegangen
Der Pharmakonzern Stada hat heute das erste rechtlich verbindliches Übernahmeangebot erhalten. Laut Ad-hoc-Meldung von Stada umfasst die...

WHO: Immer mehr Menschen leiden an Depressionen
Die Zahl der Menschen mit Depressionen steigt weltweit rasant. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322...

Farbige Fun-Kontaktlinsen: Fragwürdiger Fastnachtsspaß
Freiverkäufliche Fun- oder Crazylinsen sollten nur so kurz wie möglich im Auge gelassen und am besten unter augenärztlicher Kontrolle...

Krankenkassen wollen Zyto-Ausschreibungen behalten
Die deutschen Krankenkassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern. In einem Schreiben an die...

Depressionen: Merkel sieht Aufklärungs- und Handlungsbedarf
Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht großen Handlungsbedarf für die Aufklärung über Depressionen – und für Gespräche mit Arbeitgebern...

Studie: Image der Pharmaindustrie bleibt schlecht
Die Pharmaindustrie hat weiterhin ein schlechtes Image. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor...

Alkohol an Karneval: Risiken nicht verharmlosen
Gerade im Karneval herrscht beim Alkohol oft Narrenfreiheit. Psychiater und Suchtexperte Darius Chahmoradi Tabatabai, Chefarzt am Vivantes...

Grippewelle: Höhepunkt wohl überschritten
Die schlimmste Phase der Grippesaison in Deutschland ist wahrscheinlich überstanden. Die Welle halte zwar an, allerdings scheine der...

Morbus Fabry: Selten und häufig übersehen
Bis zur Diagnose der seltenen Erkrankung Morbus Fabry vergehen im Schnitt 13 bis 18 Jahre. «Bei jungen Patienten mit Schlaganfall sowie bei...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU