Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

Aufbaustudium: Nach der Uni ist vor der Uni

CAMPUS

 
Aufbaustudium

Nach der Uni ist vor der Uni


Von Christina Müller / Wirtschaft, Gesundheitsforschung oder Recht – wer sich nach dem Pharmaziestudium spezialisieren möchte, kann zwischen verschiedenen Aufbaustudiengängen wählen. In Kürze kommt mit dem Universitätslehrgang Pharmarecht ein neuer hinzu. Die Möglichkeiten für Apotheker, ihr Wissen zu erweitern, werden damit noch etwas vielfältiger.

ANZEIGE


Die Donau-Universität Krems nahe Wien bietet in diesem Jahr erstmalig den Universitätslehrgang Pharmarecht an. Das Zertifikatsprogramm soll Apothekern, Ärzten und Rechtsanwälten eine Orientierung im Paragrafen-Dschungel vermitteln. 

 




Das Angebot an weiterführenden Studiengängen für Apotheker ist breit. Entscheidend für die Wahl eines Kurses sollte sein, in welchem Bereich man später arbeiten möchte.

Foto: Shutterstock/Tom Wang


In vier Wochenendmodulen, die berufsbegleitend belegt werden können, erhalten sie einen Überblick über Grundlagen des Arzneimittelrechts, Datenschutz, Ethik in Forschung und klinischer Prüfung, Arzneimittelzulassungen, Wettbewerbs- und Patentrecht sowie Arzneimittelpreise und Kostenerstattung. Der Lehrgang richtet sich insbesondere an Mitarbeiter von Pharmakonzernen sowie bei den zuständigen Behörden tätige Personen. Gesamtkosten: 3490 Euro für ein Semester.

 

Für Apothekeninhaber und Filialleiter eignet sich die Weiterbildung zum Apothekenbetriebswirt an der Hochschule Schmalkalden in Thüringen oder der Wirtschaftsakademie Deutscher Apotheker (WDA) in Bayreuth. In Schmalkalden erweitern die Teilnehmer in insgesamt vier mehrtägigen Präsenzterminen pro Semester ihre Kenntnisse in Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung, Finanzwesen, Management, Marketing, Recht und Gesundheitsökonomie. An der WDA absolvieren Studierende drei mehrtägige Veranstaltungen pro Semester mit ähnlichen Themenschwerpunkten.

 

Maßgeschneiderte Kurse

 

Auch die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg bietet mit dem sogenannten Pharma Master of Business Administration (MBA) ein vergleichbares Programm an. Im Oktober 2016 startet zudem an der Goethe Business School in Frankfurt am Main ein Kurs, der speziell auf die Anforderungen in der Pharmaindustrie zugeschnitten ist und ebenfalls mit dem MBA abschließt.

 

Zulassungsvoraussetzung ist in der Regel ein abgeschlossenes Pharmaziestudium. An der Hochschule Schmalkalden und der WDA reicht bereits ein bestandenes zweites Staatsexamen aus – die Kurse können demnach schon im praktischen Jahr besucht werden. Gesamtkosten: abhängig von der Einrichtung zwischen 6300 Euro plus Gebühren und 35 000 Euro.

 

Wer eine fachliche Herausforderung sucht, für den könnte das berufsbegleitende Aufbaustudium Toxikologie an der Universität Leipzig interessant sein. In 13 einwöchigen Präsenzkursen, die sich auf vier Semester verteilen, vertiefen die Teilnehmer ihr Wissen zu Or-ganotoxikologie, Biotransformation, Genotoxizität, Versuchstierkunde, Umweltschutz, Arznei- und Lebensmitteltoxikologie sowie Risikobewertung.

 

Im fünften Semester fertigen die Absolventen eine Abschlussarbeit zu einem Thema ihrer Wahl an. Mitmachen darf, wer einen ersten Abschluss in Chemie, Biologie, Medizin, Veterinärmedizin, Pharmazie, Agrarwissenschaften oder bestimmter Technikwissenschaften vorweisen kann. Die Studierenden erhalten am Ende den Titel Fachwissenschaftler für Toxikologie und Umweltschutz. Gesamtkosten: 4000 Euro für fünf Semester plus Semesterbeitrag.

 

Apotheker, die in der Arzneimittelzulassung Fuß fassen möchten, können den weiterbildenden Masterstudiengang Drug Regulatory Affairs in Bonn belegen. Die Deutsche Gesellschaft für Regulatory Affairs bildet gemeinsam mit der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn gezielt Naturwissenschaftler aus in Bereichen wie Arzneimittelentwicklung, Qualitätssicherung und -management, Zulassungsstrategien sowie Pharmarecht in Europa und wichtigen Gebieten außerhalb Europas.

 

Zudem vermittelt das Studium Kenntnisse über die chemischen, pharmazeutischen, pharmakologischen, toxikologischen und klinischen Inhalte von Zulassungsdokumenten und deren Bewertung. Es umfasst regulär zwei Semester, in denen die Studierenden insgesamt zwölf Module belegen. Diese finden in zweitägigen Blockseminaren statt.

 

Darüber hinaus absolvieren die Teilnehmer ein sechsmonatiges Praktikum in einer Regulatory-Affairs-Abteilung, etwa bei einem Pharmakonzern, und verfassen eine Masterarbeit. Neben einem naturwissenschaftlichen Hochschulabschluss sollten Interessierte sowohl gute Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch als auch Computer-Grundkenntnisse mitbringen. Gesamtkosten: 6600 Euro für vier Semester plus 100 Euro für jedes weitere Semester.




Wer nach dem Pharmaziestudium noch einen Aufbaustudiengang absolviert, erhält oft einen zusätzlichen Titel.

Foto: Fotolia/Africa Studio


Einen weiterführenden Master in Epidemiologie bieten in Deutschland verschiedene Bildungseinrichtungen, etwa in Berlin, München und Mainz, an. Die Epidemiologie untersucht die Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung und welche Faktoren ein Individuum oder ganze Gruppen krank werden lassen oder sie gesund halten.

 

Das Studium vermittelt vor allem analytisch-methodische Kenntnisse und ihre Anwendung in der Gesundheitsforschung. Es richtet sich an Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, die an klinischen oder pharmazeutischen Einrichtungen, bei Krankenkassen oder Behörden tätig sind. Das Studium dauert berufsbegleitend in der Regel vier Semester. Gesamtkosten: universitätsabhängig bis zu 7200 Euro plus Semesterbeitrag.

 

Öffentliche Gesundheit

 

Das wohl breiteste Angebot finden Interessierte im Bereich Public Health oder auch öffentliche Gesundheit. Public Health ist eine interdisziplinäre empirische Wissenschaft, bei der nicht die Gesundheit einer einzelnen Person im Vordergrund steht, sondern die einer Bevölkerung. Sie untersucht die Bedingungen für Gesundheit, die Ursachen von Krankheiten, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt, die Leistungen des Gesundheitssystems und die Möglichkeiten, dieses System politisch zu evaluieren und zu steuern. In Deutschland gibt es mehr als zehn Standorte, an denen ein Public-Health-Studium möglich ist. Art und Dauer, Schwerpunkte und Kosten variieren dementsprechend stark zwischen den Einrichtungen. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 06/2016

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 











DIREKT ZU